http://www.faz.net/-gqe-76dly
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 11.02.2013, 15:30 Uhr

Content Marketing Lass uns Freunde werden

Wegschauen, wegzappen, wegklicken - viele Menschen finden Werbung lästig. Deshalb machen Unternehmen jetzt Werbung, die nicht mehr wie Werbung aussieht.

von
© dpa Volle Aufmerksamkeit: Unternehmen nutzen das Filmfestival Berlinale, um Imagepflege zu betreiben

Wenn sich in diesen Tagen in Berlin die Filmwelt zur Berlinale trifft, dann drängen nicht nur Schauspieler und Regisseure auf den roten Teppich, sondern auch Marketingprofis. Zum Beispiel die von Samsung. Der Elektronikhersteller ist offizieller Partner der Berlinale. Er nutzt das Filmfest aber nicht nur, um sein Logo zu präsentieren, er ruft auch einen eigenen Wettbewerb aus: den Samsung Smartfilm Award. Dort zeigen sechs Regisseure Filme, die sie mit einer Kamera und einem Tabletcomputer von Samsung produziert haben. Als die „Geburt eines neuen Genres“ feiert Samsung das. Und weiter: „Der Smartfilm versteht sich als Kreuzung aus Kurzfilm und Webclip, als Clash aus Kunst und Impuls.“

Julia Löhr Folgen:

Was das Unternehmen als neue Kunstform zu präsentieren versucht, ist nichts anderes als Werbung, nur etwas eleganter verpackt. Samsung folgt damit einem Trend. Kein anderes Thema elektrisiert die Werbebranche im Moment so sehr wie Werbung, die nicht wie Werbung aussieht. Wegschauen, wegzappen, wegklicken - weil viele Verbraucher Reklame nervt, suchen die Unternehmen nach anderen Möglichkeiten, ihre Produkte ins rechte Licht zu rücken, ohne dabei allzu aufdringlich zu wirken. „Content Marketing“ werden Aktionen wie die von Samsung genannt, wahlweise auch „Experience Branding“. Der Elektronikhersteller sieht sich in seiner Strategie schon vor der Premierenfeier bestätigt: Man habe noch nie in so kurzer Zeit so viele neue Anhänger auf Facebook gewonnen wie jetzt, jubelt der Marketingchef.

Einen Red-Bull-Moment kreieren

Als Paradebeispiel für gelungenes Content Marketing gilt Red Bull, der Hersteller des gleichnamigen Energydrinks. Das österreichische Unternehmen ist längst zu einem Medienhaus mit angeschlossener Getränkeproduktion geworden. Es gibt den hauseigenen Fernsehsender „Servus TV“ sowie das Magazin „The Red Bulletin“ (monatliche Auflage: 2,7 Millionen), das optisch wie inhaltlich kaum von Magazinen traditioneller Verlage zu unterscheiden ist. Zu breiter Bekanntheit brachte es Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz Mitte Oktober, als der von ihm unterstützte Österreicher Felix Baumgartner mit einem Ballon fast 40 Kilometer in die Höhe stieg und anschließend zurück auf die Erde sprang. Medienhäuser in aller Welt berichteten ausgiebig über das Spektakel. Allein beim deutschen Sender N-TV schauten mehr als 7 Millionen Menschen zu.

Seitdem rennen Unternehmen Werbeagenturen die Türen ein, wollen, um mit Andy Warhol zu sprechen, ihre 15 Minuten Ruhm. „Man kommt an Red Bull im Moment nicht vorbei“, sagt Thomas Strerath. Der Deutschland-Chef der Werbeagentur Ogilvy wird in letzter Zeit von Kunden häufiger gefragt, ob die Werber nicht für sie auch so einen Red-Bull-Moment kreieren könnten. Nach Möglichkeit mit etwas weniger Geld als den 50 Millionen Euro, die Red Bull angeblich in das Projekt Stratos gesteckt haben soll.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gutes Ergebnis Samsung triumphiert im zweiten Quartal

Es ist das beste Quartalsergebnis seit mehr als zwei Jahren: Dank neuer Smartphones florieren die Geschäfte von Handykonzern Samsung. Aber wie lange noch? Warum es im zweiten Halbjahr für die Koreaner wieder schwieriger wird. Mehr

28.07.2016, 08:18 Uhr | Wirtschaft
Nach dem Putschversuch Türkische Regierung schließt zahlreiche Medienanstalten

Die türkische Regierung hat zahlreiche Medienanstalten schließen lassen. Nicht weiter publizieren dürften 45 Zeitungen, 15 Magazine und drei Nachrichtenagenturen, außerdem dürfen 16 Fernseh- und 23 Radiostationen nicht mehr auf Sendung gehen. Aus Regierungskreisen verlautete zudem, dass 1684 Militärangehörige wegen ihrer Rolle während des versuchten Putsches unehrenhaft entlassen worden seien. Mehr

29.07.2016, 15:00 Uhr | Politik
Faktencheck Wie hältst Du’s mit der Wahrheit, Hillary?

Hillary Clinton gilt vielen Amerikanern als nicht besonders vertrauenswürdig. Aber ist sie ehrlich? Wir haben ihre Rede auf dem Parteitag überprüft. Mehr Von Aziza Kasumov

29.07.2016, 09:27 Uhr | Politik
Türkei Welle von Entlassungen und Festnahmen hält an

Nach dem gescheiterten Putsch halten die Entlassungen in den türkischen Behörden unvermindert an. Zudem ging die Regierung am Donnerstag erneut massiv gegen Medien vor. Dutzende Zeitungen, Magazine, Rundfunk- und Fernsehsender sind geschlossen worden. Mehr

28.07.2016, 17:53 Uhr | Politik
Aktien-Anlage Die Lage ist schon besser als die Stimmung

Der amerikanische Aktienindex S&P 500 ist auf neue historische Höchstkurse gestiegen. Das hat auch bei vielen europäischen Standardwerten für technische Verbesserungen gesorgt. Vor allem zwei Aktien aus dem Dax sind derzeit interessant. Mehr Von Achim Matzke

29.07.2016, 10:14 Uhr | Finanzen

Minister Gabriel beim Mauscheln

Von Rainer Hank

Edeka darf Kaiser’s Tengelmann nicht übernehmen. Obwohl der Wirtschaftsminister es erlaubt hat. Der hat recht – aber doofe Argumente. Ein Kommentar. Mehr 4 10

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“