07.01.2004 · Fragen an Nikolaus Schweickart, Vorstandsvorsitzender des Pharmakonzerns Altana
Herr Schweickart, braucht Deutschland eine Eliteuniversität, wie von der SPD angeregt, oder mehr Qualität an den deutschen Hochschulen insgesamt?
Erfreulich ist zunächst, daß sich nunmehr auch die SPD zum Begriff der Elite bekennt. Eine demokratische Gesellschaft lebt von Leistungseliten, eine auf Wettbewerb ausgerichtete Marktwirtschaft auch. Daher brauchen wir Eliteuniversitäten, im übrigen auch Elitegymnasien wie zum Beispiel Schloß Hansenberg im Rheingau. Elitehochschulen haben, wie das Beispiel Vereinigte Staaten zeigt, eine hohe Anziehungskraft und ziehen dadurch über den Wettbewerb das Qualitätsniveau anderer nach oben.
Wie beurteilen Sie das Niveau an den deutschen Universitäten grundsätzlich?
Differenziert. Es gibt in einigen Bereichen der Naturwissenschaften, der Biotechnologie und bei Graduiertenkollegs hervorragende Institute, es gibt andererseits insbesondere bei den Massenfächern viel Mittelmaß. Der Ruf einer Universität wird in starkem Maße vom Forschungsprofil bestimmt. Hier ist, insgesamt gesehen, Deutschland nur noch zweitklassig.
Sollten an deutschen Hochschulen Studiengebühren erhoben werden?
Uneingeschränkt ja, und zwar nicht nur für Langzeitstudenten, sondern für jeden - unter gleichzeitigem Ausbau des Stipendienwesens. Eine universitäre Ausbildung ist nicht zum Nulltarif zu haben, Spitzenleistungen und -ergebnisse schon gar nicht.
Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will die Wirtschaft stärker zur Finanzierung von Forschung und Entwicklung einspannen. Für die "Allianz für Innovationen" sollen nach ihren Wünschen zwei Drittel der Finanzmittel von der Wirtschaft kommen. Was halten Sie davon?
"Allianz für Innovationen" klingt gut. Nur: Innovationen entstehen nicht an runden Tischen, sondern in einem forschungsfreundlichen Klima, dessen Rahmenbedingungen die Politik setzt. Ich bin sehr dafür, daß sich die Wirtschaft weitaus mehr als bisher im Bereich der Universitäten engagiert, finanziell und personell. Wenn aber gleichzeitig durch kurzsichtige Maßnahmen der Politik hochinnovative Forschungsbereiche wie etwa die Pharmaforschung durch Zwangsrabatte und Festbeträge zur Kasse gebeten werden und Milliardenbeträge damit der Forschung entzogen werden, dann ist eine "Allianz für Innovationen" eine ziemlich tönerne Veranstaltung.
In welcher Form engagiert sich Altana bei der Bildungsförderung?
Beispiele sind der Stiftungslehrstuhl für Internationales Management an der WHU Koblenz, der Stiftungslehrstuhl für Bioinformatik an der Universität Konstanz, Gastprofessuren am Frankfurt Institute for Advanced Studies, Stipendien und vieles mehr.
Was hat Ihr Unternehmen davon?
Der finanzielle Aufwand, den wir jährlich in Millionenhöhe erbringen, und das personelle Engagement vieler Führungskräfte sind langfristige Investitionen, die der Bildung und Qualifizierung junger Menschen zugute kommen. Ein Unternehmen wie Altana ist gerade wegen dieses Engagements für qualifizierte Nachwuchs- und Führungskräfte attraktiv.
Die Fragen stellte Carsten Knop.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,84 | −1,39% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2427 | −0,49% |
| Rohöl Brent Crude | 104,31 $ | −2,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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