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Luftverkehr : Chinesen kaufen den Flughafen Frankfurt-Hahn

  • Aktualisiert am

Rollfeld des Flughafens Frankfurt-Hahn Bild: dpa

Der Handel ist unter Dach und Fach. Das Land Rheinland-Pfalz verkauft den verlustreichen Regionalflughafen Hahn an chinesische Investoren.

          Der Verkauf des Hunsrück-Flughafens Hahn an einen chinesischen Bieter ist unter Dach und Fach. Nach Informationen vom Sonntag ist der Kaufvertrag notariell besiegelt. Bereits Ende Mai war bekannt geworden, dass das Land Rheinland-Pfalz den Regionalflughafen an chinesische Investoren verkaufen will. Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge dürfte der Airport in Kürze für einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag den Besitzer wechseln.

          Zuletzt hatten die Flughafenbesitzer nach einem mehrwöchigen Ausleseprozess mit drei chinesischen Unternehmen verhandelt, wie die F.A.Z. bereits am vergangenen Donnerstag berichtete. Neben der branchenfremden Shanghai Yiqian Trading Company, die in der Volksrepublik als Zwischenhändler für die Bauindustrie und Einzelhandel tätig ist, gab es zwei Bietergruppen aus dem Luftfahrtsektor. So war bis zuletzt der chinesische Mischkonzern HNA mit von der Partie. Letzterer wollte jedoch nur einen symbolischen Kaufpreis zahlen, verlangte Subventionen und sei deshalb nicht mehr im Rennen. Größere Chancen, in Hahn zum Zuge zu kommen, wurden dagegen Chinas staatlichem Wirtschaftsförderer Henan Civil Aviation Development (HNCA) zugerechnet. Er hatte bereits 2013 die Frachtfluggesellschaft Cargolux erworben und will den Regionalflughafen zu einem weiteren Fracht-Drehkreuz umbauen.

          Kein Erfolgsmodell für Regionalflughäfen

          Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Rheinland-Pfalz - mit 82,5 Prozent Haupteigner des Flughafens - musste wiederholt Geld nachschießen. Das Land hatte die Mehrheit an der Betreibergesellschaft Ende vorigen Jahrzehnts von Frankfurter Flughafen übernommen. Zweiter Anteilseigner an dem Airport im Hunsrück ist mit 17,5 Prozent Hessen.

          Eines des größten Probleme von Hahn ist, dass Hauptnutzer Ryanair seit Jahren sein Angebot dort schrumpft und seine Flugzeuge lieber an großen Flughäfen wie Köln einsetzt. Voriges Jahre zählte Hahn nur noch 2,7 Millionen Passagiere nach knapp vier Millionen vor zehn Jahren. Zudem liegt Hahn 120 Kilometer von Frankfurt entfernt, die Fahrt dauert zwei Stunden. Im zweiten Geschäftsfeld Luftfracht hat sich Hahn einen festen Platz in der Branche erarbeitet und rangiert in Deutschland an fünfter Stelle. Allerdings kämpfen Cargo-Airlines derzeit weltweit wegen Überkapazitäten mit fallenden Preisen. Nach Aussage eines Branchenbeobachters müsste der neue Flughafeneigner am besten ein eigenes Frachtgeschäft mitbringen, um Hahn besser auszulasten.

          Zudem ist unter hiesigen Airports nach einigen prominenten Fehlschlägen mit chinesischen Geldgebern die Vorsicht groß. 2014 etwa hatte ein Investor aus dem Reich der Mitte den insolventen Flughafen Lübeck gekauft und wollte dort den Medizintourismus ausbauen. Die Pläne floppten, ein Jahr später war der Flughafen abermals Pleite. In den Schlagzeilen war auch die Übernahme des Flughafens Parchim in Mecklenburg-Vorpommern 2007 durch einen ansonsten unbekannten chinesischen Geschäftsmann. Der angekündigte Ausbau des alten Militärflughafens in ein Fracht- und Passagierdrehkreuz geht bis heute nur sehr langsam voran.

          Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, der Flughafen werde an den chinesischen Mischkonzern HNA verkauft. Diese Nachricht wurde korrigiert.

          Quelle: marw./anst./dpa/Reuters

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