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Ratenkredite : Commerzbank setzt auf Arme-Leute-Kredite

  • Aktualisiert am

In einer neuen Commerzbank-Filiale in Frankfurt. Bild: Patrick Junker

Einen neuen Fernseher kaufen, aber das Geld reicht nicht? Dann hilft ein Ratenkredit. Solche Kredite will die Commerzbank jetzt weiter ins Zentrum ihres Geschäfts stellen.

          Die Commerzbank will nach einem holprigen Start mit Ratenkrediten unter eigener Regie im neuen Jahr Gas geben. „Im Ratenkreditgeschäft sind wir noch nicht so erfolgreich wie wir es gerne wären“, räumte Privatkundenchef Michael Mandel in Frankfurt ein. Er gehe aber davon aus, „dass wir 2018 ein kräftiges Wachstum des Neugeschäfts bei Ratenkrediten sehen werden“.

          Konkrete Ziele nannte Mandel nicht. „Ratenkredit war bisher kein Kerngeschäft der Commerzbank“, sagte er. „Es muss uns nun gelingen, das zu einem Kerngeschäft zu machen. Das geht aber nicht über Nacht.“

          Im August hatte die Commerzbank ein Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Großbank BNP Paribas für das Ratenkreditgeschäft beendet. 300.000 Kundenverträge mit einem Volumen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro gingen auf die Commerzbank über.

          „Die Auflösung des Gemeinschaftsunternehmens haben wir unter hohem Zeitdruck gut hinbekommen“, bilanzierte Mandel. Danach ist es seinen Worten zufolge jedoch zu vereinzelten Problemen gekommen. „Die Preisgestaltung und einige Prozesse funktionierten nicht optimal. Das ist jetzt gelöst.“

          Ziel: 500.000 neue Kunden 2018

          Weiter investieren will die Commerzbank in die Kundenwerbung: „Wir wollen auch 2018 mindestens 500.000 neue Kunden gewinnen. Einen Schub erwarte ich dabei von der Fußball-Weltmeisterschaft, die wir als DFB-Sponsor begleiten“, sagte Mandel.

          „Bis einschließlich Oktober haben wir 2017 netto 463 000 Kunden gewonnen, seit Bekanntgabe unserer neuen Strategie im Herbst 2016 ist die Kundenzahl unter dem Strich um 600.000 gewachsen.“ Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 zwei Millionen weitere Privatkunden anzulocken.

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          Bis zu 250 Euro kostet es nach Angaben der teilstaatlichen Bank, einen neuen Kunden zu gewinnen; nach etwa 18 Monaten sind die Kosten wieder reingeholt und das Institut verdient Geld. „Unser Ziel ist es, Kunden zu gewinnen, die von der Ertragskraft tendenziell besser sind als der Bestand“, sagte Mandel. „Die Zahl der Hausbankkunden wächst. Fast die Hälfte unserer 12,6 Millionen Kunden in Deutschland haben uns heute als Hausbank“, erläuterte Mandel. „Das hilft uns bei den Erträgen. Denn mit diesen Kunden machen wir mehr Geschäft.“

          Insgesamt sei 2017 für das Privatkundensegment „ein gutes Jahr“ gewesen. Vom Stellenabbau im Konzern bleibe aber auch seine Sparte nicht verschont. „Wir bauen auch im Privatkundenbereich ab. Aber unsere Kunden sollen und werden das nicht spüren.“ Betroffen seien vor allem administrative Bereiche oder Führungskräfte, aufgebaut werde dagegen rund um das Thema Digitalisierung.

          Am vergleichsweise dichten Filialnetz der Commerzbank mit etwa 1000 Standorten will Mandel weiterhin nicht rütteln. „Ich halte auch ökonomisch nichts davon, Filialen zu schließen“, betonte der Manager. „Wenn wir so weiterwachsen wie zuletzt, werden wir bald im Schnitt 10.000 Kunden je Filiale haben - damit kann ich jedes Filialnetz profitabel managen.“

          Quelle: dpa

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