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Carsharing-Anbieter Drive Now : BMW und Sixt in der Sackgasse

Drive Now ist mit 815.000 Kunden der größte Mobilitätsdienstleister für Kurzzeitmieten. Bild: dapd

Drive Now gilt als führender deutscher Carsharing-Anbieter. Eine weitere Expansion ist jedoch fraglich. Ein Streit droht die Eigentümer Sixt und BMW zu entzweien.

          Helsinki ist der nächste Standort von Drive Now. Auf der europäischen Landkarte des führenden deutschen Carsharing-Anbieters markieren die Fähnchen schon Brüssel, London, Wien, Kopenhagen, Stockholm und Mailand. Viele weitere Städte sollen hinzukommen. Aber die geplante Expansion wird überschattet von einem Zwist der beiden Eigentümer Sixt und BMW.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Münchner Autovermieter und der Münchner Autohersteller haben Drive Now 2011 gegründet und zum größten Mobilitätsdienstleister für Kurzzeitmieten mit heute 815.000 registrierten Kunden aufgebaut. Vor Monaten wurden jedoch Gespräche zwischen BMW und Daimler bekannt. Demnach könnte Drive Now mit Car2Go, dem Dienst von Daimler, fusioniert werden. Nach Informationen dieser Zeitung ist geplant, beide Marken zu erhalten und nur das sogenannte Backend, also das operative Geschäft für die Kurzzeit-Verleihe samt der IT-Technik zusammenzulegen. In der Branche wird damit gerechnet, dass BMW und Daimler fest entschlossen sind, gemeinsame Sache zu machen. Dafür müsste BMW jedoch den alten Kooperationspartner loswerden.

          Nun besitzt Sixt allerdings dieselben Rechte wie BMW und hält auch 50 Prozent der Anteile an Drive Now. „Ohne Zustimmung von Sixt ändert sich bei Drive Now nichts“, verlautet selbstbewusst aus der Zentrale in Pullach. Von den BMW-Plänen will Sixt nichts wissen, schon gar nicht sei ein Kaufangebot für die Drive-Now-Beteiligung unterbreitet worden. BMW will sich auf Anfrage nicht äußern. Weder gibt es ein Dementi noch ein klares Bekenntnis zu der Allianz mit Sixt.

          Die Autowelt verändert sich

          Aber die Autowelt verändert sich. Ob Daimler oder BMW, die Autohersteller wandeln sich in digitale Mobilitätsdienstleister, weil sie wissen, dass sie sich künftig nicht mehr allein am Verkauf von Fahrzeugen messen lassen müssen, sondern an der Zahl der Kilometer, die ein Kunde darin zurückgelegt hat. Deshalb bieten sie Mitfahrgelegenheiten an, deshalb wird auch das Vermietgeschäft immer wichtiger.

          Vor Wochen erläuterte Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer, der bei BMW auch für Drive Now verantwortlich ist, gegenüber dieser Zeitung, wie das Geschäft mit neuen Mobilitätsdienstleistungen ausgebaut werden soll. Für BMW bieten sich seiner Meinung nach neue Geschäftsmöglichkeiten: „Künftig können wir Premiummobilität im Minutentakt anbieten. Damit erschließt sich uns als Premiumhersteller eine neue Kundschaft, die sich keinen BMW leisten wollte.“

          Vernetzte Fahrzeuge sind Teil der Strategie

          Vernetzte Autos, die der Kunde nicht mehr kaufen muss, sondern auch auf Tastendruck mieten kann, sind Teil dieser Strategie. Und Kooperationen sind es ebenfalls. BMW ist darin geübt. Im Herbst 2015 kauften der Hersteller gemeinsam mit den Konkurrenten Daimler und Audi den digitalen Kartenanbieter Here für fast drei Milliarden Euro.

          Im vergangenen Jahr vereinbarte er eine Kooperation mit dem amerikanischen Chipkonzern Intel und dem israelischen Kameraspezialisten Mobileye, um selbstfahrende Autos zu entwickeln. Und jetzt könnte also Daimler der größere und international breiter aufgestellte Partner der Wahl sein, um die Car-Sharing-Flotten von Drive Now und Car2Go in die Metropolen der Welt zu bringen.

          Sixt ist nicht auf BMW angewiesen

          Schon als es um den Markteintritt in den Vereinigten Staaten ging, war Sixt nicht mit an Bord. BMW schickte vielmehr unter der neuen Marke Reach Now Mietautos nach Brooklyn, Seattle und Portland. Die Flotten, in denen vor allem Limousinen der Dreier-Reihe sowie des elektrischen BMW i3 bequem über das Smartphone gebucht werden können, sollen weiter ausgebaut werden, erklärte der Konzern.

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          Auch Sixt ist nicht auf BMW angewiesen. Die Pläne, noch stärker als markenunabhängiger Anbieter in das Autoleasing und damit in das Geschäft der Autohersteller vorzudringen, treibt Sixt ebenfalls mit neuen Partnern voran. Gemeinsam mit dem Digitalunternehmen United Internet und dessen Marke 1&1 will Sixt jetzt eine Auto-Flatrate anbieten. Für mindestens zwölf und maximal 30 Monate stellt die Tochtergesellschaft Sixt Leasing den Kunden einen Peugeot 208 zur Verfügung – inklusive Überführung, Versicherung, Steuern, Service und Anmeldung. Jeder Kunde kann den Kleinwagen gemeinsam mit einem neuen Mobilfunkvertrag bei 1&1 abschließen, und zwar für 99 Euro monatlich.

          Drive Now in einer unbequemen Situation

          Das Gemeinschaftsunternehmen Drive Now ist mit den Ambitionen von BMW und Daimler in eine unbequeme Situation manövriert worden. Eine fortgeführte gemeinsame Expansion, die Investitionen in deutlich zweistelliger Millionenhöhe erfordern würde, ist nur noch schwer vorstellbar. Der Joint-Venture-Vertrag ist zeitlich unbegrenzt. Zweispurig kann BMW nicht fahren: Mit der in Amerika getesteten Reach-Now-Flotte kann BMW nicht nach Europa kommen; das verbietet die Wettbewerbsklausel.

          Sixt will seinen Drive-Now-Anteil wiederum nicht verkaufen, zu wichtig ist dem Autovermieter dieses neue, stetig wachsende Geschäft. In einer aktuellen Studie hat das Beratungsunternehmen McKinsey das Potential neuer Mobilitätsdienste 2030 auf mehr als 2 Billionen Dollar geschätzt. Das entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum um 28 Prozent. Im vergangenen Jahr machten die Carsharing-Erlöse einschließlich Taxi- und Transportdiensten bereits 53 Milliarden Dollar in aller Welt aus.

          Solche Chancen wird Sixt nicht einfach aufgeben. Sollte es dennoch zu einer gütlichen Trennung kommen, müsste Sixt die Dienstleistungen und die technologische Plattform BMW weiterhin für eine festgelegte Zeit zur Verfügung stellen. Und Sixt müsste eine eigene Carsharing-Flotte aufbauen. Am Ende wird es wohl um Geld gehen.

          Schon vor drei Jahren haben Analysten des Investmenthauses Warburg den Sixt-Anteil an Drive Now auf etwa 180 Millionen Euro geschätzt, das gesamte Unternehmen folglich auf 360 Millionen Euro. Heute dürfte Drive Now ein Mehrfaches wert sein. BMW kann sich das gewiss leisten. Konzernpatriarch Erich Sixt, der das Carsharinggeschäft seinem Sohn Alexander übertragen hat, ist allerdings nicht dafür bekannt, vor großen Namen zurückzuschrecken. Allenfalls zu einem exorbitant hohen Preis würde Sixt sich auszahlen lassen, wird in der Autobranche vermutet.

          Quelle: F.A.Z.

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