02.11.2007 · Bald soll Martin Blessing Nachfolger des Commerzbank-Vorstandssprechers Klaus-Peter Müller werden. Er stammt aus einer der einflussreichsten Banker-Familien Deutschlands. Von Daniel Schäfer.
Von Daniel SchäferDie Blessings waren oft eine Spur weitsichtiger als viele ihrer Zeitgenossen. In Zeiten raschen Wirtschaftswachstums seien Bankmanager leicht geneigt, einfache Regeln des Bankgeschäfts zu ignorieren und kurzfristiges Geld in langfristige Investitionen zu stecken, sagte Karl Blessing einst. Die Folge seien Liquiditätsklemmen, die leicht auf das gesamte Kreditgewerbe übergreifen könnten. Diese Worte des damaligen Bundesbankpräsidenten klingen wie eine Blaupause für die derzeitige Kreditkrise - stammen aber aus dem Jahr 1964.
Die Familie Blessing hat seit Generationen ein glückliches Händchen für das Bankgeschäft: Karl als Bundesbankpräsident, Sohn Werner als Mitglied des Deutsche-Bank-Vorstands - und schon bald Enkel Martin als neuer Vorstandssprecher der Commerzbank. Denn auf der Aufsichtsratssitzung der zweitgrößten deutschen Bank am kommenden Dienstag soll der 44 Jahre alte Bankmanager als Nachfolger von Klaus-Peter Müller gewählt werden. "Die Tagesordnung steht", heißt es in Bankkreisen. Im Frühjahr 2008 soll der ebenso talentierte wie ehrgeizige Blessing den 63 Jahre alten Müller ablösen, der wiederum an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln wird. Denn mit 72 Jahren wird der langjährige Aufsichtsratschef Martin Kohlhaussen dann die Altersgrenze erreicht haben.
„Analytischer Kopf und Schnelldenker“
Ambitionen auf Müllers Job hatten in der jungen Führungsriege der Commerzbank mehrere Vorstände - allen voran Finanzvorstand Eric Strutz und der Privatkundenvorstand Achim Kassow. Doch Blessing war der aussichtsreichste Kandidat. Leitet er doch bisher mit der Mittelstandsbank das Herz der Commerzbank - das mit einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von zuletzt 35,4 Prozent die rentabelste Sparte der Bank ist. Blessing mag sicherlich die stark gesunkene Risikovorsorge sehr geholfen haben. Mancher mag überdies Zweifel haben, ob der jetzige Erfolg nicht durch eine zu aggressive Kreditvergabe erreicht wurde. Die meisten Banker zollen ihm für seine Managementleistung gleichwohl Respekt. „Er ist ein sehr analytischer Kopf und ein Schnelldenker“, sagt ein Branchenkollege.
Das liegt in der Familie. Die Blessings als eine der einflussreichsten Bankerclans Deutschlands zu bezeichnen, ist wohl keine Untertreibung. Schon jetzt blicken sowohl Blessing als auch seine Frau Dorothee von ganz oben auf Frankfurts Bankenwelt: Blessing sitzt im Stockwerk 48 des Commerzbank-Turms, seine 39 Jahre alte Frau als Partnerin von Goldman Sachs sogar noch ein paar Etagen höher im Messeturm. Ihr älterer Bruder Axel Wieandt leitet die Konzernstrategie der Deutschen Bank, der jüngere Bruder Carl Wieandt wurde kürzlich zum Partner für Corporate Finance bei der Unternehmensberatung McKinsey berufen. Und ihr Vater ist der im Frühjahr verstorbene einstige BfG-Bank-Chef Paul Wieandt.
Einst bei der Unternehmensberatung McKinsey
Ebenso wie Carl und Axel Wieandt war auch Blessing einst bei der Unternehmensberatung McKinsey. Seine Frau Dorothee, mit der er drei Kinder hat, lernte er während des Studiums in St. Gallen kennen. Beiden gemein ist, dass die öffentliche Kommunikation nicht zu ihren Lieblingsaufgaben zählt. Blessing ist ein rascher Entscheider und messerscharfer Analytiker, aber anders als Müller nicht gerade erpicht auf das Licht der Öffentlichkeit. Und seine Frau reagiert verschnupft, wenn sie von Journalisten auf ihre Familie angesprochen wird. Doch der verhaltenere Kommunikationsstil könnte Martin Blessing durchaus zunutze sein.
„Es war nicht das erste Mal, das Herr Müller den Zeitungen Interviews gegeben hat, die besser nicht stattgefunden hätten“, moniert Karl-Heinz Goedeckemeyer von SRC Research. Er spielt auf jüngste Aussagen Müllers zu den Hypothekenrisiken an, die den Aktienkurs an einem Tag um bis zu 5 Prozent einbrechen ließen. Müller spricht auch als Bankenverbandspräsident gern Tacheles. Aber in diesem Fall hätte er warten sollen, bis er die Abschreibungen der Bank genau kennt, monieren Analysten. Zumal die Verluste aus dem amerikanischen Hypothekengeschäft im Branchenvergleich als moderat geschätzt werden. Anders als der Mittelstandsfinanzierer IKB hat sich die Commerzbank nämlich nicht dazu verleiten lassen, seit jeher bekannte Regeln der Bankbranche zu verletzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3157 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |