14.01.2010 · Die Suchmaschine Baidu liegt in China weit vor Google. Der mögliche Rückzug der Amerikaner könnte die Marktstellung von Baidu in China nochmals stärken. Das Unternehmen ist sogar an der Börse in New York notiert. Dort steigt schon der Aktienkurs.
Von Christian Geinitz, PekingDer mögliche Rückzug von Google aus China könnte dem dortigen Marktführer Baidu (www.baidu.com) zugutekommen. Nach der Ankündigung des amerikanischen Wettbewerbers stieg der Kurs der an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq notierten Baidu-Aktie im nachbörslichen Handel um 7 Prozent auf 414 Dollar. Am Mittwoch hatte der Wert noch um mehr als 3,5 Prozent nachgegeben.
Während Google den Weltmarkt dominiert, liegt Baidu in China weit vorn. Schätzungen zufolge nutzen 62 Prozent der Suchmaschinenkunden den heimischen Anbieter, 29 Prozent den amerikanischen. Im dritten Quartal 2009 stiegen Baidus Umsätze Unternehmensangaben zufolge um 39 Prozent auf 1,28 Milliarden Yuan (187 Millionen Dollar). Geschäftsergebnis und Überschuss seien jeweils um 42 Prozent auf umgerechnet 76 und 72 Millionen Dollar geklettert. Im Gesamtjahr 2008 nahmen die Erlöse um 83 Prozent auf 3,2 Milliarden Yuan zu (469 Millionen Dollar), das Geschäftsergebnis verdoppelte sich auf 1,1 Milliarden Yuan (161 Millionen Dollar).
Chinesische Internetgemeinde gibt sich gespalten
Baidu versteht sich als stark expansiver Konzern. Künftig will er nicht nur Google Konkurrenz machen, sondern auch Videoanbietern wie Youtube. Vergangene Woche gründete die Baidu. Inc., Peking, dafür eine neue Tochtergesellschaft. Auch wird gemutmaßt, dass die Gruppe in den Online-Spielemarkt einsteigen will. Für Verunsicherung unter Anlegern hatte in der vergangenen Woche die Mitteilung gesorgt, dass der für den Geschäftsverlauf verantwortliche Vorstand (COO) Peng Ye „aus persönlichen Gründen“ fristlos zurücktrete.
Die Internetgemeinde gibt sich am Telefon gespalten über die Folgen des möglichen Rückzugs von Google. Das sei ihm gleichgültig, ihm reiche Baidu völlig aus, sagt Wang Lizhi, ein 45 Jahre alter Lehrer für Hotelmanagement in Dalian. Die mit 28 Jahren deutlich jüngere Luo Wei, die für ein amerikanisches Ausbildungszentrum in Peking arbeitet, lehnt Baidu hingegen ab und benutzt ausschließlich Google. Nur dort finde man Informationen auf Englisch.
Ähnlich argumentiert eine Altersgenossin, die Hochschullehrerin Yang Jianmin, die hin und wieder Einträge auf Englisch oder Japanisch braucht. „Ich fände es schade, wenn Google China verlässt.“ Das sagt auch Song Haizhen, eine beamtete Juristin im Sportamt von Dongying in der Provinz Shandong. Zwar schlägt sie häufiger bei Baidu nach, detailliertere Informationen findet sie aber bei Google. „Google ist internationaler, deswegen würde ich den Weggang bedauern.“ Die meisten Befragten halten es für legitim, dass die Regierung Suchmaschinen zensiert.
Hacker-Angriffe auch auf die Baidu-Seite
Baidu mag über Googles möglichen Ausstieg aus dem chinesischen Markt frohlocken, ist aber auch nicht frei von Schwierigkeiten. Am Dienstag erlitt das Unternehmen die schwerste Internetmanipulation – einen sogenannten Hacker-Angriff – seit der Unternehmensgründung vor zehn Jahren. Medien berichten, unbekannte Täter hätten die Startseite so in die Niederlande umgeleitet, dass Nutzer ein völlig anderes Bild erhielten. Auf dem Schirm sei auf Englisch der Schriftzug „Iranische Cyber-Armee“ erschienen. In der persischen Sprache Farsi hätten die Internetpiraten ihre Tat als Protest gegen ausländische Einmischungen in Iran bezeichnet, schreibt „China Daily“. Mitte Dezember hatte sich eine gleichnamige Gruppe zu Angriffen auf den Kurztext-Dienstleister Twitter bekannt. Irans Botschaft in Peking wies jede Verantwortung ihrer Regierung zurück. Man kenne die Gruppe nicht und verurteile den Angriff, hieß es.
Die Verfälschung der Baidu-Seite dauerte vier Stunden, den Schaden bezifferte das Unternehmen nicht. Die Angreifer verschafften sich keinen Zugang zu den Netzwerkrechner (Servern), sondern zur Verwaltung der Internetadresse Baidu.com. Dieses sogenannte Domain Name System (DNS) beaufsichtige ein Unternehmen in New York, hieß es.
YouTube wurde von Google gekauft - ist also Google.
Matthias Krause (gruenkohly)
- 13.01.2010, 21:25 Uhr
Beweist Google Rückgrat
Simon Buck (acdcking)
- 14.01.2010, 00:59 Uhr
ein größerer Kontext?
Lukas Werth (lukaswerth)
- 14.01.2010, 07:06 Uhr
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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