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Bundesregierung „Die Dollar-Schwäche ist ein ernstes Problem bei Airbus“

23.11.2007 ·  Der Dollar wird schwächer und Airbus leidet. Vorstandschef Enders sprach von einer lebensbedrohlichen Situation. Auch die Bundesregierung glaubt, dass die Lage ernst werden könnte. Die Auftragssituation hingegen ist exzellent: Anscheinend hat winkt schon wieder die nächste Großbestellung aus China.

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Der Flugzeughersteller Airbus könnte auch nach Einschätzung der Bundesregierung wegen des schwachen Dollars in große Schwierigkeiten geraten. „Die Dollar-Schwäche ist ein ernstes Problem für Airbus, da in der Flugzeugbauindustrie in Dollar verkauft wird“, sagte der Luftfahrtkoordinator der Regierung, Peter Hintze, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. „Auch wenn man davon ausgehen kann, dass durch Währungskurssicherungsgeschäfte die Dollar-Schwäche im Moment noch nicht voll auf das Unternehmen durchschlägt, so können sich mittel- und langfristig beträchtliche Probleme ergeben“, fügte Hintze hinzu. Zuvor hatte Airbus-Chef Thomas Enders die Lage der EADS-Tochter sogar „lebensbedrohlich“ genannt.

Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium forderte eine rasche Entscheidung über den Verkauf der deutschen Airbus-Werke. „Was die Ausgliederung von Werkstandorten in Deutschland angeht, wäre es erfreulich, wenn alle Beteiligten noch in diesem Jahr Klarheit bekämen, wohin die Reise geht“, unterstrich Hintze. Zugleich appellierte der CDU-Politiker an die Airbus-Spitze, den Schulterschluss mit der Belegschaft zu suchen. „Die Führung des Unternehmens ist gut beraten, wenn sie bei allen notwendigen Maßnahmen zur Kosteneinsparung, zur Straffung der Produktion und zur Steigerung der Effizienz die Arbeitnehmerschaft mitnimmt“, betonte er. „Die Motivation der hoch qualifizierten Mitarbeiter ist ein wesentliches Kapital von Airbus und auch eine Voraussetzung dafür, dass die erfreuliche Zahl der Flugzeug-Verkäufe in zügige Produktion umgesetzt wird.“

Gewerkschaften kritisieren die Einschätzung von Enders

Konzernbetriebsrat und die IG Metall hatten zuvor der Einschätzung von Enders zur Lage des Konzerns widersprochen. Der Chef des Airbus- Konzernbetriebsrates, Rüdiger Lütjen, räumte zwar ein, dass der starke Euro das Unternehmen belaste, eine existenzielle Krise für das Unternehmen sehe er aber nicht. „Das Management soll nicht ständig neue Schlagzeilen produzieren, sondern die vorhandenen Probleme bei den Passagiermaschinen A 380 und A 350 sowie beim Transportflugzeug A 400M abarbeiten“, sagte er der „Berliner Zeitung“ (Freitag). Anstatt über die Verlagerung von Produktionskapazitäten in den Dollar-Raum nachzudenken, sollten die Manager über die Preise für die Flugzeuge nachdenken und nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen.

Auch die IG Metall Küste bezweifelte, dass weitere Sparmaßnahmen oder Produktionsverlagerungen die Probleme von Airbus lösen. „Wir haben einen hohen Auftragsbestand. Das Management hat bisher noch keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen vorgelegt, was ein Verkauf von Werken bringen soll“, sagte Gewerkschaftssprecher Daniel Friedrich der Zeitung. „Wir glauben nicht, dass man die Produktion einfach in den Dollar-Raum verschieben kann in einem Unternehmen, das mit Hilfe der europäischen Steuerzahler aufgebaut wurde.“

Enders: Lebensbedrohlich für den Konzern

Der schwache Kurs des amerikanischen Dollar gegenüber dem Euro bringt den europäischen Flugzeughersteller Airbus immer stärker in Bedrängnis. Vor deutschen Betriebsräten in Hamburg hatte Thomas Enders, der Vorstandsvorsitzende von Airbus, am Donnerstag die Folgen des enormen und schnellen Verfalls der Leitwährung auf dem Flugzeugmarkt sogar als für den Konzern lebensbedrohlich bezeichnet. Der Kurs habe mit 1,48 Dollar je Euro inzwischen die Schmerzgrenze überschritten, klagte Enders. Auch das Tempo der Abwertung lasse es derzeit nicht zu, „vernünftige Anpassprozesse“ zu entwickeln. Es dürfe deshalb keine Tabus beim weiteren Abbau der Kosten geben.

Enders deutete damit eine Verschärfung der Restrukturierungsanstrengungen an. Das gesamte Geschäftsmodell müsse „auf den Prüfstand“ gestellt werden. Es gehe um radikale Maßnahmen, alle großen Kostenblöcke müssten auf Kürzungsmöglichkeiten überprüft werden. Manche Produktverbesserungen würden „Blütenträume“ bleiben.

10.000 Arbeitsplätze werden laut „Power 8“ abgebaut

Dabei verfolgt Airbus schon heute ein Sanierungsprogramm mit dem Namen „Power 8“, um vor allem auf die hohen Zusatzkosten aufgrund der Verzögerung des Großraumflugzeugs A 380 zu reagieren. Das Programm sieht unter anderem den Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen in Zentralfunktionen wie der Verwaltung und dem Vertrieb sowie den Verkauf von sieben Werken vor. In Deutschland werden für die Werke in Varel, Laupheim und Nordenham Käufer oder Partner gesucht. Kalkulationsgrundlage für „Power 8“ ist ein Dollar-Kurs von 1,35 Euro. Inzwischen ist die Währungsrelation für Airbus aber deutlich ungünstiger.

Das Unternehmen produziert in Europa und muss die Kosten für die Herstellung seiner Produkte deshalb in Euro begleichen. Die Flugzeuge, die derzeit so stark nachgefragt werden wie nie zuvor, werden aber in Dollar bezahlt. Ein Sprecher von Airbus wies am Donnerstag nochmals darauf hin, dass ein um 10 Euro-Cent schwächerer Dollar-Kurs das operative Ergebnis des Mutterkonzerns EADS um 1 Milliarde Euro nach unten drückt. Dies gelte trotz der Kurssicherungsgeschäfte, die der Konzern für die Jahre 2007 und 2008 abgeschlossen hat. Für 2009 ist die Dollarposition des Konzerns nach den Angaben von EADS erst zum Teil abgesichert.

Alarmierender Ton

Schon vor zwei Wochen hatte der Vorstandsvorsitzende von EADS, Louis Gallois, anlässlich der Vorlage der jüngsten Zahlen des Konzerns eine verschärfte Sparaktion angekündigt. Gallois begründete dies aber nicht nur mit der Dollar-Schwäche, sondern auch mit den erheblichen Schwierigkeiten in der Produktion des Militärtransportflugzeugs A 400M (F.A.Z. vom 9. November). Er schloss in diesem Zusammenhang sogar einen zusätzlichen Personalabbau nicht aus, was von Branchenbeobachtern aber nicht als wesentliches Motiv von Enders' Worten in Hamburg vermutet wird.

Gleichwohl dürfte Enders mit seiner Rede in alarmierendem Ton deutsche Betriebsräte auf weitere Einschnitte vorbereitet haben und damit - wie immer bei dem von zahlreichen Staatsinteressen beeinflussten Unternehmen EADS - wohl auch die Regierungen in Deutschland und Frankreich. Enders sagte, ihm gehe es um die gesamte Wertschöpfungskette. Damit ist in diesem Fall auch die weitere Verlagerung von Fertigungsaufgaben an Zulieferer, das sogenannte Outsourcing, gemeint. Nachgedacht wird im Konzern offenbar auch über den Aufbau von Produktionstätten im Dollar-Währungsraum.

Exzellente Auftragslage

Der Dollarverfall trübt die Stimmung bei Airbus damit in Zeiten einer exzellenten Auftragslage: Der Besuch von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in China wird dem Flugzeugbauer laut einem Medienbericht einen Großauftrag bescheren. Peking wolle 100 bis 150 Airbus-Flugzeuge kaufen, berichtete die Wirtschaftszeitung „La Tribune“ am Freitag. Rund hundert Maschinen sollen dabei auf das Mittelstreckenmodell A320 für rund 150 Passagiere entfallen. Die chinesischen Airlines seien zudem an Langstreckenflugzeugen vom Typ
A330 interessiert. Neue Bestellungen für den Super-Airbus A380 werde es dagegen „trotz zahlreicher Gerüchte“ nicht geben.

Sarkozy reist am Sonntag erstmals seit seiner Wahl im Mai für drei Tage nach China. Er wird von 40 Wirtschaftsbossen begleitet, darunter auch Louis Gallois, Chef der Airbus-Mutter EADS. Die Pariser Wirtschaftszeitung „Les Echos“ berichtete, insgesamt könne die Wirtschaftsdelegation während des Sarkozy-Besuchs Aufträge im Wert von mindestens zehn Milliarden Euro abschließen.

Viele Bestellungen - kein Arbeitsplatzabbau

Auf der Luftfahrtmesse in Dubai hatte Airbus schon vor kurzem 163 feste Bestellungen erhalten. Da seit Jahren der Auftragseingang die Produktion übertrifft, ist der Auftragsbestand von Airbus mittlerweile gewaltig. „Wir haben noch Aufträge für mehr als 3000 Flugzeuge abzuarbeiten“, hatte Enders vor einigen Tagen gesagt. Airbus stellt zur Zeit rund 400 Flugzeuge im Jahr her. Daraus folgt, dass einige Modelle auf Jahre hinweg ausgebucht sind. Um neue Kunden nicht dem Rivalen Boeing in die Hände zu treiben, plant Airbus eine Aufstockung seiner Produktionskapazitäten, die allerdings längere Zeit benötigt. So soll nach Auskunft des Unternehmens die Fertigung des besonders erfolgreichen Kurz- und Mittelstreckenmodells A 320 bis zum Jahr 2010 von 30 auf 40 Exemplare im Monat hochgefahren werden.

Damit seien die Probleme aber nicht gelöst, sagte der Unternehmenssprecher. In den nächsten Wochen würden Entscheidungen getroffen und bekanntgegeben. Er deutete an, dass angesichts der Bestellungen auf Rekordhöhe nach wie vor nicht mit einem Abbau von Arbeitsplätzen in Entwicklung und Produktion zu rechnen sei, da Airbus im Gegenteil dabei sei, die Zahl der produzierten Flugzeuge zu erhöhen.

Schon in neunziger Jahren schlecht auf Kursrutsch vorbereitet

In den neunziger Jahren war die EADS-Vorläufergesellschaft Dasa auf den Kursrutsch des Dollar schon einmal sehr schlecht vorbereitet gewesen. Damals legte sie ein Rettungsprogramm mit dem Namen „Dolores“ auf. Der Begriff stand für „Dollar low rescue“, wurde von den Mitarbeitern aber eher mit dem lateinischen Wort für Schmerz in Verbindung gebracht. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr verringerte die Dasa die Zahl der Arbeitsplätze bis 1996 von 58.500 auf knapp 45.000 - einschließlich des Verkaufs des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker.

Der damalige Dasa-Vorstandsvorsitzende Manfred Bischoff schloss wie sein Vorgänger Jürgen Schrempp, der später Vorstandschef von Daimler-Chrysler wurde, mehrere Werke oder trennte sich von Unternehmensteilen wie der Flugzeugwerft Lemwerder. Für 1995 hatte das Unternehmen einen guten Gewinn bei einem Kurs von 1,65 DM je Dollar geplant, doch er sank bis Ende des Jahres auf 1,44 DM. Ziel von Dolores war es deshalb, die Dasa für einen Dollar von nur 1,35 DM wettbewerbsfähig zu machen. Dazu gehörte auch, Verträge mit Zulieferern auf Dollar-Basis und später Kurssicherungsgeschäfte mit Banken abzuschließen.

Quelle: him. / Kno. /F.A.Z. / DPA / Reuters
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