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Computerindustrie : Fujitsu macht's allein

Bernd Bischoff, Vorstandschef von FSC, soll ersetzt werden Bild: dpa

Das Ende der PC-Produktion in Deutschland: Siemens hat seine Anteile am Gemeinschaftsunternehmen an den Partner Fujitsu verkauft und zieht sich damit aus der Computerfertigung zurück. Zudem sollen 1000 Stellen im Konzern abgebaut werden, 500 davon in Deutschland.

          Nach monatelangen Spekulationen hat der Münchener Elektronikkonzern Siemens den Verkauf seiner Anteile am Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers (FSC) unter Dach und Fach gebracht. Der Joint-Venture-Partner übernehme die 50-prozentige Beteiligung von Siemens zu einem Kaufpreis von 450 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Die F.A.Z. hatte am Montag von verschiedenen Quellen gehört, der Verkaufspreis schwanke zwische 350 und 500 Millionen Euro.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

          Bestätigt wird jetzt, dass der gegenwärtige Vorstandsvorsitzende Bernd Bischoff durch den bisherigen Finanzvorstand Kai Flore ersetzt wird. Bischoff ziehe sich „aus persönlichen Gründen“ zurück, hieß es. Flore steht notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen angeblich offener gegenüber als Bischoff, dem einige Meinungsverschiedenheiten mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher nachgesagt werden.

          Abgebaut werden nach Informationen der F.A.Z. zunächst 1000 Stellen im Konzern, 500 davon in Deutschland. Betroffen sind vor allem die FSC-Hauptverwaltung in München und der Vertrieb. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über den Personalabbau laufen.

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          „Mittelfeld oder sogar Spitze der Branche“

          Fujitsu Siemens ist Europas größter Computerhersteller und der letzte bedeutende Computerproduzent in Deutschland. Der Joint-Venture-Vertrag läuft regulär im September 2009 aus und musste ein Jahr zuvor gekündigt werden. Der japanische und der deutsche Konzern hatten Fujitsu Siemens Computers im Oktober 1999 gegründet, um ihre Geschäftsbereiche für Personalcomputer und Netzwerkrechner (Server) in Europa zu integrieren, die allein langfristig nicht mehr wettbewerbsfähig gewesen wären. Im Siemens-Geschäft war einst auch der traditionsreiche deutsche Computerhersteller Nixdorf mit Sitz in Paderborn aufgegangen.

          Siemens-Vorstandschef Löscher hat die Rendite der Sparte zuletzt kritisiert, woraufhin Bischoff ihm im Februar sogar öffentlich widersprochen hat. Sein Haus könne sich mit seinen Margen an der Konkurrenz messen lassen, sagte Bischoff damals: „Wir gehören mit einer Umsatzrendite vor Steuern von 1,7 bis 2 Prozent zum Mittelfeld oder sogar der Spitze der Branche.“

          Zweifel, Werke langfristig zu sichern

          Das Gemeinschaftsunternehmen, dessen unternehmerische Führung schon seit längerer Zeit nicht mehr bei Siemens lag, erwirtschaftete nach Angaben aus der japanischen Presse im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 105 Millionen Euro. In ganz Deutschland arbeiten rund 6200 Menschen für den Computerhersteller; insgesamt hat FSC rund 10.200 Beschäftigte.

          Zu den wichtigsten Standorten in Deutschland gehören Augsburg, München, Paderborn, Sömmerda und Bad Homburg. Der IG-Metall-Vertreter im Siemens-Aufsichtsrat, Dieter Scheitor, forderte, im Falle eines Eigentümerwechsels müssten insbesondere das Werk in Augsburg mit rund 2000 Mitarbeitern und das Servicezentrum in Sömmerda mit rund 300 Mitarbeitern erhalten bleiben. Auch die Beschäftigungsvereinbarungen müssten weiter gelten. Daran, dass es möglich ist, diese beiden Werke langfristig zu sichern, gibt es in der Branche allerdings erhebliche Zweifel.

          Größte Erfolge mit altem Qualitätsanspruch der Marke IBM

          Vor zwei Jahren war vereinbart worden, die Zahl der FSC-Mitarbeiter im Inland bis März 2010 stabil zu halten, in der Produktion in Augsburg und im thüringischen Sömmerda sogar bis 2012. Der zunächst wohl zu erwartende Personalabbau in Hauptverwaltung und Vertrieb in Deutschland würde sich mit den beiden Zusagen für Augsburg und Sömmerda nicht überschneiden.

          Fujitsu Siemens könnte sich nach einer vollständigen Übernahme durch die Japaner nur noch auf den Vertrieb von Computern für Geschäftskunden beschränken, berichteten japanische Medien. Dieses Geschäft wird auch in der Branche als das zukunftsfähigste bezeichnet, auch wenn die Anlehnung an den selbst mit Schwierigkeiten kämpfenden amerikanischen Computerkonzern Sun zu eng sei.

          Angeblich soll das Geschäft mit Privatkunden, das bisher rund 20 Prozent des Umsatzes ausmacht, eingestellt werden. Fujitsu erwäge, die Sparte Personalcomputer von FSC anschließend an den chinesischen Wettbewerber Lenovo weiterzureichen, der schon das PC-Geschäft des Computerherstellers IBM übernommen hat. Zu hören ist, dass Lenovo tatsächlich darüber nachdenkt, seine Produktionsstätten breiter zu diversifizieren. Zudem haben Lenovo erkannt, dass es mit dem alten Qualitätsanspruch der Marke IBM - und nicht mit reiner Billigproduktion - die größten Erfolge erziele. In den Gesprächen von Fujitsu mit Lenovo gehe es aber gleichwohl vor allem um die künftig möglichen Personaleinsparungen.

          Quelle: F.A.Z.

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