09.01.2009 · Die Commerzbank hätte allein auch ohne staatliches Eigenkapital weitermachen können. Doch sie braucht das neue Kapital, um nach der Übernahme der Dresdner Bank Abschreibungen in Milliardenhöhe verkraften zu können.
Von Hanno MußlerDie Bilanz für 2009 wird die Commerzbank am 18. Februar noch ohne die Dresdner Bank vorlegen. Darin wird nach Angaben von Vorstandssprecher Martin Blessing aller Voraussicht nach eine Kernkapitalquote, also ein Verhältnis von hochwertigem Eigenkapital zu risikogewichteten Krediten, von mehr als 9 Prozent ausgewiesen. Das ist auch kein Wunder. Schließlich hat sich die Commerzbank erst Mitte Dezember mit einer ersten staatlichen stillen Einlage von 8,2 Milliarden Euro gestärkt und ihre Kernkapitalquote damit nach Rechnung vom Oktober auf mehr als 11 Prozent verbessert. Wozu braucht die Commerzbank also jetzt abermals Kapital vom Steuerzahler?
In beiden Banken, Dresdner Bank und Commerzbank, dürften im vierten Quartal nach überschlägigen Plausibilitätsrechnungen zusammen ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag an Abschreibungsbedarf auf Wertpapiere angefallen sein. Die Dresdner Bank, deren Übernahme durch die Commerzbank unmittelbar bevorsteht, hat noch kein staatliches Eigenkapital genommen. Ihre Kernkapitalquote wird nach den im vierten Quartal großen Verwerfungen auf den Kapitalmärkten augenblicklich wohl eher unter 7 Prozent liegen. Mit einer Kernkapitalquote von 9 Prozent, wie sie die Commerzbank allein hat, ist eine Bank im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig. Die Commerzbank hätte also allein ohne staatliches Eigenkapital weitermachen können - die Dresdner Bank mit 7 Prozent Kernkapitalquote wohl nicht. Aus bilanztechnischen Gründen fällt bei der Dresdner Bank außerdem im Moment der Zusammenführung der Bilanz mit der Commerzbank auch noch weiteres Eigenkapital weg.
Der Soffin setzte sich über die eigene Vorgabe hinweg
Eine Alternative wäre gewesen, die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank platzen zu lassen und die Dresdner Bank in der Verantwortung der Allianz zu lassen. Vorstandssprecher Blessing aber sagt, nach dem Vertragsschluss Ende August, dem Drücken des Kaufpreises von seinerzeit 9,8 Milliarden Euro auf Mitte Dezember neu vereinbarten 5,1 Milliarden Euro, und dem Einzug von Commerzbank-Vorständen in den ansonsten verlassenen Dresdner-Bank-Vorstand stehe die Commerzbank schon in der Verantwortung für die Dresdner Bank, deren Mitarbeiter und Kunden, aber auch für den Finanzplatz Deutschland insgesamt.
Das sieht die Bundesregierung offenbar ähnlich. Als die Commerzbank Anfang dieser Woche mit dem ihr unterstellten Bankenrettungsfonds Soffin im Namen der Dresdner Bank Gespräche über Eigenkapitalhilfen aufnahm, zeigte sich der Fonds keineswegs knauserig. Eigentlich darf der Fonds nicht mehr als 10 Milliarden Euro Eigenkapital an ein einzelnes Institut geben. Deshalb glaubte offenbar der Commerzbank-Vorstand zu dem Kunstgriff greifen zu müssen, dass formal die noch nicht übernommene Dresdner Bank das Eigenkapital nimmt. Doch der Soffin setzte sich schnell über die eigene Vorgabe hinweg. Auch eine zweite interne Leitlinie, möglichst nicht direkt Anteile an einer Bank zu erwerben, fiel. So kam ein Rettungspaket zustande, dessen Größe die anfänglichen Erwartungen der Commerzbank übertrifft. Die Kernkapitalquote der neuen Bank wird um 10 Prozent liegen. 6 bis 7 Milliarden Euro kann sie verlieren, bis die Kernkapitalquote auf weniger als 8 Prozent fällt.
Der größere Teil der Kapitalzufuhr erfolgt durch eine stille Einlage
Wie berichtet, erhält die Commerzbank 10 Milliarden Euro zusätzliches staatliches Eigenkapital. 1,8 Milliarden Euro davon fließen der Commerzbank zu, indem sie neue Aktien ausgibt. Der Bund zahlt 6 Euro je Aktie. Die Aktienzahl entspricht einer Sperrminorität für den Bund von 25 Prozent plus einer Aktie. Der größere Teil der Kapitalzufuhr erfolgt durch eine stille Einlage von 8,2 Milliarden Euro. Stille Einlagen sind eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital, werden aber von den Aufsichtsbehörden und Rating-Agenturen als Eigenkapital gewertet. Sie stehen dauerhaft zur Verfügung, und werden im Fall der Commerzbank mit 9 Prozent verzinst. Wenn die Commerzbank aber in einem Geschäftsjahr die Zinsen nicht zahlt, ist vereinbart, dass sie die Zinszahlung nicht später nachholen muss.
Unter welchen Bedingungen die Commerzbank die stillen Einlagen nicht bedienen muss, ist nicht bekannt. Zumindest wenn sie die Zinszahlungen doch leistet, stellen sie eine große Belastung für die neue Bank dar. Nach überschlägigen Berechnungen muss die Commerzbank auf die beiden stillen Einlagen des Bundes sowie auf die neue stille Einlage von 750 Millionen Euro, die sie noch obendrauf vom künftigen 14-Prozent-Anteilseigner Allianz erhält, 1,6 Milliarden Euro Euro jährlich zahlen. Zwar wird sie durch Wiederanlage dieses Geldes auf den Kapitalmärkten und steuerliche Effekte die Nettobelastung um rund ein Drittel senken können. Gleichwohl: Wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Rekordgewinn der Commerzbank im Jahr 2007 eine Größenordnung nach Steuern von 1,92 Milliarden Euro hatte, wird klar, dass der Gewinn der Bank durch den Einstieg des Bundes deutlich verwässert wird. Wohl deshalb ist der Aktienkurs der Commerzbank am Freitag abermals eingebrochen - um mehr als 10 Prozent, nachdem er schon am Donnerstag 14 Prozent verloren hatte.
Auch die Wettbewerber der Commerzbank äußerten sich skeptisch. Die Sparkassen forderten nun Staatshilfen für ihre Landesbanken zu gleichen Konditionen wie für die Commerzbank. Und die Volks- und Raiffeisenbanken befürchten, dass die staatlich gepäppelte Commerzbank ihnen mit Kampfkonditionen das Leben schwermachen wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,84 | −1,39% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2427 | −0,49% |
| Rohöl Brent Crude | 104,31 $ | −2,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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