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Commerzbank Klaffende Kapitallücke

 ·  In der Commerzbank arbeiten mehrere Teams fieberhaft an einem Konzept, um die Kapitallücke zu schließen. Dann kommt der schwierigere Teil der Übung. Das wird kaum ohne den Staat gelingen.

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© dapd Die Commerzbank versucht gerade, Milliarden an Wertpapieren möglichst ohne Verlust zu verkaufen

Kunden sind das wichtigste Kapital einer Bank, sollte man meinen. In der Commerzbank ist derzeit aber anderes vorrangig: Kapital aufbauen, vor allem das vorhandene Kapital schonen. Darunter leiden Kundenbeziehungen, denn es werden keine Kredite mehr vergeben, die nicht mit Geschäften in den beiden Kernmärkten Deutschland und Polen zu tun haben. Und es wird, zu Lasten der Motivation, bei den Mitarbeitern gespart: an der Weihnachtsfeier, bei den Reisekosten, bei externen Beratern.

Das wird nicht reichen. Zu einschneidend war der 8. Dezember für die Commerzbank. Damals stellte die Europäische Bankenaufsicht bei sechs deutschen Banken nach einem Stresstest eine Kapitallücke von 13,1 Milliarden Euro fest. Allein 5,3 Milliarden Euro entfallen auf die Commerzbank. Diese Wunde in der Bilanz muss bis zum 30. Juni geschlossen werden. Das Konzept dafür muss bis zum 20. Januar der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin vorlegt werden.

Seit Anfang Dezember arbeiten in der Commerzbank mehrere Teams fieberhaft an Lösungen. Nicht ohne Erfolg: Mit dem Rückkauf von Nachranganleihen unter Buchwert konnte die Commerzbank die Kapitallücke noch im alten Jahr um 0,7 Milliarden Euro verkleinern. Durch den Verkauf der ehemaligen Dresdner-Bank-Zentrale erzielte sie einen Buchgewinn in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe.

Die Allianz, die der Commerzbank ihr Sorgenkind Dresdner Bank im Herbst 2008 verkaufte, scheint gewillt, wenigstens eine stille Einlage von 0,75 Milliarden Euro in aufsichtsrechtlich relevantes Eigenkapital zu wandeln. Dann müsste die Commerzbank nurmehr eine Wunde von 3,8 Milliarden Euro in der Bilanz heilen. Das ist immer noch mehr als die Deutsche Bank, deren Kapitalbedarf mit 3,2 Milliarden Euro festgestellt wurde.

Die Perlen werden für unverkäuflich erklärt

Die 3,7 Milliarden Euro große Wunde ist also tief und schmerzt. Commerzbank-Chef Martin Blessing will sie eher nicht mit neuem Kapital füllen. Sein Plan ist vielmehr, die Bilanz um 30 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva zu erleichtern. Dies würde 2,7 Milliarden Euro Eigenkapital freisetzen. An Beteiligungen hat die Commerzbank schon viel verkauft.

Die einzigen verbliebenen Perlen, der Online-Broker Comdirect und der an der Börse mit umgerechnet fast 2 Milliarden Euro bewertete Anteil an der polnischen BRE-Bank, wurden für unverkäuflich erklärt. Trotz der hohen Kursverluste, die Kapitalerhöhungen planende Konkurrenten wie Unicredit zuletzt hinnehmen mussten, und trotz des seit einem Jahr um 70 Prozent gefallenen Aktienkurses der Commerzbank wird eher auf eine Kapitalerhöhung gesetzt.

Im Februar beraten die zerstrittenen Aufseher

Diese wird aber wohl erst im zweiten Quartal 2012 erfolgen, wenn einigermaßen klar ist, wie groß die Lücke in der Bilanz dann noch ist. Denn gerade der Abbau der risikogewichteten Aktiva ist mit vielen Risiken behaftet, die heute kaum kalkulierbar sind: Zu den Unsicherheitsfaktoren gehört auch die Aufsicht. Die Bafin ist aus Sicht der Commerzbank weniger problematisch. Sie aber leitet die Konzepte der Banken zum Schließen der Kapitallücken noch an die Europäische Bankenaufsicht EBA weiter.

Im Februar beraten sich dann die zerstrittenen nationalen und europäischen Aufseher. Die Genehmigung der Bankenkonzepte erfolgt dann am 1. März durch die EBA. Deren Präsident Andrea Enria hat angekündigt, er werde nicht zulassen, dass sich Banken anstatt Kapital aufzunehmen gesund schrumpfen und eine Kreditklemme hervorrufen.

Geschäft mit Staatsanleihen, Immobilien und Schiffen verkleinern

Fraglich ist auch, ob ein Risikoabbau so schnell machbar ist wie ihn sich die Commerzbank vorstellt, und welche Kosten dabei anfallen werden. Vor allem verkleinert werden soll das Geschäft mit Staatsanleihen, Immobilien und Schiffen. Das von der Tochterbank Eurohypo gehaltene Staatsanleihenportfolio hat die Commerzbank von 109 Milliarden Ende 2010 auf 93 Milliarden Euro Ende September zurückgeführt.

Allein im dritten Quartal 2011 brachte der Eurohypo-Abbau um 0,9 Milliarden Euro einen Verlust von 0,2 Milliarden Euro ein, weil Staatsanleihen noch mit zu hohen Werten in der Bilanz standen. Allein mit 13 Milliarden Euro ist die Eurohypo in Staatsanleihen von Italien (7,9), Spanien (2,8), Griechenland und Portugal (0,9) engagiert.

Bis Mitte 2012 wird eine Milliarde Euro Gewinn erwartet

Auch das Immobilienportfolio weiter abzubauen, wird mühsam. Von Ende Dezember 2010 bis September 2011 gelang hier ein Abbau von 70 auf 62 Milliarden Euro. Ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag steckt allein in spanischen Gewerbeimmobilien. Analysten der Citigroup schätzen, dass der Risikoabbau unter Zeitdruck zu Buchverlusten von 2 Milliarden Euro führen wird.

Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass die Commerzbank bis Mitte 2012 rund 1 Milliarde Euro an Gewinnen erzielen wird. Daher wäre am Ende das Kapitalloch mit einer Kapitalerhöhung von rund 2 Milliarden Euro zu füllen. Spätestens jetzt käme der Staat ins Spiel, der in der Commerzbank über den Bankenrettungsfonds Soffin noch mit 1,9 Milliarden Euro stillen Einlagen engagiert ist und für 4,6 Milliarden Euro gut 25 Prozent der Aktien gekauft hat.

„Ich geh’ da nicht noch mal hin“

Die Citigroup unterstellt, dass der Soffin die komplette Kapitalerhöhung zu einem Abschlag von 30 Prozent auf den gegenwärtigen Kurs übernimmt und seinen Anteil auf 48 Prozent ausbaut. Eine weitere Option bietet sich ab Februar. Dann ist der Soffin nicht mehr nur offen zum Abladen von strukturierten Wertpapieren, sondern von Anlagen aller Art. Würde die Commerzbank die Immobilien- und Staatsanleiheportfolios der Eurohypo dort abwerfen, wäre ihre Kapitaldecke sofort ausreichend.

Aber die EU-Kommission würde dies als Staatsbeihilfe werten und Strafen verhängen. Und Blessing hätte ein Problem mit seiner Glaubwürdigkeit. „Ich geh’ da nicht noch mal hin“, sagte er über den Soffin noch Anfang November. Aber ganz ohne Staatshilfe wird er die Kapitallücke kaum schließen können.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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