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Commerzbank-Hauptversammlung : „Wir trauen dem Management nicht“

Commerzbank-Chef Martin Blessing Bild: REUTERS

Über 30 Euro war eine Commerzbank-Aktie vor sieben Jahren einmal wert. Heute sind es 1,17 Euro. Auf der Hauptversammlung klagt ein Aktionär, dafür bekomme man nicht einmal mehr einen Espresso.

          Drei Aktionärsvereinigungen von Privatanlegern haben auf der Hauptversammlung der Commerzbank AG gegen die Pläne des Vorstandes gestimmt, das Kapital zunächst herabzusetzen und es dann durch den Verkauf neuer Aktien um 2,5 Milliarden Euro zu erhöhen. „Wir trauen dem Management nicht“, sagte Klaus Nieding, Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Zu sehr habe der Vorstand mit Marketing-Deutsch wie „Marktführer in der Nische“ Erwartungen geschürt und dann mit dem tatsächlich erreichten Gewinn enttäuscht. „Bei allem Respekt: Uns reicht es“, sagte Nieding unter dem Beifall der 4000 anwesenden Aktionäre, die sich zum zweiten Mal in drei Jahren zu einer vorgezogenen Hauptversammlung einfinden mussten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nieding sprach daher von „Kapitalerhöhungssucht und Kapitalerhöhungsorgien“. Laute Buh-Rufe erschallten, als der Aktionärsvertreter erwähnte, dass die Gesamtvergütung des Vorstandes mit 12 Millionen Euro doppelt so hoch sei wie der kümmerliche Gewinn im Jahr 2012 von 6 Millionen Euro.

          Allerdings dürfte die Kritik nahezu aller Redner - nach wenigen Minuten lagen 37 Wortmeldungen vor und Versammlungsleiter Müller beschränkte die Redezeit auf zehn und später fünf Minuten je Aktionär - am Vorstandsvorsitzenden Martin Blessing und am Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller wirkungslos verhallen. Denn weniger als 40 Prozent des Kapitals, darunter der Soffin, wollten die Stimme abgeben. Der staatliche Bankenrettungsfonds hält 25 Prozent plus eine Aktie und unterstützt die Vorhaben des Vorstandes. Die Aktionäre stimmten am Abend mit einer Mehrheit von 96 Prozent für die Kapitalmaßnahmen. Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet.

          Hansgeorg Martius von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) kündigte dagegen an, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern und gegen die Wiederwahl des Vorsitzenden Müller zu stimmen. Martius warf dem Vorstand vor, mit der vor einem Monat angekündigten Kapitalerhöhung einen weiteren großen Kursrückgang der Commerzbank-Aktie ausgelöst zu haben. Ein Aktionär verglich den aktuellen Kurs von 1,17 Euro mit dem höheren Preis für einen Espresso, ein anderer sprach von „einem Euro und ein paar Kaputten“. Martius kritisierte, anstatt das Kapital zu erhöhen hätte der Vorstand die stillen Einlagen von Soffin und Allianz mit künftigen Gewinnen zurückführen sollen, auch wenn dies länger dauere.

          Blessing: „Schnelle Erfolge wird es nicht geben“

          Der Vorstandsvorsitzende Blessing rechtfertigte die für Juni geplante Kapitalerhöhung. Da die Commerzbank anschließend die stille Einlagen des Soffin von 1,63 Milliarden Euro und der Allianz von 0,75 Milliarden vollständig zurück geführt habe, spare sie Zinsen von 200 Millionen Euro. Zudem seien stillen Einlagen 2019 nicht mehr als Eigenkapital anerkannt, und der Kapitalmarkt nehme dies schon vorweg. Blessing äußerte Verständnis für den Ärger der Aktionäre über den Aktienkurs, der seit seinem Antritt vor fünf Jahren um 95 Prozent gefallen ist. Er erinnerte aber daran, dass er und viele Mitarbeiter der Commerzbank auch Anteilseigner der Commerzbank seien.

          Die wenigsten Aktionäre konnte Blessing mit diesen Worten besänftigen, zumal er auch keine guten Nachrichten über das laufende Geschäftsjahr bereit hielt. Für die vergangenen Jahre hatten Redner ihm „selbst befriedigende Ausreden, Ausflüchte und Beschönigungen“ vorgehalten, mit denen Blessing beschrieben habe, warum das Ziel von 4 Milliarden Euro Gewinn 2012 „krachend“ verfehlt wurde, als es nur 6 Millionen Euro waren. Über das erste Quartal 2013 sagte Blessing, der Start sei gut gewesen, schob dann aber nach, wegen 500 Millionen Euro an Kosten für Stellenabbau sei im ersten Quartal mit einem Verlust zu rechnen. Auch wenn die Kosten bekannt waren, kommentierten Aktionäre dies höhnisch. Über 2013 sprach Blessing skeptisch. Die Commerzbank habe einem Langstreckenlauf vor sich. Für dieses Jahr könne er keine Prognose abgeben, es werde ein Übergangsjahr. „Schnelle Erfolge wird es nicht geben“, sagte Blessing und wiederholte lediglich die Ziele für 2016.

          Die Hauptversammlung wählte die Miteignerin der Krombacher Brauerei, Petra Schadeberg-Herrmann, den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Markus Kerber sowie den ehemaligen Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture, Karl-Heinz Flöther, neu in den Aufsichtsrat. Kerber wird anstelle von Edgar Meister die Commerzbank für den staatlichen Rettungsfonds Soffin beaufsichtigen. Der Soffin wird künftig statt 25 Prozent noch rund 18 Prozent an der Commerzbank halten.

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