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Coca Cola „Weniger Kalorien als Orangensaft“

29.01.2006 ·  Coca-Cola-Deutschland-Chef Deryck van Rensburg sprach mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über dicke Kinder, eine Verdoppelung des Umsatzes und die Rückkehr der Dose.

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Coca-Cola-Deutschland-Chef Deryck van Rensburg sprach mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über dicke Kinder, eine Verdoppelung des Umsatzes und die Rückkehr der Dose.

Herr van Rensburg, kennen Sie das Rezept von Coca-Cola?

Das Rezept kennen nur ganz wenige. Es ist absolut geheim.

Das heißt, Sie trinken gerade etwas, von dem Sie nicht wissen, was drin ist?

Absolut nicht. Sehen Sie mal, hier auf dem Flaschenetikett finden Sie eine Nährwerttabelle. Die drucken wir übrigens schon seit zwei Jahren auf alle Softdrinks.

Trotzdem: Jetzt überschwemmen Sie als Hauptsponsor der Fußball-Weltmeisterschaft ganz Deutschland mit geheimnisvoller brauner Brause.

Wir gehen nicht nur mit Coke, sondern auch mit anderen Marken wie BonAqa oder Powerade ins Spiel. In einem haben Sie natürlich recht: Die Fußball-WM ist ein wichtiger Teil unseres Marketingprogramms für dieses Jahr.

Was ist denn die größte Aktion, was steht im Mittelpunkt?

Wir verlosen Fußballtickets über unsere neue Internetplattform CokeFridge - das ist eine Art virtueller Kühlschrank. Damit bringen wir 12.000 Konsumenten in die Stadien. Unter dem Deckel jeder Coca-Cola-Flasche steht ein Pin-Code, mit dem man Tickets gewinnen kann. Aber auch andere Dinge, die mit der WM zu tun haben.

Wie zum Beispiel die hübschen Dosen, die die Bilder der Nationalspieler tragen?

Das ist die Aufstellung unserer deutschen Spieler für zu Hause - die Auswahl ist natürlich mit Oliver Bierhoff abgesprochen. Sie sind auch deshalb etwas Besonderes, weil die Dosen vom deutschen Markt wegen des Dosenpfands praktisch ausgeschlossen wurden . . .

. . . über das Dosenpfand reden wir noch.

Gerne, denn die Dosen werden wiederkommen. Im nächsten Mai. Ich sage Ihnen, diese Dosen mit den Fotos der Fußballspieler werden etwas ganz Besonderes sein. Alle werden versuchen, die vollständige Kollektion zusammenzubekommen.

Und heillos viel Geld für Coke ausgeben. Wie groß ist denn Ihr Budget für die Fußball-WM?

Es ist auf alle Fälle ein Budget, mit dem wir hier in Deutschland ganz vorn mitspielen können. Sie kennen unseren WM-Slogan: „It's your Heimspiel.“

So wird es nach ,Fräuleinwunder' und ,Angst' ein drittes deutsches Wort im englischen Sprachschatz geben, wofür wir Coca-Cola auf immer dankbar sein werden.

Coca-Cola wird - darauf setzen wir - ein wenig mehr Zuversicht bringen, einen Schuß Optimismus und natürlich Erfrischung. Das ist doch genau das Richtige für Deutschland. Etwas gute Stimmung. Im Grunde kommt die Fußball-WM für Deutschland und auch für Coca-Cola in Deutschland zu einem strategisch sehr günstigen Zeitpunkt.

Stimmt. Deutschland jammert derzeit über alles und nichts und ist zudem für Coca-Cola ein schwieriger Markt.

Wir sind aber auf einem sehr guten Weg. Wir erzielen seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wieder solides Wachstum. Wir peilen an, unser Geschäftsvolumen innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln. Wir vereinfachen unsere Geschäftsstrukturen in Deutschland und wollen alle Abfüller unter ein Dach bringen.

Unter das von Coca-Cola. Das ist eine Revolution. Denn bisher haben Sie mit eigenständigen Abfüllern gearbeitet.

Richtig, wir haben derzeit noch acht Abfüller, die aus über 100 Gesellschaften in den späten achtziger Jahren hervorgegangen sind. Mit der Konsolidierung unter dem Dach eines einzigen Abfüllers wollen wir Effizienz und Tempo unseres Geschäfts deutlich ausbauen.

Wollen denn alle Abfüller ihre Eigenständigkeit aufgeben?

Wir diskutieren einen freiwilligen Zusammenschluß und wünschen uns, daß alle acht mitmachen. Denn auf ihre zum Teil jahrzehntelange Erfahrung und vor allem auf ihre Leidenschaft für die Marke wollen wir nicht verzichten.

Noch mal: Machen alle mit?

Bis auf einen Abfüller haben alle die Absichtserklärung unterschrieben, unter dem Dach von Coca-Cola zu fusionieren. Es ist ein komplizierter Prozeß. Wir müssen alle Unternehmen einzeln bewerten, Preise verhandeln. Ich finde es extrem spannend, als gesamtdeutsches Unternehmen Tempo, Effizienz und Synergieeffekte zu gewinnen, ohne dabei auf die regionale Erfahrung unserer mittelständischen Familienbetriebe zu verzichten.
Wie groß wird dann die neue ,Coca-Cola Beverage Company' sein?

Sie wird rund 3,4 Milliarden Liter Erfrischungsgetränke im Jahr herstellen.

Sagen Sie uns doch lieber Umsatz und Mitarbeiterzahl.

Normalerweise veröffentlichen wir keine Zahlen auf Länderebene, aber Deutschland ist für Coca-Cola der sechstgrößte Markt weltweit. Derzeit beschäftigen unsere Abfüller rund 12.000 Mitarbeiter an 80 Standorten bundesweit. Und übrigens: Sie vertreiben mehr als 50 verschiedene Produkte von uns.

Ist es eigentlich eine gezielte Strategie von Coca-Cola, daß Leute, die BonAqa kaufen, nicht merken, daß es von Ihnen kommt?

Nein, es ist einfach nur wichtig, daß die Konsumenten eine Bindung an die Marke BonAqa entwickeln, wenn sie sich für Wasser entscheiden. Der Unternehmensname spielt da keine große Rolle.

Das sagen Sie nur, weil Coca-Cola nicht gerade das Image eines gesunden Getränkes hat.

Sie sprechen damit eines der größten Mißverständnisse an, die über Coca-Cola existieren: nämlich, daß es ein ungesundes Getränk ist. Das ist natürlich völlig falsch.

Natürlich, wir trinken nämlich gerade Coca-Cola. Noch mal: Was tun Sie gegen die Reputation?

Wir bieten Getränke für jeden Geschmack und jede Gelegenheit an. Mit, ohne und mit wenig Kalorien. Es gibt nicht viele gutschmeckende und erfrischende Nahrungsmittel und Getränke, die nur eine Kalorie haben. Und wir wollen unser Portfolio weiter ausbauen. Übrigens hat ein Glas Coca-Cola weniger Kalorien als zum Beispiel ein Glas Orangensaft.

Wann trinken Sie eigentlich ihre erste Coke am Tag?

Morgens gegen zehn, und ich trinke fünf oder sechs kleine Flaschen am Tag. Aber glücklicherweise muß ich meine Coke ja auch nicht bestellen!

Ab der wievielten Flasche ist Coke für den Körper schädlich?

Was soll schlecht daran sein, ab und an ein Erfrischungsgetränk zu trinken? Es kommt doch darauf an, Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch als Teil eines ausgewogenen Lebensstils in ein vernünftiges Gleichgewicht zu bekommen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, daß in der Liste gesundheitsschädlicher Dickmacher andere Dinge ganz oben stehen, aber nicht Coca-Cola.

Anders gefragt: Wie viel Coca-Cola dürfen Ihre Kinder am Tag trinken?

Sie sind sehr aktiv, und natürlich erlaube ich ihnen, Coca-Cola zu trinken. Aber sie trinken alles, was wir sonst noch im Haus haben, zum Beispiel: Nestea, BonAqa und Fanta. Das ist auch unsere Geschäftsstrategie: Wir wollen in weiteren Segmenten wachsen, mehr Wasser verkaufen, mehr Säfte oder andere Getränke. So wie zum Bespiel in Japan: Dort verkaufen wir vor allem Softdrinks wie ,Georgia Coffee' und Tee und erst an dritter Stelle Coke in all ihren Varianten.

In welchem Land der Welt wird am meisten Cola getrunken?

Das ist - verblüffenderweise - Island. Warum auch immer. Dort trinken die Menschen 440 0,25-Liter-Flaschen Coke im Jahr. In Deutschland sind es 170 Flaschen.

Haben die Menschen hier mehr Coke getrunken, als es die gute alte Dose gab?

Eindeutig ja. Das komplizierte System um das Dosenpfand mit den Insellösungen hat uns zehn Prozent unseres Volumens gekostet.

Warum eigentlich?

Weil der Kauf einer Dose die billigste und bequemste Möglichkeit war, Coke zu konsumieren. Etwa ein Sechstel unserer Menge haben wir in Dosen verkauft. Die Verbraucher, die wir in diesem Segment erreicht haben, sind uns zum größten Teil verlorengegangen.

Die Pfandflasche war also kein Ersatz?

Keinesfalls. Leider werden heute als Folge des Dosenpfands mehr Getränke in Einwegverpackungen verkauft als je zuvor in Deutschland. Das ist das Gegenteil dessen, was die Politiker wollten. Im Grunde ein Desaster .

Jetzt kommt die Dose wieder, aber mit Pfand.

Ja, sie wird zurückkommen, aber nicht im selben Umfang wie bisher, jedenfalls nicht sofort. Die Wirklichkeit sieht doch so aus, daß die Leute die Dosen nicht zurückbringen, sondern lieber wegschmeißen. Und damit ist Coke dann eben teurer.

Das Rezept läßt uns keine Ruhe: Wo liegt es eigentlich?

Es liegt hinter dicken Stahltüren in einem Tresor in der Sun Trust Bank in Atlanta.

Aber es gibt Fabriken, die das Konzentrat für die Abfüller herstellen. Dort muß es doch Leute geben, die das Rezept kennen.

Aber niemals das ganze. Der Prozeß ist zerlegt worden. Es gibt also immer nur Leute, die Teile des Rezepts kennen.

Und wo befinden sich denn die Produktionsstätten, die das Konzentrat herstellen?

Auch das ist Teil des Geheimnisses.

Ihren Mythos pflegen Sie wirklich sehr geschickt.

Wir leben schließlich davon.

Das Gespräch führten Carsten Germis und Inge Kloepfer

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.01.2006
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