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Brigitte Zypries Bild: Reuters

Brigitte Zypries : Ministerin verteidigt hohe Lufthansa-Preise

  • Aktualisiert am

Air Berlin ist pleite, Lufthansa erhöht die Ticketpreise. Darüber ärgert sich halb Deutschland. Doch die Wirtschaftsministerin springt der Lufthansa zur Seite.

          Nach der Insolvenz von Air Berlin steigen die Ticketpreise der Lufthansa, das Bundeskartellamt prüft die Preispolitik – und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nimmt die Fluggesellschaft in Schutz. „Es gibt auch viel ungerechtfertigte Kritik an Lufthansa, manchmal sogar eine Art „Lufthansa-Bashing“, sagte die SPD-Politikerin in Berlin.

          Die Lufthansa selbst hatte sich gegen den Eindruck gewehrt, dass sie in der Folge der Air-Berlin-Pleite die Ticketpreise nach oben getrieben habe: Der Algorithmus zur Preisberechnung sei nach wie vor der alte. Allerdings weist schon der Geschäftsbericht für das Sommerquartal steigende Ticketpreise aus: Damals flog Air Berlin zwar noch, aber unzuverlässig. Nach dem kompletten Ausscheiden von Air Berlin fehlen nun jeden Tag Zehntausende Plätze im Flugverkehr. Damit sind auch die Lufthansa-Flugzeuge voller, inzwischen fliegt ein Jumbo-Jet von Frankfurt nach Berlin – und selbst der alte Algorithmus verlangt bei volleren Flugzeugen höhere Preise.

          Der deutsche Marktführer will mit den Teilgesellschaften LG Walter und Niki für 210 Millionen Euro einen erheblichen Teil des Flugbetriebs von Air Berlin mit 81 Jets und den dazugehörigen Verkehrsrechten übernehmen. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte 1000 neue innerdeutsche Flügen pro Monat angekündigt, sobald die EU-Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von großen Teilen von Air Berlin gebe. Dann würden sich auch die Preise wieder stabilisieren. Der Lufthansa-Konzern hatte im EU-Kartellverfahren weitgehende Zugeständnisse gemacht, um die Air-Berlin-Tochter Niki doch noch übernehmen zu dürfen. Mit dem Verzicht auf Start- und Landerechte will Lufthansa wettbewerbsrechtliche Bedenken der Kommission zerstreuen. Die Entscheidungsfrist auch zur Übernahme weiterer Teile der insolventen Air Berlin läuft bis zum 21. Dezember. Die EU-Kommission könnte sich aber auch noch für eine vertiefte Prüfung des Kartellantrags entscheiden, die dann noch einmal 90 Arbeitstage dauern würde.

          Easyjet bringt Konkurrenz für Lufthansa

          Zypries sagte nun: „Niemand hat ein Interesse daran, dass 80 Flugzeuge lange Zeit am Boden stehen und nicht fliegen dürfen, denn das verknappt das Angebot und verteuert die Preise. Solange die Kartellprüfungen noch laufen, dürfen die Flieger aber nicht genutzt werden, da kann die Lufthansa nichts dafür.“ Sie sagte weiter: „Ich empfinde das manchmal als eine verdrehte Diskussion.“

          Die geschäftsführende Ministerin fügte hinzu: „Es geht manchmal schlicht unter, dass es das Management von Air Berlin in den vergangenen Jahren, ja fast Jahrzehnten, war, das es nicht geschafft hat, das Unternehmen positiv zu entwickeln. Das ist nicht die Schuld von Lufthansa.“

          Mit Blick auf wettbewerbsrechtliche Bedenken der EU-Kommission sagte sie: „Die EU-Kartellbehörde prüft natürlich unabhängig. Im Sinne der Beschäftigten hoffen wir aber, dass dies möglichst zügig vonstatten geht und am Ende eine gute und wettbewerbssichernde Lösung steht.“ Sie hoffe, dass es am 21. Dezember eine Entscheidung gebe.

          Vielleicht sind die Fluggäste aber gar nicht darauf angewiesen, dass die Lufthansa mit zusätzlichen Flugzeugen ihre Preise tatsächlich senkt – vielleicht hilft ihnen schon der Wettbewerb. Easyjet hat am Mittwoch angekündigt, von 5. Januar an auf einigen der alten Air-Berlin-Strecken zu fliegen.

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