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Aktualisiert: 17.05.2017, 09:57 Uhr

Kriegsschiffe und U-Boote Asien rüstet kräftig auf – mit deutscher Hilfe

China und Indien bauen ihre Seestreitkräfte erheblich aus, kaufen zahlreiche Kriegsschiffe und U-Boote. Amerika sorgt sich um seine militärische Dominanz vor Ort, doch zunächst einmal profitiert die deutsche Rüstungsindustrie.

von , Singapur
© AFP Begehrt in Asien: U-Boot-Modell vom Typ 218SG von Thyssen-Krupp Marine Systems. Erst am Dienstag gab Singapur eine neue Bestellung auf.

Asiens Länder pumpen Milliarden Dollar in die Aufrüstung ihrer jeweiligen Marine. Die Tendenz geht dabei zu teuren Schiffen, die mit Tarnkappentechnologie ausgerüstet sind, zu Flugzeugträgern und zu U-Booten. Der Singapurer Verteidigungsminister Ng Eng Hen erklärt, bis 2030 würden in Asien-Pazifik rund 800 weitere Kriegsschiffe und Unterseeboote operieren.

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Das Ganze hängt auch mit den Handelsströmen zusammen. „Mehr als 90 Prozent aller gehandelten Güter werden über See transportiert“, sagte Mohamad Maliki Bin Osman, Singapurer Staatsminister für Verteidigung, bei der Eröffnung der Waffenmesse Imdex in Singapur. „Bis 2020 werden die Rüstungsausgaben Asiens um 23 Prozent steigen.“

Es geht um viel: Vereinfacht gesagt, will China seine Handelswege von den Golfstaaten bis vor seine Küste offen halten und kontrollieren. Dabei berührt es die Interessen seines Widersachers Indien, aber auch Japans und der südostasiatischen Staaten. „Um das Wachstum des Handels und ihre Interessen zu schützen, haben Südostasien, Australien, China und Indien ihre Seestreitkräfte ausgebaut. Die Marinebudgets in Asien-Pazifik dürften bis 2020 um 60 Prozent steigen“, erklärt Ng.

Deutsche Industrie profitiert

In einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte heißt es: „Chinas Position als größte Volkswirtschaft der Region und seine Abhängigkeit vom Zugang zu den Überseerouten für den internationalen Handel haben zu weitreichenden Änderungen in Chinas Verteidigungspolitik geführt. Sie führen dann zu politischen Reaktionen anderer Asien-Pazifik-Staaten und damit zu einem bedeutsamen Aufbau von Marinekapazitäten in der Region.“ Harsh V. Pant, Wissenschaftler am King’s College in London, warnt: „Die Konkurrenz der Seestreitkräfte von China und Indien dürfte sich noch intensivieren, weil die Marine beider Länder weit vor ihren Küsten operiert.“

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Einer der Gewinner der Militarisierung der Region ist die deutsche Werft Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS): Der hochgerüstete Stadtstaat Singapur bestellte am Dienstag zwei weitere U-Boote vom Typ 218SG bei den Deutschen. Die Singapurer Besatzungen werden in Deutschland geschult. Der Auftrag der beiden Boote mit rund 2000 Tonnen Verdrängung und einem kombinierten Diesel-Elektrik-Antrieb, an dem auch Siemens mitarbeitet, hat ein Volumen von gut einer Milliarde Euro. Zwei U-Boote sind schon im Bau.

Indonesien geht gegen Fischraub vor

„Im vergangenen Jahr waren rund 200 U-Boote im Pazifik aktiv. Im Jahr 2025 könnten es schon 250 sein“, sagte Maliki. Gerade hat Thailand beschlossen, drei chinesische U-Boote zu kaufen. China selber baut 30 U-Boote. Insgesamt hat TKMS, die einen erhofften Großauftrag aus Australien im vergangenen Jahr an Frankreich verlor, 18 U-Boote an Südkorea verkauft und hofft auf einen großen Auftrag aus Indien über sechs Boote. Vier deutsche Boote haben die Inder schon. Zwei gebrauchte U-Boote der Bundesmarine fahren in Indonesien, das weitere zwei bis drei Boote bestellen will.

Indonesien ist einer der Vorreiter der Militarisierung der Meere in Asien. Präsident Joko Widodo hatte schon bei seiner Wahl 2014 davon gesprochen, wieder Seemacht werden zu wollen. Seine Fischereiministerin lässt inzwischen im Monatsrhythmus fremde Fischerboote sprengen, die in den Hoheitsgewässern Indonesiens Fischraub begehen.

Chinas Aufrüsten beunruhigt

Doch der Wahlspruch „Jalesveva Jayamahe“ („auf dem Meer werden wir triumphieren“) beinhaltet auch eine Ansage etwa an Chinas Marine, die das Vorpreschen des Landes im Süd- und Ostchinesischen Meer vorantreibt. Bis 2020 will das Entwicklungsland eine Flotte von 274 Kriegsschiffen zusammengestellt haben. Der Aufholbedarf scheint klar: Indonesiens Verteidigungsetat lag 2013 bei nur gut 8 Milliarden Dollar, während Australien damals schon 26 Milliarden Dollar für Waffen ausgab, China 112 Milliarden Dollar, Japan 51, Südkorea 32 und Indien 36 Milliarden Dollar. Seitdem sind die Beträge stark gestiegen.

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Am Ende aber ist es Chinas Seestreitmacht, gepaart mit seinem aggressiven Vordringen im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean, die Indien, Südostasien, Japan und dem Westen Sorge bereitet. „China hat die Kapazität aufgebaut, um unsere regionale maritime Dominanz in Frage zu stellen“, sagte Harry Harris, der Kommandeur des amerikanischen Oberkommandos für den Pazifik, vor kurzem. Er brauche erhöhte Kampfkraft, „insbesondere Schiffe und Flugzeuge, die mit schnelleren und widerstandsfähigeren Waffensystemen ausgestattet sind. Weitreichendere Angriffswaffen sind ein Muss.“ Sätze, die jeder Marine-Kommandeur Asiens derzeit unterschreiben würde. Sehr viele sind über Chinas phänomenalen Aufbau seiner Seestreitkräfte beunruhigt.

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