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Banken im Wandel : Auf der Suche nach der Superfiliale

Neu in Frankfurt: Die Commerzbank testet die erste „City-Filiale“ Bild: Andreas Varnhorn

Die Hausbanken schließen tausende Filialen - und suchen gleichzeitig nach einem Konzept dagegen. Commerzbank und Deutsche Bank versuchen es mit urbanem Schick und einem Café.

          Und das soll wirklich eine Bankfiliale sein? Unwillkürlich muss man sich das fragen, wenn man die neuen Filialen der Commerzbank und der Deutschen Bank betritt. Statt grauem Linoelum oder notdürftig mit muffigem Teppichboden überdeckten Fliesen dominiert Holz. Die Wände könnte man als urbanen Schick bezeichnen: Ziegelsteine finden sich genauso an den Wänden wie nichtverputzter Beton. Es gibt (kostenlosen) Kaffee, um sich die Wartezeit angenehmer zu gestalten. Es fühlt sich mehr so an, als wäre man in einem angesagten Café statt in einer Bank. Wären da nicht die Bankautomaten und Kontoauszugsdrucker.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viele Bankfilialen sind heute nicht mehr zeitgemäß und versprühen einen Charme irgendwo zwischen Zahnarztbesuch und Behördengang. Die Deutschen meiden heute Bankbesuche, der Durchschnittsdeutsche besucht sie nur einmal im Jahr. Das ist eigentlich absurd, denn zwei von drei Deutschen sagen, quer durch jede Altersgruppe, dass sie auf die Bank um die Ecke nicht verzichten wollen. Jedoch können immer mehr Bankgeschäfte auch im Internet erledigt werden, von der Kontoeröffnung über den Ratenkredit bis hin zur Hausfinanzierung. Wie passt das zusammen?

          Banken versuchen Spagat

          Für das Geldabheben braucht niemand mehr eine Filiale, aber bei komplexen Themen suchen viele gern ihre Hausbank auf: Zwar kann man seinen Hauskredit auch online beantragen, aber viele wollen dann doch bei so komplexen Themen auch dem Berater in der Niederlassung Fragen stellen. Deshalb versuchen die Banken den Spagat: Auf der einen Seite eine Filiale, die immer noch dem Kunden nahe ist und viele Dienstleistungen anbietet. Auf der anderen Seite soll diese aber nicht mehr so teuer werden wie bisherige Filialen.

          Zum Beispiel muss die Deutsche Bank für jeden Euro, den sie mit ihren Filialen einspielt, mehr als 80 Cent für die Kosten aufbringen – viel zu viel. Mit Filialschließungen wurde das Netz schon deutlich ausgedünnt, quer durch alle Banken. Konkret sieht das so aus, dass in den vergangenen zehn Jahren von 46 444 Filialen mehr als 12 000 geschlossen wurden. Aktuell gibt es lediglich noch 34 000 Niederlassungen, und hier wird noch nicht das Ende erreicht sein. Eine Studie von Investors Marketing kommt zum Schluss, dass in den kommenden zehn Jahren weitere 13 000 Filialen wegfallen werden.

          Commerzbank mit neuem Konzept gegen Filialsterben

          Will man dem Filialsterben also entgegentreten, müssen neue Konzepte her. Die Commerzbank scheint mit ihrem Konzept für die 1000 Filialen am weitesten zu sein. Die Region wird in große Flagship-Filialen und in kleinere City-Filialen eingeteilt. Es soll bis zu 100 der teuren Vorzeigefilialen geben und weitere 500 City-Filialen. Die restlichen 400 werden abgespeckte Flagship-Filialen oder aufgemotzte City-Geschäftsstellen.

          In den großen Filialen können alle Bankgeschäfte erledigt werden, in den kleineren werden laut Privatkundenvorstand Michael Mandel etwa 97 Prozent der Bedürfnisse bedient – dafür arbeiten in diesen Filialen aber auch nur zwei Mitarbeiter.

          Keine hohen Mehrkosten

          Für die Commerzbank ist der größte Vorteil, dass die neuen Standorte so kostengünstig sind. Auf weniger als 80 Quadratmetern können diese innerhalb eines Monats aufgebaut werden. Und stellt man fest, dass die Zweigstelle nicht so läuft wie erhofft, kann die Bank die Ausstattung einfach in die nächste Filiale mitnehmen.

          Solch eine Filiale zu eröffnen kostet daher auch nur 150 000 Euro. Da die Commerzbank auch selbst nur Mieter ist, kann man schnell weiterziehen, etwa wenn sich ein Viertel doch nicht so gut entwickelt wie erhofft. Dabei muss für die Umsetzung des Konzeptes gar nicht mehr Geld ausgegeben werden, man bedient die Umbauten aus demselben Etat, der sonst für Renovierungen zur Verfügung stehen würde.

          Die „modernste Filiale Europas“

          Die Deutsche Bank experimentiert noch mit Flagship-Filialen in Berlin. An der Berliner Friedrichstraße findet sich die nach Eigenwerbung „modernste Filiale Europas“.

          Innerhalb der Zweigstelle befindet sich ein Café, in dem natürlich nur bargeldlos bezahlt werden kann. Es gibt nicht nur sämtliche Bankdienstleistungen, digital wie analog, sondern auch ein Kinderbetreuungsangebot und Räume für Start-ups. Erst im November eröffnete die neueste Variante an der Friedrichstraße, 5 Millionen Euro kostete der Umbau.

          Quelle: F.A.Z.

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