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Wegweiser im Sichtfeld : Continental bringt die Kinotechnik ins Auto

  • -Aktualisiert am

So könnte das Autofahren in Zukunft aussehen Bild: Continental

Als erstes Unternehmen der Autoindustrie hat Continental einen Apparat entwickelt, der dem Fahrer individuelle Wegweiser direkt in das Sichtfeld projiziert. Dahinter steckt ein großes Geschäft.

          Das Roboterauto der Zukunft wird weder morgen noch plötzlich und auf einen Schlag Realität, sondern es kommt schrittweise. Nötig sind dafür unter anderem Anzeigesysteme, die dem Fahrer wichtige Informationen so in sein Blickfeld projizieren, dass er den Blick nicht von der Straße abwenden muss. Als erstes Unternehmen der Autoindustrie hat jetzt der weltweit zweitgrößte Zulieferer Continental ein sogenanntes „Augmented Reality Head-up Display“ in einem fahrtüchtigen Prototyp auf der Straße gezeigt. Entwickelt und produziert wird der Apparat von der Sparte Chassis mit Sitz in Babenhausen bei Frankfurt. „Bis 2017 wollen wir die Serienreife erreichen“, kündigt der verantwortliche Manager Eelco Spoelder an.

          Mit der neuen Technik wird unter anderem das Navigieren in einer fremden Großstadt deutlich erleichtert. So können virtuelle Pfeile als Wegweiser auf der Straße eingeblendet werden – passgenau in die Außenansicht eingefügt. Der Fahrer ist dann nicht mehr auf missverständliche Ansagen oder Anzeigen des Navigationsgeräts angewiesen. Wie bei digitalen Kino-Projektoren werden die grafischen Elemente mit einem Ensemble Hunderttausender winziger Spiegel erzeugt, die sich einzeln kippen lassen. In das Sichtfeld des Fahrers gespiegelt werden die Bilder über die Windschutzscheibe. Eine Innenraumkamera passt das System in Zukunft automatisch an Größe und Sitzposition des Fahrers an. Bei diesem entsteht so der Eindruck, dass die virtuellen grafischen Ergänzungen quasi über der Motorhaube schweben – oder bis zu 100 Meter voraus über der Straße.

          Dahinter steckt eine Menge Rechenpower: Das Steuergerät errechnet auf der Basis von Kamera- und Radardaten der Bordsensoren, unter Berücksichtigung von Fahrdynamikwerten aus dem Auto sowie mit Hilfe von digitalen Kartendaten und GPS-Ortung ein Modell der realen Außenansicht aus der Perspektive des Fahrers.

          Fahrerassistenzsysteme sollen integriert werden

          Neben der Navigationshilfe geht es auch darum, die anderen Fahrerassistenzsysteme zu integrieren. So blendet das System beim Überfahren der Fahrbahnmarkierung „rote Katzenaugen“ als Warnung ein und ergänzt so die Piepser des Spurhalteassistenten. Angesichts der zahlreichen verschiedenen Warnpiepser, die es heute schon gibt, trägt das dazu bei, die Warnung eindeutiger zu machen. Ähnliches passiert beim automatischen Abstandshalter: Hier visualisiert eine Markierung, an welchem vorausfahrenden Fahrzeug sich das Auto orientiert und ob der Abstand ausreicht, um einen Auffahrunfall zu verhindern.

          „Für die Akzeptanz automatisierten Fahrens spielt diese Technologie in unseren Augen eine sehr wichtige Rolle. Das Fahrzeug zeigt dem Fahrer, was die Assistenzsysteme sehen. Das macht es dem Menschen am Steuer leichter, Vertrauen in die Technik zu fassen“, sagt Continental-Manager Spoelder. Künftig wäre es sogar möglich, dem Fahrer mit Hilfe eines Nachtsichtgeräts Fahrradfahrer oder Fußgänger zu zeigen, die bislang in der Dunkelheit verborgen bleiben.

          Hinter der neuen Technik steckt in absehbarer Zeit ein großes Geschäft. Schon in diesem Jahr werden rund um den Globus rund 1,5 Millionen Head-up Displays verkauft. Nach Einschätzung von Continental dürfte sich die Stückzahl bis 2018 auf rund 5 Millionen mehr als verdreifachen. Das entspräche nach Berechnungen des Prognoseinstituts IHS Automotive einem Jahresumsatz von einer Milliarde Euro. Zunächst wird das Augmented Reality Head-up Display wohl nur in Autos der Oberklasse zum Einsatz kommen. Das liegt nicht nur am Preis, der oberhalb von 1000 Euro liegen dürfte. Der Apparat verbraucht auch viel Platz hinter dem Armaturenbrett – ungefähr so viel wie ein Sprudelkasten.

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