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Citigroup Milliarden-Spritze aus Abu Dhabi

27.11.2007 ·  Das Emirat Abu Dhabi schießt 7,5 Milliarden Dollar bei der Krisen-Bank Citigroup ein. Der saudische Prinz Alwalid ist schon am größten Finanzkonzern der Welt beteiligt. Die Nachricht sorgt für Erleichterung an den Finanzmärkten, nährt aber auch die Sorgen vor der wachsenden Macht von Staatsfonds.

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Das Emirat Abu Dhabi steigt für 7,5 Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro) bei der Citigroup ein und schießt der krisengeschüttelten amerikanischen Bank damit frisches Kapital zu. Mit einer Beteiligung von knapp 5 Prozent löst der arabische Investor den saudischen Prinzen Alwalid bin Talal als größten Einzelaktionär der Bank ab.

Anleger werteten die bislang zweitgrößte Auslandsinvestition eines Staatsfonds aus der Golfregion als Vertrauensbeweis für die Citi, die wegen der Marktturbulenzen im Zuge der amerikanischen Hypothekenkrise mit Milliardenabschreibungen kämpft. Bankaktien und auch der Dollar legten daraufhin zu.

Keine Sonderrechte für das Emirat

Die Investmentbehörde des Emirats soll der Vereinbarung zufolge nach dem Einstieg keine Sonderrechte bekommen, wie Citigroup am Montagabend mitteilte. So werde Abu Dhabi keine Mitglieder ins Führungsgremium entsenden können und auch nicht am Management beteiligt werden.

Der Fonds aus Abu Dhabi verwaltet Experten zufolge rund 650 Milliarden Dollar an Einnahmen der Regierung vor allem aus dem Ölgeschäft. Das Emirat ist der sechstgrößte Ölexporteur der Welt und profitiert wie fast alle Golfstaaten massiv von der Verfünffachung des Ölpreises in den vergangenen fünf Jahren.

Angst vor dem Einfluss von Staatsfonds

In der Bundesregierung und auch in anderen Industrieländern wächst daher die Angst, dass diese Staatsfonds ihre Milliarden zu Übernahmen von Großkonzernen nutzen könnten. Für die Citigroup bedeutet der Einstieg vor allem eine wichtige Finanzspritze zur Stärkung der Kapitalbasis. „Diese Investition von einem der führenden Investoren weltweit gibt uns frisches Geld, um attraktive Wachstumsmöglichkeiten nutzen zu können“, erklärte Interimskonzernchef Win Bischoff.

Nach Schätzungen der Branchenexpertin Meredith Whitney von der Investmentbank CIBC World Markets benötigt die einst größte Bank der Welt wegen der Belastungen in Folge der Hypothekenkrise rund 30 Milliarden Dollar an Kapital. Spekulationen über eine Kürzung der Dividende erteilte Citigroup Anfang des Monats jedoch eine Absage.

Citigroup muss weitere 11 Milliarden abschreiben

Zugleich kündigte das Geldhaus indes an, im vierten Quartal weitere 11 Milliarden Dollar abschreiben zu müssen nach knapp sieben Milliarden Dollar in den vergangenen Monaten. Die Bank ist besonders stark am kriselnden amerikanischen Hypothekenmarkt engagiert und daher vor den Turbulenzen weltweit mit am stärksten betroffen.

Wegen der drastischen Abschreibungen im Investmentbanking musste auch Citigroup-Chef Charles Prince seinen Hut nehmen. Er stand seit längerem unter massivem Druck von Großaktionären, Kosten zu sparen und den Aktienkurs nach oben zu treiben. Im bisherigen Jahresverlauf büßte die Bank rund 100 Milliarden Dollar an Börsenwert ein. Medienberichten zufolge arbeitet das Management derzeit an Plänen für drastische
Kostensenkungen zusätzlich zu dem im Frühjahr bereits angekündigten Abbau von 17.000 Stellen. Dies entsprach damals rund fünf Prozent der Belegschaft.

Kurse deutscher Finanztitel steigen auch

Analysten zufolge sorgte der Einstieg Abu Dhabis an den Märkten am Dienstag umgehend für Erleichterung. „Die Citigroup ist groß und wird weltweit genau beobachtet. Wenn dann ein Investor ein solches Vertrauen in die Bank hat, bedeutet das schon was“, sagte Bo Brownstein, Branchenexperte bei Cambiar Investors. Viele Analysten gaben sich zuversichtlich, dass der Ausverkauf von Banktiteln in den Vereinigten Staaten und anderswo damit langsam zu Ende gehen könnte.

In Frankfurt legten Papiere der Deutschen Bank und der Commerzbank gegen den Markttrend kräftig zu. Auch Citigroup-Papiere reduzierten im Tokioter Handel nach Bekanntwerden der Finanzspritze ihre Kursverluste. Die Staatsfonds aus der Golfregion nehmen nach Ansicht von Insidern vor allem weltweit aktive Großbanken ins Visier, da diese auch von dem Wachstum in Schwellenländern profitieren können. Die Citigroup beispielsweise ist in mehr als 100 Staaten präsent.

Auch die ebenfalls international tätige Deutsche Bank ist für Golf-Investoren attraktiv. So erwarb Dubai - wie Abu Dhabi auch Mitglied der Vereinigten Arabischen Emirate - im Mai rund 2,2 Prozent an dem größten deutschen Geldhaus.

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