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Chef zurückgetreten Staatsbank KFW stützt Mittelstandsbank IKB

30.07.2007 ·  Die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt erfasst eine große deutsche Bank und zwar die IKB. Jetzt springt die staatliche KFW ein, schickt einen Krisenmanager und kommt für die Risiken auf. Auch die Bankenaufsicht ist alarmiert.

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Die Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten hat jetzt auch eine große deutsche Bank getroffen. Die IKB Deutsche Industriebank AG nahm wegen Turbulenzen eines von ihr verwalteten amerikanischen Fonds „Rhineland Funding“ die Gewinnprognose für das Gesamtjahr zurück und trennte sich von ihrem Vorstandssprecher Stefan Ortseifen. Die staatliche Förderbank KfW als Hauptaktionär der IKB sagte der Bank finanzielle Hilfe zu.

Ortseifen war im Vorstand der IKB auch für Immobilien und Verbriefungen zuständig. Er habe die Bank „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ verlassen. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde KFW-Vorstandsmitglied Günther Bräunig ernannt. Die IKB in Düsseldorf ist eigentlich auf die Finanzierung des deutschen Mittelstands spezialisiert.

KFW schirmt alle Amerika-Risiken ab

Die KFW sagte der Düsseldorfer Bank zu, die Risiken aus dem amerikanischen Engagement abzuschirmen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die die Situation bei der IKB gemeinsam mit der KFW analysiert hatte, erklärte: „Dadurch wird sichergestellt, dass es nicht zu Marktverwerfungen oder negativen Folgen für das Bankensystem kommt.“

Nach Ansicht von Ratingagenturen dürften weitere deutsche Banken von der Krise verschont bleiben. „Die meisten deutschen Institute sind gut aufgestellt und können mit einer Krise, die sich nicht dramatisch ausweitet, umgehen“, sagte Thomas von Lüpke, Experte bei der Ratingagentur Fitch.

IKB-Kurs bricht ein

Die Agentur Standard & Poor's (S&P) teilte mit, sie habe in einer Umfrage zum Subprime-Geschäft bei deutschen Großbanken keinen Grund zur Sorge feststellen können. „Wir sehen keinen signifikanten Einfluss auf die großen deutschen Institute durch die Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt“, sagte S&P-Bankanalyst Stefan Best. In den Vereinigten Staaten ist der Immobilienmarkt, ausgehend vom Bereich der Finanzierung für Käufer mit schwacher Bonität (Subprime), von einer heftigen Krise erfasst worden.

Der Aktienkurs der im Nebenwerte-Index M-Dax gelisteten IKB brach am Montag vormittag stark ein. Zeitweise verlor die Aktie rund 17 Prozent auf 17,82 Euro. Nach Bekanntgabe der KFW-Zusage hat sich der IKB-Kurs bei einem Minus von knapp 4 Prozent stabilisiert (siehe dazu auch: Abwärtstrend der IKB-Aktie dürfte sich beschleunigen ).

Die IKB hat wegen der Krise am amerikanischen Immobilienmarkt auch die Ergebnisprognose für das laufende Jahr stark gesenkt. Die bisherige Ergebnisprognose für das im März endende Geschäftsjahr 2007/2008 werde aus heutiger Sicht „deutlich niedriger ausfallen“, teilte IKB in der Nacht zum Montag überraschend mit. Das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 endet am 31. März 2008.

Spärliche Erklärungen

Erst vor wenigen Tagen hatte die IKB ihre operative Gewinnprognose von 280 Millionen Euro noch bekräftigt
und die Risiken aus dem Engagement in den Vereinigten Staaten als gering eingestuft. Zur Höhe der nun erwarteten Belastungen machte die Bank keine Angaben. Auch zum Ausscheiden des seit 2004 an der Spitze der Bank stehenden Vorstandssprechers Ortseifen gab es keine Erklärung.

Das operative Ergebnis werde im Geschäftsjahr 2007/2008 niedriger ausfallen als die bisher erwarteten 280 (Vorjahr: 263) Millionen Euro, teilte das börsennotierte Institut am Montag in Düsseldorf mit. Die staatliche Förderbank KfW hält 38 Prozent an der IKB.

Bonität in Frage gestellt

„Die Krise des amerikanischen Hypothekenmarktes im Subprime-Bereich hat sich auf die IKB ausgewirkt. Die heftigen Reaktionen der letzten Woche haben zu einer deutlichen Ausweitung der Spreads geführt und zu einer großen Verunsicherung institutioneller Investoren beigetragen“, teilte die Bank mit. „Die Refinanzierung des von der IKB gemanagten Conduits Rhineland Funding erschien gefährdet, und die IKB lief Gefahr, aus ihren Liquiditätslinien für Rhineland Funding in Anspruch genommen zu werden.“

Der von der IKB verwaltete Fonds „Rhineland Funding“ und die Bank selbst sind in den Vereinigten Staaten im so genannten Subprime-Markt schwach besicherter Immobilienkredite engagiert. Seit geraumer Zeit häufen sich dort die Kreditausfälle, was bereits einige amerikanische Banken in Schwierigkeiten gebracht hat.

12,7 Milliarden Euro im „Rhineland Funding“

Die IKB erklärte, bei ihr habe es Bewertungsabschläge sowie „wenige Kreditausfällen und nur einige Ratingverschlechterungen“ gegeben. „Dennoch hat das Engagement der IKB dazu geführt, dass ihre Bonität vor dem letzten Wochenende in Frage gestellt wurde und zu befürchten war, dass sich die Vertrauenskrise weiter verschärfen würde“, erklärte die Bank. Das Investmentvolumen von „Rhineland Funding“ betrug zum 31. März nach Angaben der IKB 12,7 Milliarden Euro.

„Rhineland Funding“ und in geringerem Maße auch die IKB selbst seien in strukturierten Portfolioinvestments engagiert, zu denen auch amerikanische Immobilienkredite aus dem Subprime-Bereich gehörten. „Bisher gab es zwar Bewertungsabschläge, aber nur wenige Kreditausfälle und nur einige Ratingverschlechterungen bei den Portfolioinvestments. Dennoch hat das Engagement der IKB dazu geführt, dass ihre Bonität vor dem letzten Wochenende in Frage gestellt wurde und zu befürchten war, dass sich die Vertrauenskrise weiter verschärfen würde“, erklärte die IKB.

„Richtig schlechte Nachrichten“

Die KfW habe unmittelbar reagiert und werde mit Wirkung zum 30. Juli in die Liquiditätslinien gegenüber von der Krise betroffenen Geschäftsbereiche der IKB eintreten, teilte die Bank mit. Die KFW hatte sich an der IKB unter dem damaligen Vorstandssprecher Hans Reich beteiligt. Begründet wurde dies damit, dass sowohl die IKB wie auch die KFW stark in der Finanzierung des deutschen Mittelstands engagiert seien. Allerdings wurde damals schon kritisiert, dass die staatliche Bank KFW ihre Beteiligungen auf den privaten Bankensektor ausweitet.

Die Gewinnwarnung der IKB ist einer ersten Analysteneinschätzung zufolge eine sehr negative Überraschung . „Die IKB hat erst vor zehn Tagen Zahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt und Sorgen über eine Auswirkung der amerikanischen Immobilienkrise zerstreut“, sagte ein Finanzfachmann am Montagmorgen. Daher wirke nun eine Gewinnwarnung aufgrund der Immobilienkrise sehr befremdlich. „Das sind richtig schlechte Nachrichten“, so sein Fazit.

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Von Heike Göbel

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