08.09.2009 · Mit seiner rauen Art, seinen rigorosen Sparplänen und seinen Vollstreckerqualitäten hat sich der Cadbury-Vorstandsvorsitzende Todd Stitzer schon viele Widersacher gemacht. Nun stemmt er sich gegen einen Verkauf des britischen Konzerns an Kraft Foods.
Von Ulrich FrieseUm seinen Ruf in der britischen Öffentlichkeit ist Todd Stitzer nicht zu beneiden. Zwar gehört der 57 Jahre alte Amerikaner, der seit Mai 2003 den britischen Süßwarenhersteller Cadbury Schweppes führt, zu den dienstältesten Vorstandsvorsitzenden des Landes. Mit zunehmender Dienstzeit an der Konzernspitze, so scheint es, vergrößerte sich aber auch die Zahl seiner Widersacher. Gewerkschaften und Teile der britischen Belegschaft brachte Stitzer gleich nach seinem Amtsantritt in der Londonder Zentrale am Berkeley Square gegen sich auf, weil er den Kauf des amerikanischen Kaugummi-Herstellers Adams zum Anlass nahm, ein rigoroses Sparprogramm durchzuziehen.
„Wenn wir mit internationalen Markenartiklern wie Coca-Cola, Pepsi, Nestlé oder Wrigley's wirklich mithalten wollen“, lautete das Credo des raubeinig wirkenden Konzernaufsteigers, „müssen wir Arbeitsabläufe straffen und unser Geschäft endlich auf Rendite trimmen“. Mit der Umsetzung seines Sparplans fackelte Stitzer nicht lange: Gegen interne Widerstände kappte er die Zahl der weltweiten Beschäftigten um 5500 und machte 27 der 133 Werksstandorte dicht.
Gewiefter Stratege und hemdsärmeliger Macher
Nicht nur die Hitzköpfe im britischen Gewerkschaftslager, sondern auch langjährige Mitarbeiter beschrieben die forsche Auslese ihres Dienstherren als einen „Tabubruch“, der in dem von der religiösen Cadbury-Familie gegründeten und geführten Unternehmen bis dahin undenkbar war. Trotz aller Anfeindungen im Konzern durfte Stitzer auf den bedingungslosen Rückhalt seines Förderers und Amtsvorgängers John Sunderland vertrauen. Der langjährige Chef des Verwaltungsrates (Chairman) von Cadbury gilt als enger Vertrauter der Gründerfamilie und setzte während seiner sechsjährigen Dienstzeit als Vorstandsvorsitzender auf eine stramme Expansion. Die Integration der mehr als 20 Zukäufe, die der britische Markenartikler allein seit 2000 tätigte, vernachlässigte der betulich wirkende Doyen jedoch sträflich. Statt dessen fädelte Sunderland frühzeitig die Amtsübergabe an einen Nachfolger ein, der die höchst unangenehmen Aufräumarbeiten für ihn erledigen musste.
Stitzer war für diese Position die Idealbesetzung. Der versierte Jurist mit Harvard-Diplom ist seit dem Abschluss seines Studiums im Cadbury-Konzern tätig. Während dieser Zeit bewährte er sich auf diversen Posten im In- und Ausland als gewiefter Stratege und hemdsärmeliger Macher. Seine Qualitäten als Vollstrecker stellte Stitzer nicht nur mit dem jüngsten Sparprogramm, sondern auch im Schlagabtausch mit dem rebellischen Investor Nelson Peltz unter Beweis. Der amerikanische Milliardär, der am britischen Hersteller seit Mitte 2007 mit rund 4,5 Prozent beteiligt ist, beschimpfte seinen Landsmann als „Zauderer“ und „Wertvernichter“. Gleichzeitig setzte Peltz die Cadbury-Führung mit der Forderung unter Druck, durch einen radikalen Strategiewechsel endlich die Ertragskraft und den Börsenwert des Konzerns zu steigern.
„Ich bin süchtig nach Adrenalin“
Stitzer reagierte auf die Anwürfe aus dem Aktionärslager kühl und präsentierte kurz danach ein Strategiepapier, das eine Zerschlagung des vor 40 Jahren geformten Cadbury-Schweppes-Konzerns vorsah. Im Zuge des radikalen Umbaus gingen aus den intern ohnehin getrennt geführten Schokoladen- und Getränkesparten zwei eigenständig operierende Unternehmen hervor: Während der britische Süßwarenhersteller mit seinen Hauptmarken Cadbury und Dairy Milk seitdem an der Londoner Börse notiert wird, ist die Getränkegruppe Dr Pepper Snapple Group an der New Yorker Börse zu finden.
Seit dem radikalen Schnitt gelten beide Konzernteile als Übernahmekandidaten, auch wenn Stitzer sich bis heute als „Akteur und nicht Objekt“ bei der überfälligen Konsolidierung im weltweiten Konsumgütergeschäft sieht. Die Fakten widerlegen ihn. Für den Kauf der auf rund 8 Milliarden Euro veranschlagten Getränkesparte hatten sich im vergangenen Jahr branchenfremde Investoren interessiert. Die Transaktion scheiterte jedoch, weil im Zuge der Finanzkrise die dafür nötigen Bankkredite fehlten.
Jetzt steht für Cadbury mit Kraft Foods der zweitgrößte Nahrungsmittelhersteller der Welt als Käufer parat. Doch Stitzer will vom Ende seiner Amtszeit partout nichts wissen. „Ich bin süchtig nach Adrenalin und beweisen, dass ich diesen Job länger als jeder andere erfolgreich machen kann“, bekannte er in einem Interview.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,94 | −1,31% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2429 | −0,48% |
| Rohöl Brent Crude | 104,42 $ | −2,27% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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