13.05.2005 · Das Luftfahrt-Bundesamt hat der türkischen Charterfluggesellschaft Onur Air wegen Sicherheitsmängeln mit sofortiger Wirkung die Flugerlaubnis entzogen. Jetzt warten in der Türkei auch Tausende deutsche Touristen auf den Heimflug.
Das Luftfahrt-Bundesamt hat der türkischen Charterfluggesellschaft Onur Air wegen Sicherheitsmängeln mit sofortiger Wirkung die Flugerlaubnis entzogen. Wie eine Sprecherin der Behörde am Freitagmorgen in Braunschweig sagte, gilt das Einflugverbot nach Deutschland unbefristet.
Konkretere Angaben zu den festgestellten Sicherheitsmängeln wollte sie zunächst nicht machen. Neben Deutschland haben bisher auch die Niederlande ein Flugverbot für Onur Air verhängt.
„Wir informieren uns gegenseitig über Mängel“
Onur Air ist einer der großen Charteranbieter in der Türkei. In Deutschland fliegt das Unternehmen praktisch alle großen Verkehrsflughäfen an: Auf der Website des Unternehmens werden Hamburg, Berlin, Hannover, Münster, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart, München, Leipzig und Dresden genannt.
Auf die Frage, ob es sich um ein abgestimmtes Vorgehen der Luftfahrt-Behörden in Europa handele, sagte die Sprecherin des Braunschweiger Bundesamtes, diese tauschten über eine zentrale Datenbank die Ergebnisse ihrer Kontrollen aus. „Wir informieren uns gegenseitig über festgestellte Mängel“, sagte sie. Nach Angaben der Sprecherin ist es relativ selten, daß ganzen Gesellschaften die Flugerlaubnis entzogen werde. Es komme häufiger vor, daß für einzelne Flugzeuge ein Verbot ausgesprochen werde.
Onur-Air: „chauvinistische Haltung der deutschen Behörden“
Die türkische Charterfluggesellschaft hat die gegen sie ausgesprochenen Flugverbote scharf kritisiert und will diesbezüglich rechtliche Schritte einleiten. „Wir glauben, daß die Verbote politisch und wirtschaftlich motiviert sind“, sagte Onur-Sprecher Rauf Gerz am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in Istanbul. Er sprach von einer „chauvinistischen“ Haltung der Behörden in Deutschland und den Niederlanden.
Derweil suchen die deutschen Reisenveranstalter nach Ersatzflügen für Tausende Urlauber, die mit Onur in die Türkei gereist sind. „Für heute ist das Problem gelöst“, hieß es bei dem Düsseldorfer Reiseanbieter Demed an diesem Freitag. Auch beim Veranstalter Nazar müssen hunderte Gäste von und aus der Türkei umgebucht werden. Teilweise werden die Passagiere mit Bussen zu anderen Flughäfen gebracht, um von dort aus möglichst zeitnah ihre Reise anzutreten. Bei Demed sind nach eigenen Angaben sämtliche Passagiere der Flüge von Dortmund, Düsseldorf, Erfurt, Berlin-Schönefeld und Tegel nach Antalya und zurück auf andere Gesellschaften umgebucht.
Noch Umbuchungen fürs Pfingstwochenende
Am Pfingstwochenende müssen demnach bei Demed noch rund 900 Fluggäste umgebucht werden. Für alle könnten Ersatzflüge bereitgestellt werden. Jedoch könne es dabei zu Flugzeitenänderungen kommen. An einer Lösung für später mit Onur Air geplante Abflüge werde noch gearbeitet.
Auch die Veranstalter des Thomas-Cook-Konzerns kümmern sich um Ersatzflüge: „Insgesamt sind kurzfristig bis Dienstag 630 Gäste auf zwölf Flügen von Deutschland in die Türkei oder zurück betroffen“, sagte ein Thomas-Cook-Sprecher in Oberursel (Hessen). Die Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht, was im Monat Mai kein Problem sei. Die weitere Entwicklung der Onur Air werde man dann abwarten.
Die zur TUI gehörende Fluggesellschaft Hapagfly hat bereits den Flugplan umgestellt. Am diesem Freitagabend startet ein Flug von Frankfurt am Main nach Antalya, sagte TUI-Sprecher Robin Zimmermann in Hannover. Außerdem führe das Unternehmen Gespräche mit anderen Reiseveranstaltern, um für deren Gäste ebenfalls heute Abend einen Flug von Stuttgart nach Antalya anzubieten. TUI-Gäste seien vom Landeverbot für Onur Air nicht betroffen. Jedoch werde normalerweise ein „kleinerer Teil“ des Antalya-Programms der TUI-Marke 1-2-Fly mit Onur Air abgedeckt.
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