Home
http://www.faz.net/-gqe-772v8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Brief aus Amerika „Franzosen arbeiten nur drei Stunden“

Das Goodyear-Werk in Amiens ist von der Schließung bedroht. Doch ein amerikanisches Reifen-Unternehmen lehnt eine Übernahme ab und macht sich in einem Brief über die Arbeitsmoral der Franzosen lustig. Die Empörung ist groß.

© AFP Vergrößern Arbeiten diese Franzosen bei Goodyear wirklich nur drei Stunden am Tag?

Mit einem Brief an die französische Regierung, in der er sich über die Arbeitsmoral der Franzosen lustig macht, hat ein Firmenboss aus den Vereinigten Staaten empörte Reaktionen in Frankreich ausgelöst. Der Chef des amerikanischen Reifen-Unternehmens Titan lehnte in dem Brief eine Übernahme des angeschlagenen Reifen-Werkes von Goodyear in Nordfrankreich mit der Begründung ab, die „sogenannten Arbeiter“ in dem Werk würden höchstens „drei Stunden“ pro Tag arbeiten.

Der Brief ging an Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg, der Titan gebeten hatte, eine solche Übernahme zu prüfen. Zu dem Goodyear-Werk im nordfranzösischen Amiens, das von der Schließung bedroht ist, schrieb Titan-Chef Maurice M. Taylor: „Ich habe diese Fabrik mehrfach besucht. Die französischen Arbeitnehmer bekommen hohe Löhne, arbeiten aber nur drei Stunden. Sie haben eine Stunde für ihre Pausen und für ihr Mittagessen, diskutieren drei Stunden lang und arbeiten drei Stunden.“ Er habe das auch den Gewerkschaften gesagt. Die hätten ihm geantwortet: „So ist das in Frankreich!“

Mehr zum Thema

Industrieminister Montebourg wollte den Brief, der auf den 8. Februar datiert ist, nicht kommentieren. „Ich will französischen Interessen nicht schaden“, sagte er nur knapp. Der Sozialist hatte am Dienstagabend einen großen Auftritt in Paris, bei dem er seine Kampagne „Made in France“ für innovative, wettbewerbsfähige Unternehmen seines Landes startete. Allein auf der Bühne, mit dem Mikrofon in der Hand, ohne Krawatte, rief Montebourg vor rund 600 Gästen: „Wir müssen eine dritte industrielle Revolution vorbereiten.“

Seine Präsentation, der der Song „Eye of the tiger“ aus dem Film Rocky III voranging, wurde in Frankreich mit den legendären Auftritten des inzwischen verstorbenen einstigen Apple-Chefs Steve Jobs verglichen. Im Laufe des Jahres will der Minister insgesamt acht solcher Konferenzen zu seinem Lieblingsthema „Made in France“ abhalten.

Die Übernahme durch die Amerikaner von Titan wird es jedenfalls nicht geben Die Übernahme durch die Amerikaner von Titan wird es jedenfalls nicht geben © AFP Bilderstrecke 

Aus ihrer Empörung über den Titan-Brief machten die Gewerkschaften hingegen keinen Hehl. Als eine „totale Beleidigung“ wies der Vertreter der Gewerkschaft CGT bei Goodyear in Amiens-Nord, Mickaël Wamen, die Äußerungen zur Arbeitsmoral in seinem Werk zurück. Der Titan-Chef sei „näher an einer psychiatrischen Anstalt als in der Lage, die Zügel eines multinationalen Unternehmens in der Hand halten zu können“, sagte er dem Sender Europe 1 am Mittwoch. Der amerikanische Reifenhersteller Goodyear, der in anderen Ländern mit Titan zusammenarbeitet oder Werke an Titan verkauft hat, hatte Ende Januar angekündigt, das Werk in Amiens-Nord mit seinen 1173 Arbeitsplätzen schließen zu wollen.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Dschihadisten aus der Provinz Frankreichs neue Krieger

Eigentlich würde man in der kleinen Stadt Lunel in Südfrankreich gerne über Tourismus reden. Aber weshalb sind aus diesem Idyll so viele junge Männer in den Dschihad nach Syrien gezogen? Was macht Lunel zur Hauptstadt des französischen Dschihad? Mehr Von Michaela Wiegel

16.05.2015, 19:45 Uhr | Politik
Lebbensrau Wachsende Kunst auf dem Meeresboden

Skulpturen unter dem Meeresspiegel. Kunst, hervorgerufen durch die Meeresbewohner. Die Arbeiten des Briten Jason de Caires Taylor sehen bei jedem Besuch anders aus. Und sie schaffen neue Lebensräume. Mehr

13.03.2015, 06:18 Uhr | Feuilleton
Wie erklär ich’s meinem Kind? Warum es Streik gibt

Erzieher, Briefträger, Lokführer: Gerade gehen Leute aus vielen Berufen lieber auf die Straße als zur Arbeit, und noch mehr Leute leiden darunter. Warum Streik trotzdem eine gute Sache ist. Mehr Von Anne-Christin Sievers

15.05.2015, 14:49 Uhr | Feuilleton
Geplatzter Reifen Verfolgungsjagd endet mit spektakulärem Crash

In Nordkalifornien ist ein Mann vor der Polizei davon gejagt, die Jagd endete mit einem großen Crash. Von einem geplatzten Reifen ließ er sich nicht beeindrucken. Mehr

19.03.2015, 15:54 Uhr | Gesellschaft
Formel 1 in Monaco Rosberg besiegt Hamilton dank eines Rechenfehlers

Kurioses Finale eines zuvor langweiligen Formel-1-Grand-Prix von Monaco: Lewis Hamilton schenkt einen sicheren Sieg her wegen eines Reifenwechsels während einer Safety-Car-Phase. Davon profitieren Teamkollege Nico Rosberg und auch Sebastian Vettel. Mehr Von Anno Hecker, Monte Carlo

24.05.2015, 16:06 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.02.2013, 13:03 Uhr

Schütze sich, wer kann

Von Corinna Budras

Der Staat versagt bei der Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen. Die Polizei ist überfordert, die Aufklärungsstatistik dementsprechend traurig zu lesen – goldene Zeiten für osteuropäische Räuberbanden. Mehr 28 23


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden