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Citibank, Postbank & Co. Startschuss für das deutsche Bankenmonopoly

05.06.2008 ·  Die Neuordnung der privaten deutschen Bankbranche hat begonnen. Am Mittwoch wurden die Gebote für die deutsche Citibank abgegeben. Der Verkauf der Postbank wird ebenfalls in Kürze beginnen. Die Vorbereitungen dafür sind abgeschlossen - und das Interesse ist groß.

Von Daniel Schäfer
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Die Neuordnung der privaten deutschen Bankbranche hat begonnen. Bis Mittwochabend konnten die Interessenten für das Privatkundengeschäft der amerikanischen Citigroup ihre ersten Angebote abgeben. Läuft alles nach Plan, könnte die erste der drei wohl noch in diesem Jahr zum Verkauf stehenden Banken bis August den neuen Besitzer gefunden haben.

Nach Informationen der F.A.Z. steht auch der zweite Verkauf in den Startlöchern: Das Bieterverfahren für die Deutsche Postbank werde "zeitnah" starten, sagte ein Kenner der Materie. "Der Markt wird überrascht sein, wie schnell das geht." Sämtliche Vorbereitungen sind getroffen, auch der Datenraum, in dem die Interessenten das Zahlenwerk der mit 14,5 Millionen Kunden größten deutschen Filialbank unter die Lupe nehmen können, ist eingerichtet. Wann die Verhandlungen über die zum Allianz-Konzern gehörenden Dresdner Bank beginnen, ist dagegen weiterhin unklar.

Die Interessenten scheinen bereit, hohe Preise zu zahlen

In allen drei Fällen halten sich die Besitzer nach außen hin freilich sämtliche Optionen offen - wohl um den jeweiligen Preis hochzuhalten. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, hatte zuletzt in öffentlichen Aussagen einen schnellen Verkauf der Postbank als unwahrscheinlich dargestellt. Die Post besitzt gut die Hälfte der Postbank-Anteile. Und auch Franz Josef Nick, Interimschef der Citibank Deutschland, hatte vor einigen Wochen intern mitgeteilt, dass ein Verkauf des Privatkundengeschäfts noch keine ausgemachte Sache sei.

Doch das Bieterverfahren ist in vollem Gange und Beobachter zweifeln, dass dessen Eigendynamik zu stoppen ist. Zumal die Interessenten bereit zu sein scheinen, hohe Preise zu bezahlen. Derzeit stehen für das Institut mit seinen 3,3 Millionen deutschen Kunden und einem besonderen Schwerpunkt in der Konsumentenfinanzierung 4 bis 5 Milliarden Euro als Kaufpreis zur Debatte. Wer bis Mittwochabend tatsächlich ein unverbindliches Gebot eingereicht hat, blieb zunächst unklar.

Santander und BNP Paribas als heiße Anwärter

Als heißeste Interessenten werden die spanische Santander und die französische BNP Paribas gehandelt. Denn beide haben schon ein starkes Standbein im deutschen Konsumentenkreditgeschäft. Die kapitalkräftige Santander ist in diesem Geschäftszweig derzeit auf Expansionskurs. Erst vor kurzem hatte die Bank entsprechende Sparten von der britischen Royal Bank of Scotland sowie von dem amerikanischen Konzern General Electric erworben. Dadurch erhöhte Santander die Kundenzahl in Deutschland auf mehr als 5 Millionen Kunden.

Die Spanier sind ebenso wie die französische BNP Paribas von der Bankenkrise vergleichsweise wenig getroffen und gelten daher als äußerst handlungsfähig. Auch die Franzosen sind mit der Direktbank Cortal Consors im deutschen Privatkundenmarkt aktiv. Der niederländischen ING, die in Deutschland mit der Direktbank ING-Diba eine starke Marktstellung hat, wird gleichfalls Interesse nachgesagt. Ebenso wird die Deutsche Bank ein Auge auf die Citibank werfen.

Doch der deutsche Branchenprimus dürfte sich nicht mit allzu viel Elan darauf stürzen. Schließlich hat Vorstandschef Josef Ackermann erst in der vergangenen Woche nochmals betont, die Bank werde sich an der Konsolidierung nur beteiligen, wenn der Preis vernünftig und die Strategie passend sei. Anders als im Fall der vor zwei Jahren auch aus politischen Gründen als Bekenntnis zum Standort Deutschland gekauften Berliner Bank sei das Kreditinstitut somit nicht bereit, einen übertrieben hohen Preis zu bezahlen, heißt es im Umfeld der Bank. Zudem passt die Citibank eher zur billigeren Zweitmarke Norisbank als zum Kerngeschäft der Deutschen Bank, dem gehobeneren Privatkundengeschäft.

Analysten raten der Deutschen Bank vom Kauf der Citibank ab

Auch Analysten raten der Bank davon ab, die Citibank zu kaufen. Das amerikanische Analysehaus Bernstein Research schreibt, ein derartiger Kauf rechne sich für die Deutsche Bank nicht, weil kaum noch Synergien zu heben seien. "Die Citibank ist bereits eine der am effizientesten arbeitenden Banken in Deutschland." Das deutsche Privatkundengeschäft der im Zuge der Finanzkrise mit großen Problemen kämpfenden Citigroup ist mit einer Eigenkapitalrendite von fast 50 Prozent an Ertragskraft kaum zu schlagen. Jedoch verweisen Beobachter darauf, dass durch eine Zusammenlegung der Informationstechnologie und einen Wegfall der Marketingaufwendungen die Kosten durchaus verringert werden könnten.

Interesse an der deutschen Citibank, die als Teil eines 400 Milliarden Dollar schweren Desinvestitionsprogramms der amerikanischen Bank abgegeben werden soll, hat auch der Postbank-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Klein geäußert. Da seine Bank bald selbst zum Verkauf steht, ist er allerdings in diesem Bieterverfahren nicht handlungsfähig. Ebenso wenig dürften sich die derzeit ansonsten sehr an der Finanzbranche interessierten Beteiligungsgesellschaften an die Citibank herantrauen. "Das machen die Banken unter sich aus", heißt es in Bankenkreisen.

Der Zeitplan ist eng gesteckt

Der Zeitplan für den von den hauseigenen Investmentbankern der Citigroup organisierten Verkauf ist eng gesteckt. Binnen einer guten Woche soll eine Handvoll Interessenten herausgefiltert werden. Diesen Banken wird dann der Zugang zum Datenraum gewährt. Ende Juli soll nach der Abgabe verbindlicher Angebote ernsthaft verhandelt werden.

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