18.12.2007 · Der private Briefzusteller Pin steckt in großen Schwierigkeiten. Mehrheitsaktionär Springer will kein weiteres Geld mehr zur Verfügung stellen. Pin-Chef Günter Thiel hatte angekündigt, das Unternehmen mit eigenen Mitteln zu retten. Doch daraus wird wohl nichts.
Der Vorstandschef des angeschlagenen Postdienstleisters Pin Group, Günter Thiel, hat sein Angebot für die Übernahme des Unternehmens zurückgezogen. Außerdem trat er mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurück. Eine Firmensprecherin bestätigte am Dienstag in Luxemburg einen entsprechenden Bericht von Focus-Online.
Grund seien Forderungen des Haupteigentümers Axel Springer. Springer-Sprecherin Edda Fels wollte vorerst keinen Kommentar geben. Es müsse das Ergebnis der Pin-Verwaltungsratssitzung abgewartet werden. Die Frage, ob die Insolvenz der Pin Group mit rund 9000 Beschäftigten in Deutschland damit unabwendbar sei, wollte die Sprecherin nicht beantworten.
Der Verwaltungsrat der Pin Group tagt in Düsseldorf, „um über das weitere Vorgehen zu beraten“. Dort wird auch das Gutachten des Unternehmensberaters Roland Berger diskutiert, das Pin Überlebensfähigkeit attestiert, sofern weitere Mittel von den Gesellschaftern bereit gestellt werden. Am Montagabend hatten Gespräche zwischen der Pin Group und dem Medienkonzern Springer zu keiner Einigung geführt. Die Beteiligten hätten sich nicht auf ein tragfähiges Übernahmemodell einigen können, hatte Springer-Sprecherin Fels der dpa am Montag gesagt.
Thiel wollte die Springer-Anteile übernehmen
Pin-Mehrheitsaktionär Springer hatte unmittelbar nach dem Beschluss des Bundestages für einen Mindestlohn im Briefbereich beschlossen, der Tochterfirma keine weiteren Finanzierungsmittel mehr bereitzustellen. Als Grund hatte Springer angeführt, die Zusatzkosten durch den Mindestlohn ließen Pin keine Chance, dem Branchenprimus und Ex-Staatsunternehmen Deutsche Post auf Dauer erfolgreich Konkurrenz machen zu können.
Thiel hatte Springer nach dessen Ankündigung angeboten, dessen Anteile zu übernehmen. Zudem wollte er einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Gesellschaft investieren und damit ihr Überleben absichern. Verhandlungen zwischen Springer-Chef Mathias Döpfner und Thiel darüber waren aber offenbar gescheitert. Nach Informationen aus der Branche wollte Springer nicht zu einem symbolischen Preis verkaufen.
Springer hat schon 620 Millionen Euro investiert
Springer hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren rund 620 Millionen Euro in den Post-Dienstleister investiert. Damit hatte Europas größter Zeitungskonzern zusammen mit den anderen Gesellschaftern aus der Medienwirtschaft Pin zu einem Unternehmen mit mehr als 9000 Arbeitsplätzen ausgebaut. Springer hatte sich zudem bereiterklärt, seine Mehrheit an Pin abzugeben, wenn von anderer Seite ausreichend neue Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden.
Pin hatte wegen der Mindestlohn-Entscheidung angekündigt, weit über 1000 Mitarbeiter abbauen zu wollen. Einen Teil dieser Entlassungen hatte die Gesellschaft kurze Zeit später bereits bei zuständigen Arbeitsagenturen angekündigt.
Die Pin Group hatte nach eigenen Angaben 2006 bei einem Volumen von 3,2 Millionen beförderten Sendungen einen Umsatz von 168,3 Millionen Euro erzielt. Für 2007 war von über einer Milliarde Briefsendungen und einem angestrebten Umsatz von rund 350 Millionen Euro die Rede. Bis 2010 wollte die Gesellschaft bislang die Umsatzmilliarde erreichen.
Die Insolvenz wird kommen
Albrecht Stahl (astahl)
- 18.12.2007, 13:38 Uhr
Fragen Sie mal Kurt Beck, der.......
wolf haupricht (emilgilels)
- 18.12.2007, 13:39 Uhr
Wer an der Quelle sitzt, kann walten wie Ludwig XIV.
norbert doerre (ndoerre)
- 18.12.2007, 14:21 Uhr
Nicht jeder taugt zum Apostel
Robert Schrey (etiterum)
- 18.12.2007, 15:18 Uhr
Managementfehler
Andreas Bächtle (Andreas_B.)
- 18.12.2007, 15:28 Uhr
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