Home
http://www.faz.net/-gqe-74k2k
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Chemie BASF investiert Rekordsumme in Ludwigshafen

Noch nie hat der Chemiekonzern BASF so viel Geld für ein einzelnes Projekt an seinem Stammsitz ausgegeben: Für eine Milliarde Euro wird eine neue Anlage zur Produktion der Chemikalie TDI gebaut.

© dpa BASF-Stammwerk in Ludwigshafen

Der Chemiekonzern BASF stärkt seinen Stammsitz in Ludwigshafen mit einer Rekordinvestition. Für eine Milliarde Euro baut das Unternehmen eine neue Anlage zur Herstellung einer Chemikalie, die zu Endprodukten wie Sitzpolstern und Matratzenschaum weiterverarbeitet werden kann. Die wichtigsten Abnehmer dieser Produkte sind Unternehmen aus der Auto- und Möbelbranche. Seit der Gründung im Jahr 1865 hat BASF nach eigenen Angaben noch nie so viel Geld für eine Einzelinvestition in Ludwigshafen ausgegeben.

Sebastian Balzter Folgen:

Die Anlage soll Ende 2014 in Betrieb genommen werden und künftig bis zu 300.000 Tonnen TDI (Toluoldiisocyanat) im Jahr produzieren, mehr als jede andere ihrer Art in Europa. Der Leverkusener Wettbewerber Bayer hat in Dormagen zwar schon den Bau einer Anlage derselben Größenordnung begonnen, veranschlagt dafür wegen eines anderen Projektzuschnitts aber deutlich geringere Investitionskosten.

Im Gegenzug soll die TDI-Fertigung in Brandenburg geschlossen werden

Die Nachfrage nach TDI ist nach Auskunft der BASF SE in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Branchenbeobachter rechnen damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird; bis 2020 rechnen sie für Europa, Afrika und den Nahen Osten, die Zielmärkte der deutschen TDI-Produktion, mit jährlichen Steigerungsraten von 5,5 Prozent. Außer Bayer hat auch der ungarische Hersteller Borsodchem auf diese Entwicklung jüngst mit dem Bau von zwei neuen Produktionsstätten reagiert, die zusammen eine Kapazität von knapp 300.000 Tonnen erreichen könnten. Die ebenso hohe Kapazität der neuen Fertigungsstätte von BASF allein wird nach Angaben des Verbands der Chemischen Industrie etwa der Hälfte der 2011 in Deutschland hergestellten Menge TDI entsprechen. Eine Konsolidierung zulasten kleinerer Hersteller und Anlagen halten Beobachter angesichts der Ausbaupläne mittelfristig für unausweichlich.

BASF, der mit einem Umsatz von 73,5 Milliarden Euro größte Chemiekonzern der Welt, sieht sich jedoch als europäischen Kostenführer in der TDI-Produktion - und deshalb auch für diese mögliche Entwicklung gut gerüstet. Tatsächlich gehört zu der Investition schon eine interne Konsolidierung: Im Gegenzug soll die TDI-Fertigung von BASF in Schwarzheide in Brandenburg geschlossen werden. Dort werden zurzeit rund 80.000 Tonnen im Jahr hergestellt. Außerdem stellt der Konzern die Chemikalie auch in Geismar im amerikanischen Bundesstaat Louisiana sowie in zwei Werken in China und Südkorea her. Die Entscheidung zum Bau der neuen Anlage in Ludwigshafen war schon im Januar gefallen; intern war zuvor der BASF-Standort Antwerpen der schärfste Konkurrent des Stammwerks gewesen. Um wie viel es in dem Wettbewerb der beiden Standorte gegangen ist, belegt ein Blick in die Bilanz des Konzerns: Die nun vorgesehene Investitionssumme entspricht allein knapp einem Zehntel aller Investitionskosten, die der Konzern zwischen 2006 und 2010 insgesamt getätigt hat.

Mehr zum Thema

Die hochgiftige Chemikalie TDI selbst gehört zu den Grund- und Zwischenprodukten, die im vergangenen Jahr rund 18 Prozent zum Gesamtumsatz von BASF beitrugen; die aus TDI hergestellten Weichschäume aus Polyurethan hingegen fallen in das näher an den Industriekunden orientierte Geschäftsfeld Plastics, in dem 15 Prozent der Konzernerlöse erzielt werden. Während der jüngste Quartalsbericht für die meisten Grund- und Zwischenstoffe auf sinkende Margen verweist, heißt es über das Polyurethan-Geschäft, sowohl die Absatzmengen als auch die Verkaufspreise seien gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresquartal wird für diesen Bereich ein kräftiger Umsatzanstieg von 12 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro ausgewiesen.

„Der Bau an unserem größten Verbundstandort bietet uns die Vorteile exzellenter Produktionssynergien, der Integration von Rohstoffen und einer hervorragenden Logistik“, begründet Wayne Smith, der für das Polyurethan-Geschäft verantwortliche BASF-Manager, die Entscheidung für Ludwigshafen. Die dort rund um die TDI-Fertigung genutzte Wertschöpfungskette reicht von der Herstellung und Reinigung von Vorprodukten wie Salpetersäure, Chlor und Synthesegas bis zur Weichschaum-Fertigung.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Explosionsunglück in Tianjin 23 Verantwortliche festgenommen

Noch immer werden Menschen unter den Trümmer im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin vermisst. Die Untersuchungen haben Vetternwirtschaft und Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften enthüllt.  Mehr

27.08.2015, 05:52 Uhr | Gesellschaft
Unternehmen Deutschland attraktiv für Brasiliens Firmen

Brasilianische Unternehmen in Deutschland gehören noch zu einer Minderheit. Aber die Zahl steigt. Eines von ihnen ist der Chemiekonzern Braskem, dem Weltmarktführer für bio-basierte Kunststoffe. Mehr

21.08.2015, 10:43 Uhr | Wirtschaft
Trockene Zukunft? Wasser marsch!

Dürre in Kalifornien, in Spanien, in Brasilien. Das Wasser wird knapp, heißt es. Wirklich? Eigentlich gibt es genug zu trinken für alle. Denn Wasser ist nicht knapp, es ist nur anders verteilt als früher. Mehr Von Jan Grossarth

22.08.2015, 13:52 Uhr | Wirtschaft
High-Tech am Strand Ein Bikini, der vor Sonnenbrand warnt

Eine Firma aus Mülhausen im ostfranzösischen Elsass fertigt Bikinis, die vor Sonnenbrand warnen. Wasserdichte Mini-Sensoren messen die UV-Strahlung und senden die Informationen an Smartphone oder Tablet. So wird die Trägerin gewarnt, wenn neue Sonnencreme fällig ist – oder es gar Zeit ist, die Sonne ganz zu meiden. Mehr

12.06.2015, 16:02 Uhr | Technik-Motor
Neuer Kunststoffkonzern Aus Bayer-Kreuz wird Covestro-Kreis

Die Kunststoffsparte des Bayer-Konzerns macht den ersten Schritt in die Unabhängigkeit. Bayer plant nun den Börsengang der Tochtergesellschaft. Mehr Von Brigitte Koch, Düsseldorf

01.09.2015, 16:49 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 23.11.2012, 18:19 Uhr

Corbyns Zeitmaschine

Von Marcus Theurer, London

Weil bei vielen Briten der Boom nicht ankommt, verfängt die populistische Linksruck-Agenda des Sozialisten Corbyn. Seine Erfolg ist Resultat einer Politik, die zu viele Menschen abhängt. Mehr 5 1

Umfrage

Wolfgang Schäuble will das Betreuungsgeld nicht in die Kitas stecken. Was meinen Sie?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Deutsche Start-ups wollen in Deutschland verkaufen

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründet, will selten auf den Weltmarkt. Einige machen das sogar nur für die Region, in der sie wohnen. Mehr 0