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Chiphersteller Araber drängen auf Großfusion in Halbleiterindustrie

07.09.2009 ·  Unter den Chipherstellern könnte in Kürze ein neuer Großanbieter auftauchen. Der arabische Investmentfonds Atic will nach dem Einstieg bei Globalfoundries nun auch Chartered aus Singapur kaufen.

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Die arabische Investorengruppe Advanced Technology Investment Co. (Atic) greift nach einem weiteren Chiphersteller. Nach Angaben des Unternehmens vom Montag will es für 3,9 Milliarden Dollar die Chartered Semiconductor Manufacturing Co. Ltd. aus Singapur kaufen. Durch einen Zusammenschluss mit dem Hersteller Globalfoundries, der seine Werke in Dresden stehen hat, könnte ein neuer Großanbieter für Halbleiter entstehen. Globalfoundries ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Atic und AMD. Ein fusioniertes Unternehmen würde dem bisher größten Auftragsfertiger - der taiwanischen Firma TSMC - ernsthaft Paroli bieten können.

Die Gründung von Globalfoundries durch die Atic und den amerikanischen Mikroprozessorenhersteller AMD im März 2009 war der Einstieg der Araber in die Halbleiterbranche. Atic hält an dem Unternehmen 66 Prozent, AMD 34 Prozent. Zuvor hatte Mubadala, einer der großen Staatsfonds von Abu Dhabi mit dem Investitionsschwerpunkt Technologie, 2007 und 2008 20 Prozent an AMD erworben. AMD trennte sich im Zuge der Transaktion von der Chipherstellung, um sich auf die Entwicklung zu konzentrieren. Dann investierte Atic, eine Tochtergesellschaft von Mubadala, 1,4 Milliarden Dollar in das neue Unternehmen Globalfoundries und zahlte 700 Millionen Dollar an AMD.

Atic könnte die Produktion von Chartered Semiconductor Manufacturing nach einer Übernahme mit der Produktion von Globalfoundries verbinden. Das Unternehmen produziert in einem Werk nahe Dresden und baut ein zweites in New York. Globalfoundries will die prominenten Mitglieder der "Global Semiconductor Alliance" (GSA) als Kunden gewinnen. Die 300 Milliarden Dollar umfassende Halbleiterbranche durchläuft gerade einen tiefgreifenden Wandel. Viele Anbieter konzentrieren sich auf das Entwerfen von Chips, geben die eigene Massenproduktion auf und verlagern die Herstellung an Dritte wie Globalfoundries oder TSMC.

Hohe Investitionskosten

Ursache sind die hohen Investitionskosten. Eine neue Chipfabrik kostet mittlerweile mehr als 4 Milliarden Dollar. Das ist für viele klassische Anbieter nicht mehr im Alleingang zu stemmen. Vor diesem Hintergrund gründete etwa der Prozessorenhersteller AMD seine Werke in Dresden in eine eigenständige Gesellschaft aus, holte sich mit der Investmentgesellschaft Atic aus Abu Dhabi dafür einen finanzstarken Partner ins Boot und setzt nun ganz auf Auftragsfertigung. Mit AMD und ST Microelectronics wurden erste Kunden gewonnen.

Derzeit prüft Japans größter Halbleiterhersteller Toshiba die Auslagerung wichtiger Teile seiner Chipfertigung. Dabei sollen Globalfoundries und Chartered ganz oben auf der Liste gewünschter Partner stehen. Beide Anbieter können Chips auf dem neuesten Stand der Technik herstellen. Zwar sollen die Toshiba-Werke an den japanischen Standorten Oita und Nagasaki vorerst unverändert weiterproduzieren. Auf absehbare Zeit wird aber kein Geld mehr in die Fabriken investiert. Dagegen investiert Globalfoundries über die kommenden Jahre mehr als 4 Milliarden Dollar in seine Produktionsanlagen.

Das amerikanische Unternehmen will sich so zu einem der weltgrößten Chip-Auftragsfertiger entwickeln. Bislang hat diese Position TSMC inne. Allerdings haben die Taiwaner am oberen technischen Ende des Chipmarktes derzeit nicht allzu viel zu bieten. So werden die in jedem Computer eingesetzten Steuerbausteine immer kleiner und leistungsfähiger. Derzeit gelten Strukturgrößen von 32 Nanometern als der neueste technische Stand für die Massenfertigung. Computerhersteller wie Toshiba haben schon Chipabmessungen von 28 Nanometern im Blick. Dafür sind leistungsstarke und kapitalkräftige Massenhersteller erforderlich. Ein Zusammenschluss von Globalfoundries und Chartered könnte zusammen fast die gesamte Palette anbieten.

Neues Szenario

Chartered Semiconductor soll genau in dem Moment verkauft werden, wo es für die Branche und das Unternehmen aufwärtsgeht. Für das dritte Quartal erwartet der Staatskonzern aus Singapur erstmals wieder ein ausgeglichenes Ergebnis. "Angesichts der besseren Bedingungen der Branche haben wir unsere Prognose heraufgeschraubt", sagte der Vorstandsvorsitzende Chia Song Hwee gegenüber Analysten am Montag. Er soll den Prozess der Integration der beiden Unternehmen führen und kündigte gleich an, dass es keinen großen Arbeitsplatzabbau geben werde. Allerdings fügte er hinzu: "Wir werden zwei Geschäfte zusammenführen, die sich zu einem guten Teil überlappen. Also geht es darum, Kosten zu verringern."

In dem neuen Szenario rechnet Chartered Semiconductor nun mit einem Quartalsergebnis zwischen null und minus 8 Millionen Singapur-Dollar (3,89 Millionen Euro). Zuvor war Chartered von einem Minus zwischen 17 und 27 Millionen Singapur-Dollar ausgegangen. Der Umsatz soll nun bei mindestens 405 Millionen Singapur-Dollar liegen statt - wie zuvor erwartet - 385 Millionen Singapur-Dollar. Seit 22 Jahren ist Temasek Holdings, einer der beiden Singapurer Staatsfonds, mit einem Anteil von 62 Prozent Ankeraktionär von Chartered. Der Verkauf würde den Verlust mindern, den Temasek durch Beteiligungen an ausländischen Banken 2008 erlitt. Gerade haben die Singapurer noch einmal betont, künftig im asiatischen Ausland aktiver werden zu wollen und auch in für sie neue Sektoren wie Rohstoffe vorzudringen. Die Araber bewerten Chartered allerdings nur geringfügig höher als die Börse: Der Aufschlag bei einem Kauf liegt bei gerade einmal 2 Singapore-Cent je Aktie. Seit Jahresbeginn hat das Papier seinen Wert freilich mehr als verdoppelt.

Das lässt Atic dennoch zugreifen. Die Investmentgruppe tauchte vor einem Jahr in der Chipbranche als einer der neuen, großen und kapitalkräftigen Wettbewerber auf. Es ist eines der jüngsten Investmentvehikel des Emirats Abu Dhabi - mit der Regierung des Emirats als einzigem Aktionär. Die erst 2008 gegründete Atic soll als spezialisiertes Unternehmen in "globale Spitzentechnologie" investieren; und zwar in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien. Schwerpunkt ist die Halbleiterindustrie. Das Unternehmen ist aber auch für andere Segmente in der Spitzentechnologie offen. Die Investitionen sollen langfristig und strategisch angelegt sein.

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