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Commerzbank-Chef Blessing „Jo, es macht noch Spaß“

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, verzichtet auf seinen Bonus. Doch in Wirklichkeit kann er sich über eine satte Gehaltserhöhung freuen.

© dapd Commerzbank-Chef Martin Blessing: „Neuausrichtung kostet Kraft, Zeit und Geld“

Es hat gut eine Stunde gedauert. Dann war sie plötzlich wieder da: die Flapsigkeit von Martin Blessing, dem Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank. Während der Erläuterung der Ergebnisse 2012 entstand in der Pressekonferenz kurz der Eindruck, dass der hohe Verlust im vierten Quartal und der magere Gewinn im Gesamtjahr nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind.

Markus Frühauf Folgen:

Denn seit er im Mai 2008 Vorstandschef wurde, ist der Umbau von Deutschlands zweitgrößter Bank ein Dauerzustand. Erfolge sind ausgeblieben. Nun steht den 56000 Mitarbeitern eine weitere Rosskur bevor. Bis zum Jahr 2016 sollen bis zu 6000 Stellen abgebaut werden.

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Auf die Frage, ob ihm der Job noch Spaß mache, antwortete der 49 Jahre alte Blessing flapsig: „Jo, es macht noch Spaß.“ Zum Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden, Klaus-Peter Müller, habe er ein gutes Verhältnis und fühle sich voll unterstützt, sagte er lächelnd.

Nur hatte Müller, Blessings Vorgänger an der Vorstandsspitze, in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ erste Hinweise auf Spannungen geliefert: „Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln.“ Müller und Blessing, dessen Vertrag Ende 2016 endet, betrachten das als selbstverständlich. Doch Müllers Aussage erfolgte, kurz nachdem ein tiefgehender Stellenabbau und abermalige, das Ergebnis und die Dividende der Aktionäre aufzehrende Restrukturierungen angekündigt worden waren.

Gehaltserhöhung trotz Verzicht auf Bonus

„Um mich meiner besonderen Verantwortung zu stellen, habe ich auf den Bonus verzichtet“, sagte Blessing. Darüber habe er Müller schon im Dezember in Kenntnis gesetzt. Und der Aufsichtsratsvorsitzende dankte es ihm in der Pressemitteilung: „Das ist eine sehr ehrenwerte Entscheidung.“

Doch in Wirklichkeit kann sich Blessing über eine satte Gehaltserhöhung im vergangenen Jahr freuen. Bislang war sein Gehalt auf 500.000 Euro gedeckelt, weil die vom Staat in der Finanzkrise geleistete staatliche Kapitaleinlage von 16,4 Milliarden Euro nicht bedient worden war. Freiwillig verzichteten Blessing und die restlichen Vorstandsmitglieder für das Geschäftsjahr 2011 auf eine Anhebung, nachdem die staatliche Einlage auf 1,6 Milliarden Euro dank einer Kapitalerhöhung zurückgeführt worden war. Doch nun sind es wieder 1,3 Millionen Euro für den Vorstandschef. Da fällt es Blessing nicht schwer zu sagen: „Ein Nettogewinn von 6 Millionen Euro ist nicht so gut, dass er eine variable Vergütung rechtfertigt.“

Dabei fällt nur seine Erfolgsprämie für das zurückliegende Jahr weg. Seine acht Vorstandskollegen erhalten für das alles andere als erfolgreiche Jahr 2012 eine Prämie von jeweils 400.000 Euro, das sind 40 Prozent vom „Zielbonusvolumen“. Rund 10 Prozent werden schon in diesem Jahr ausgezahlt, der Rest wird über die Jahre gestreckt und kann bei Fehlverhalten oder schlechter Ergebnisse verfallen. Zusammen mit dem Festgehalt von 750.000 Euro hat ein Vorstandsmitglied im vergangenen Jahr 1,15 Millionen Euro verdient, also weniger als Blessing.

Dividende unwahrscheinlich

Da die Aktionäre seit 2008 keine Dividende mehr erhalten haben und auch für das laufende Jahr eine Ausschüttung laut Blessing „sehr unwahrscheinlich“ ist, stellt sich die Frage, warum die acht Vorstandsmitglieder 40 Prozent und weitere Führungskräfte 50 Prozent vom „Zielbonus“ erhalten. Für die Aktionäre hat es sich jedenfalls nicht gelohnt, denn sie gehen leer aus. Selbst die operativen Ergebnisse in den Geschäftsfeldern, vor allem im Privatkundengeschäft, fielen enttäuschend aus. Das schmerzt auch die Steuerzahler, denn der Bund ist mit 25 Prozent der größte Aktionär der Commerzbank.

Dass Politik und Regierung mit seinen Leistungen an der Vorstandsspitze immer unzufriedener würden, kann Blessing nicht erkennen. Doch ein Blick auf den Aktienkurs kann nachhelfen: Denn als der Staat Anfang 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die Commerzbank, die durch die Übernahme der Dresdner Bank überfordert war, vor dem Untergang bewahrte, zahlte er für die Aktie 6 Euro. Nun liegt der Kurs bei 1,50 Euro und es fehlt den meisten Investoren die Phantasie für einen baldigen Kursanstieg. Auch hier bietet Blessing wenig Grund zur Zuversicht: „Eine umfassende Neuausrichtung kostet Kraft, Zeit und Geld.“

Die Neuausrichtung der Commerzbank ist aber ein Dauerzustand, seitdem er an der Vorstandsspitze steht. Die Übernahme der Dresdner Bank hat den Aktionären nur Verluste eingebrockt, die sie kaum noch aufholen können. Aber auch schon die Strategie davor, die der Aufsichtsratsvorsitzende Müller zu verantworten hat, belastet die Bank noch immer: Die Übernahme der Eurohypo wurde zum Milliardengrab. Blessing und Müller müssen sich fragen, ob die Aktionäre noch Spaß mit ihnen haben.

Quelle: F.A.Z.

 
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