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Commerzbank sucht Chefin : Wo bleiben die Frauen?

Klaus-Peter Müller (r.), Aufsichtsratschef der Commerzbank, ist ratlos: Keine Frau ist als Nachfolgerin für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing in Sicht. Bild: dpa

Für die Nachfolge von Martin Blessing an der Spitze der Commerzbank wünscht man sich eine Frau. Die Suche nach einer Chefin gestaltet sich aber schwierig. Sehr schwierig sogar.

          Kann es so schwer sein, jemanden zu überreden, Chef der Commerzbank zu werden? So schlimm steht es doch gar nicht mehr um die gelbe Bank, zum Abschied hat der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing den Aktionären nach Jahren des Leidens sogar eine Dividende versprochen. Wer aber folgt Blessing nach, der schon vor Monaten einen neuen Vertrag ausgeschlagen und angekündigt hat, dass er seine Zukunft anderswo sieht?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Selbst intern muss Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller sich allmählich rechtfertigen, warum er mit der Suche nicht vom Fleck kommt. Bis zur Hauptversammlung im April werde er die Sache regeln, hat er nun im Intranet seiner Belegschaft verkündet: Mit „externen wie internen Kandidaten“ habe er gesprochen. Die Shortlist ist demnach fertig, die engere Wahl steht fest, immerhin.

          Was nicht offiziell bestätigt wird, aber trotzdem stimmt: Es finden sich ausschließlich Männer auf dieser Liste. Das war anders gedacht. Müller, ein bekennender Frauenförderer, hätte gerne eine weibliche Bank-Chefin gehabt: Die erste deutsche Großbank mit einer Frau an der Spitze – das macht was her, zeitgeistmäßig läge die Commerzbank damit ganz weit vorne.

          Der nächste Chef wird ein Mann

          Allein, es hat sich niemand gefunden. Die Suche nach einer Frau, obschon unterstützt von Headhuntern, war vergebens. Jetzt hat die Bank sie endgültig eingestellt. Der nächste Chef wird ein Mann. Leider nichts zu machen, so ist aus dem Umfeld des Aufsichtsrates zu hören. Der Pool an Kandidatinnen sei überschaubar, um nicht zu sagen: leer.

          Gesucht wird schließlich jemand, der das Geschäft kennt, zudem gezeigt hat, dass er einen Konzern mit ein paar zehntausend Leuten führen kann. Frauen aus der zweiten Führungsebene oder Statthalterinnen von Auslandsbanken in Frankfurt scheiden deshalb aus. Die Schwedin Annika Falkengren, Chefin der SEB-Bank, die gerüchteweise genannt wurde, passt womöglich ins Raster. Ihrem Profil fehlt allerdings ein weiteres, als unverzichtbar genanntes Kriterium: Der Chef oder die Chefin der Commerzbank muss gut Deutsch sprechen. Das engt die Suche merklich ein.

          Da außerdem alle Facetten des Bankings zu beherrschen sind, fällt auch Dorothee Blessing als reine Investmentbankerin aus – falls jemals jemand auf die Idee gekommen wäre, die Blessing-Nachfolge familienintern zu regeln. Ebenfalls zu streichen sind die Namen, die medial als heißeste Kandidaten ausgerufen worden waren: Weder Ex-Deutsch-Banker Rainer Neske (inzwischen bei der Landesbank Baden-Württemberg untergekommen) noch Unicredit-Deutschland-Chef Theodor Weimer wurden offenbar je angesprochen, da sie ganz oben auf jener geheimen Liste mit Managern stehen, die – aus unterschiedlichen Gründen – in keinem Fall in Frage kommen. So schwören es jedenfalls Leute, die mit dem Prozess vertraut sind. „Da wurden Namen ins Spiel gebracht, über die noch nicht einmal gesprochen worden ist“, bekräftigt Klaus-Peter Müller. Anfang März berät der Aufsichtsrat über die Personalie.

          Quelle: F.A.S.

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