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Consumer Electronics Show Die dritte Dimension im Fernsehen

11.01.2010 ·  Die 3-D-Technik hält Einzug in die Wohnzimmer von Millionen Verbrauchern. Vor allem asiatische Hersteller wie Sony und LG geben dabei den Ton an - ein Anbieter will sogar die bislang unerlässliche Brille abschaffen.

Von Stephan Finsterbusch
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Der Fernsehbranche steht eine weitere Revolution bevor. Nachdem die TV-Geräte so flach wie ein Taschenbuch sind und die laufenden Bilder eine bis vor kurzem nicht gekannte Auflösung, Klarheit und Schärfe haben, sollen sie in den kommenden Monaten nun auch noch dreidimensional werden. Zwar ist diese sogenannte 3-D-Technik schon seit den fünfziger Jahren aus Spezialvorführungen in Kinos bekannt. Doch in den vergangenen drei Jahren haben große Elektronikkonzerne wie Panasonic, LG und Sony viel Geld investiert, um sie nun auch in die Fernsehecke der Wohnzimmer von Millionen Verbrauchern zu bringen.

So standen 3-D-TV-Geräte auf der Konsumelektronikmesse CES in Las Vegas im Zentrum des Geschehens (CES: Fernsehhersteller setzen auf die dritte Dimension). „Dieses Jahr werden auf diesem Gebiet wichtige Schritte in den Massenmarkt hinein gemacht“, sagte Shawn DuBravac von der Consumer Electronic Association während der Messe. Der jüngste Publikumserfolg des Kinofilms Avatar aus dem Hause Twentieth Century Fox bestärkt ihn in seiner Ansicht und lässt die gesamte Branche auf einen Wachstumsschub hoffen. Die Studios von Disney und Dreamworks arbeiten an einer Reihe 3-D-Filme und kündigten an, künftig alle Trickfilme in der dritten Dimension zu erstellen. Japanische Filmstudios wie Tohokushinsha und Asmuc Ace Entertainment ziehen hier mit ihren TV-Animationsfilm-Projekten mit.

10 bis 20 Prozent teurer als gewöhnliche Geräte

Das lässt die Gerätehersteller in Fernost handeln. Die japanische Panasonic-Gruppe hat gerade einen übermannshohen 3-D-Bildschirm vorgestellt und wird im Frühjahr gleich eine ganze Palette von 3-D-TV-Geräten verschiedenster Größen auf die Märkte bringen. Der koreanische Konkurrent LG gab schon Ende 2009 als Ziel aus, in diesem Jahr mindestens 400.000 3-D-fähige Fernsehgeräte zu verkaufen. Im kommenden Jahr sollen es 3,4 Millionen Stück sein. Fernsehen 3.0 scheint für den Massenmarkt tauglich zu sein. Die Geräte sollen 10 bis 20 Prozent teurer sein als herkömmliche Flachbildschirme. Diese Aussichten riefen den traditionsreichen Tokioter Sony-Konzern auf den Plan. Der Vorstand forciert seine Aktivitäten auf diesem Gebiet seit August 2008 und investiert Hunderte von Millionen Euro in die Technik. Damit soll der Anschluss an Panasonic und LG gehalten werden.

CES: Die dritte Dimension im Fernsehen

Der Sony-Vorstand um Howard Stringer geht davon aus, dass das von Videospielen bis TV-Geräten und Filmstudios breit aufgestellte Unternehmen über all seine Sparten hinweg mit Produkten in 3-D-Technologie in drei Jahren 8 Milliarden Euro erlösen werde. Die Marktbeobachter von Display Research rechnen bis zum Jahr 2018 mit einem branchenweiten Umsatz allein aus dem Verkauf von 3-D-TV-Geräten von knapp 15 Milliarden Euro. Im gerade abgelaufenen Jahr setzte die Industrie ein dreiviertel Million 3-D-Geräte ab und erlöste damit insgesamt 700 Millionen Euro. „Das Interesse der Kunden scheint riesig zu sein“, erklärte Ken Morita, Managing Director von Panasonic. Der Konzern hatte im Oktober 2008 eine auf herkömmlichen Plasma-Flachbildschirmen basierende Generation von 3-D-TV-Geräten präsentiert, so für viel Furore und eine neue Entwicklung in der Branche gesorgt. Howard Stringer von Sony nannte den Schritt von Panasonic einen „Weckruf“ für sein Unternehmen. Sony lässt wie auch Sharp seine 3-D-Bildschirme auf Flüssigkristalltechnik (LCD) basieren.

Schon Spiele der Fußball-WM in 3-D

Die Schritte der Japaner treiben die Kommerzialisierung der Technik quer durch alle Zweige der Unterhaltungselektronik voran. So einigte sich im Dezember die Blu-Ray-Disc Association auf einen Speicherstandard für 3-D-Technik. Das ebnete den Weg für die breitangelegte Vermarktung dreidimensionaler Darstellungen. Der amerikanische Satellitenfernseh-Anbieter Direct-TV wird in den kommenden Monaten einen 3-D-Kanal ins Leben rufen. Der Sportsender ESPN nimmt die für den Sommer anstehende Fußball-Weltmeisterschaft zum Anlass, einen Teil der Spiele dreidimensional auszustrahlen. In Korea hat LG mit dem Satellitenanbieter Skylife einen Kooperationsvertrag über ein 3-D-Network geschlossen.

Der Elektronikriese Sony, der Programmanbieter Discovery Communications und der kanadische Kinosystem-Anbieter Imax schmieden gerade ein Gemeinschaftsunternehmen, das von 2011 an ein 3-D-Netzwerk für TV-Programme zur Verfügung stellen soll. „Es ist doch klar, dass die Konsumenten zu einer besseren und reichhaltigeren Unterhaltung greifen werden, wenn sie die zur Verfügung haben“, erklärte Sony-Chef Stringer in Las Vegas. Sony will der führende Anbieter von 3-D-TV-Geräten auf der Welt werden. Neben der Zusammenarbeit mit Discovery und Imax kooperieren die Japaner auch mit der kalifornischen Real-D, die eine sogenannte aktive Shutter-Technologie anbietet. Die zeigt auf den Gläsern ihrer 3-D-Brillen automatisch und synchron umschaltend erst das linke und dann das rechte Teilbild an. Das bringt bislang die Stereobilder vor die Augen.

Der japanische Elektronikriese Hitachi stellte allerdings im Oktober eine 3-D-Technik vor, die ohne die für das Sehen der dritten Dimension bislang notwendige Spezialbrille auskommt. Die gegenüber Sony, Hitachi oder Panasonic eher kleine japanische Brother-Gruppe geht noch einen Schritt weiter. Sie arbeitet seit Jahren an Darstellungstechniken, die ganz ohne Bildschirm auskommen sollen und über einen Miniprojektor etwa an einem normalen Brillenrand direkt auf die Netzhaut des Auges gestrahlt werden können. Dieses sogenannte Retinal Image Display (RID) wäre dann eine Art Reality-TV einer ganz neuen Generation und Dimension.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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