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Computerspiele-Hersteller Remedy : Hollywood auf Finnisch

Vom Computer nach Hollywood: „Max Payne” kam 2008 in die deutschen Kinos Bild: picture-alliance/ dpa

Action und Anspruch zugleich verspricht der Computerspieleanbieter Remedy. Auch sonst machen die Entwickler aus Finnland vieles anders als ihre Wettbewerber - und genießen einen guten Ruf. Jetzt steht ihr Erfolg auf der Probe.

          Den Glamour von Beverly Hills sucht man in Espoo vergeblich. Kalifornien ist weit, selbst im Mai sind Schneeschauer hier im Vorort der finnischen Hauptstadt nichts Aufsehenerregendes. Flache Wohnhäuser aus Holz und sachliche Bürogebäude säumen die Straße nach Helsinki, in einem von ihnen hat das Unternehmen Remedy Quartier bezogen – und seinetwegen hat Espoo auf enthusiastische Computerspieler eine ähnliche Ausstrahlung wie die Adressen renommierter Filmstudios auf Cineasten. „Wenn Remedy ein Spiel auf den Markt bringt“, sagt zumindest Ed Barton vom britischen Branchendienst Screen Digest, „dann sind alle gespannt darauf wie auf den Streifen eines großen Hollywood-Regisseurs.“ Und wie Stars machen sich auch die Entwickler von Remedy rar: Fast sieben Jahre haben sie auf ihr neues Spiel „Alan Wake“ warten lassen. An diesem Freitag beginnt der Verkauf in Europa.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Den Ruhm der 1995 gegründeten Spieleschmiede hat der Vorgänger „Max Payne“ begründet. Die Hauptperson, in deren Rolle die Spieler schlüpfen, ist ein New Yorker Polizist, der sich nach dem Verlust von Frau und Kind auf einen Rachefeldzug begibt. Ein Actionspiel gewiss, aber nach Ansicht von Spielekritikern deutlich weniger gewalttätig und stärker an der Erzählung einer fesselnden Geschichte orientiert als sogenannte Ego-Shooter. Seinen neuen Wurf beschreibt Sami Järvi, der sowohl für „Max Payne“ als auch für „Alan Wake“ das Manuskript geschrieben hat, nun als einen psychologischen Thriller. Diesmal nimmt ein Schriftsteller den Kampf mit übersinnlichen dunklen Mächten auf, wie in den Filmen von Järvis Vorbild David Lynch zerfließen dabei die Grenzen zwischen Realität und Phantasie.

          Doch damit enden die Parallelen zwischen den Diven der Leinwand und den Kreativen für die Spielekonsole. Im Remedy-Foyer tauschen die Mitarbeiter ihre Straßenschuhe gegen dicke Socken und Schlappen, Geschäftsführer Matias Myllyrinne begnügt sich mit einem Platz im Doppelbüro und macht kein Geheimnis um die wirtschaftliche Bedeutung des neuen Spiels. „Wird es ein Erfolg, stehen wir sehr gut da. Wenn nicht, sehr schlecht.“ Schon nach wenigen Wochen werde man wissen, wohin die Reise geht. Von „Max Payne“ hat Remedy rund 7,5 Millionen Exemplare verkauft, mehr als jeder zeitgenössische finnische Autor oder Designer. Weniger als 2 Millionen Kopien von „Alan Wake“ zum Ladenpreis von 60 Euro wären eine Enttäuschung. „Ein Studio ist immer nur so gut wie sein jüngstes Spiel“, sagt Myllyrinne trocken. „Das ist eines der Gesetze dieser Branche.“

          Schnee statt Glamour: Espoo im Winter

          „Alles auf eine Karte“

          Ein anderes schien die Krisenresistenz der Spielemacher zu sein. Doch dieser Nimbus bröckelt nun: Das amerikanische Marktforschungsinstitut NPD etwa hat im vergangenen Sommer einen Rückgang der Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten um bis zu 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ermittelt. Für das gesamte Jahr beziffert Screen Digest aus London das Minus auf 9,3 Prozent in Amerika, 3,5 Prozent in Europa und 2 Prozent in Japan. Tendenziell werde der Markt für Konsolenspiele wie „Alan Wake“, dessen Volumen derzeit bei 17 Milliarden Dollar liege, in den kommenden Jahren schrumpfen. Jüngere Spieler wandern auf Geräte wie das iPhone und zu Spielen in sozialen Netzwerken wie Facebook ab.

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