23.06.2010 · Der Chemiekonzern BASF übernimmt den Spezialchemieanbieter Cognis, der früher zu Henkel gehörte, für 3,1 Milliarden Euro. Für BASF ist dies eine weitere Gelegenheit, sich unabhängiger von der Konjunktur zu machen.
Der größte Chemiekonzern der Welt, die BASF SE aus Ludwigshafen, übernimmt das Monheimer Spezialchemieunternehmen Cognis. Der weltgrößte Chemiekonzern legt für den deutlich kleineren Konkurrenten aus Monheim bei Köln inklusive Schulden 3,1 Milliarden Euro auf den Tisch. Der Kaufpreis für das Eigenkapital liege bei 700 Millionen Euro, teilte BASF am Mittwoch in Ludwigshafen mit. Der Kauf von den bisherigen Cognis-Eigentümern, den Beteiligungsgesellschaften Permira, Goldman Sachs und SV Life Sciences, soll spätestens bis November abgeschlossen werden.
„Mit dem Erwerb von Cognis stärken wir unser Portfolio mit konjunkturrobusten und ertragsstarken Geschäften und bauen unsere Position als das weltweit führende Chemieunternehmen weiter aus“, erklärte BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Der Konzern baut mit dem Zukauf insbesondere sein Spezialchemiegeschäft aus, das höhere Margen abwirft als Massenchemikalien.
Erst im vergangenen Jahr hatte BASF die Übernahme des Schweizer Spezialchemiekonzerns Ciba für umgerechnet rund 3,8 Milliarden Euro abgeschlossen. Auch Konkurrenten wie der amerikanischen Chemieriese Dow Chemical haben zuletzt ihr Spezialchemiegeschäft durch Zukäufe ausgebaut. Der Zukauf dient dem Ziel der BASF, den Geschäftsschwerpunkt weg von der Massenchemie und stärker auf das Angebot von höherwertigen Spezialitäten zu verlagern.
Grundidee schon vor vier Jahren
Diese Grundidee begann der Konzern schon vor vier Jahren umzusetzen. 2006 erwarb er vom Evonik-Konzern das Degussa-Bauchemiegeschäft für 2,8 Milliarden Euro, kurz darauf den amerikanischen Katalysatorenhersteller Engelhard für 4,4 Milliarden Euro und 2008 den Schweizer Spezialchemiekonzern Ciba für 3,8 Milliarden Euro. Aus der Spezialchemie kommt inzwischen etwa ein Drittel des BASF-Umsatzes. Allerdings konnten die Zukäufe nicht verhindern, dass der Konzern 2009 wegen der Wirtschaftskrise einen Umsatzrückgang von etwa einem Fünftel auf 50 Milliarden Euro erlitt. Inzwischen deutet aber vieles darauf hin, dass die BASF auf gutem Wege aus der Krise ist. Langfristig will der Konzern auch durch Übernahmen stark wachsen. Der Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht nannte kürzlich vor Investoren eine Spannbreite von 90 bis 100 Milliarden Umsatz für das Jahr 2020.
Cognis war bis Ende 2001 Tochtergesellschaft des Henkel-Konzerns, die die einzelnen Konzerngesellschaften mit Vorprodukten für die Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie von Kosmetik und Körperpflege belieferte. Im Rahmen der Konzentration auf drei Kerngeschäfte verkaufte der Düsseldorfer Konzern die Spezialchemie an die Finanzinvestoren Permira, Goldman Sachs Capital Partners und SV Life Sciences (vormals Schroder Ventures). Zur Finanzierung wurde dem in Monheim ansässigen Unternehmen damals eine hohe Schuldenlast aufgebürdet, unter der die Jahresergebnisse trotz Umschuldungsmaßnahmen lange Zeit erheblich gelitten haben. Noch heute ist die Nettoverschuldung mit zuletzt rund 1,9 Milliarden Euro sehr hoch.
Spezialchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen
Cognis ist heute ein Unternehmen der „grünen Chemie“. So produziert die Gruppe in hohem Maße Spezialchemikalien aus nachwachsenden Rohstoffen und setzt stark auf den Trend zur Nachhaltigkeit. Zum Kerngeschäft zählen Vorprodukte für die Kosmetikindustrie sowie die Nahrungsmittel- und Gesundheitsbranche. Zum Portfolio gehören zudem Produkte, die eine effiziente und umweltverträgliche Produktion von Farben oder Pflanzenschutzmitteln ermöglichen. Als besonders gut positioniert – auch in der Forschung und Entwicklung – gilt Cognis im Bereich der Spezialitäten für die Pflege (Care Chemicals). Das Cognis-Management hat den Konzern in den zurückliegenden Jahren stark fokussiert. So wurden die Aktivitäten im Bereich Oleo-Chemie, die Prozesschemie oder die Textil- und Lederchemie verkauft. Im Jahr 2009 hat Cognis bei einem Umsatzrückgang um knapp 20 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro einen Überschuss von 25 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Fehlbetrag von 49 Millionen Euro ausweisen müssen. Der Start in das neue Geschäftsjahr ist gut ausgefallen. Im ersten Quartal wurde das beste operative Quartalsergebnis der Unternehmensgeschichte erwirtschaftet.
An der zu den führenden Unternehmen der Spezialchemie gehörenden Gruppe hatten neben BASF auch andere Unternehmen Interesse gezeigt, darunter der amerikanische Konzern Lubrizol oder die Evonik AG. Im Umfeld des Essener Mischkonzerns, zu dem unter anderem das Geschäft der ehemaligen Degussa gehört, galt die Kaufpreisforderung insbesondere angesichts der schlechten Kapitalstruktur als bei weitem zu hoch. Das Cognis-Management hat sich bis zuletzt auch einen Börsengang offengehalten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,94 | −1,31% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2429 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,42 $ | −2,27% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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