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Brief an die Belegschaft Deutsche Post will Tausende Stellen streichen

06.05.2009 ·  Die Wirtschaftsflaute zwingt auch die Deutsche Post zu einem schärferen Sparkurs. Vor allem das Brief- und Expressgeschäft ist von dem Rückgang der Nachfrage betroffen. Jährlich sollen 4000 bis 5000 Stellen eingespart werden.

Von Helmut Bünder
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Nach einem starken Rückgang von Umsatz und Ergebnis verschärft die Deutsche Post ihren Sparkurs und bereitet einen umfangreichen Stellenabbau vor. Im verlustreichen Expressgeschäft stehen sogar Entlassungen ins Haus, während die Post in der Briefsparte vorerst nur frei werdende Stellen streichen und bei Mitarbeitern mit Teilzeit- und befristeten Verträgen sparen will. Außerdem sollen weitere Teile der Paketzustellung an Fremdunternehmen ausgelagert werden, um die eigenen Personalkosten zu senken. Im Gegensatz zu den übrigen Geschäftsbereichen sind die rund 130.000 angestellten Mitarbeiter der Briefsparte noch bis Mitte 2011 vor Kündigungen geschützt. In einem Schreiben an die Belegschaft warnt der Vorstandsvorsitzende Frank Appel vor den Folgen der Rezession, die das Briefaufkommen rascher schrumpfen lässt als in den vergangenen Jahren. "Bleiben wir jetzt untätig, werden die Gewinne im Briefbereich versiegen. Der Fortbestand dieses Unternehmensbereichs ist dann gefährdet", heißt es darin.

Appel will jedes Jahres etwa 4000 bis 5000 Stellen einsparen, die frei werden, weil Beschäftigte in den Ruhestand gehen oder das Unternehmen verlassen. "Angesichts der rückläufigen Volumina können wir diese Mitarbeiter nicht ersetzen, sondern müssen ihre Arbeit auf die restlichen Schultern verteilen", schreibt er, um seine Forderung nach längeren Arbeitszeiten und Lohnverzicht zu begründen. Ziel sei es, einen Volumenrückgang von bis zu 20 Prozent aufzufangen, erläuterte Briefvorstand Jürgen Gerdes. "Zwei Drittel unserer Kosten sind Personalkosten. Auch hier darf es keine Tabus geben". Gerdes kündigte außerdem an, mit der Politik über höhere Briefpreise zu verhandeln.

Kosten sollen schneller sinken

Bereits im November hatte die Post das Ziel ausgegeben, die Kosten bis Ende 2010 um mindestens 1 Milliarde Euro zu drücken. Dieses Programm soll nun schneller verwirklicht werden und schon im zweiten Halbjahr Wirkung zeigen. Besonders stark trifft es die Expresssparte, die bis Jahresende 460 Millionen Euro einsparen soll. Obwohl die Post die defizitäre inneramerikanische Zustellung inzwischen aufgegeben hat, macht sie mit den Eilsendungen immer noch hohe Verluste.

Vor allem das inländische Geschäft in Frankreich, Großbritannien und anderen europäischen Schlüsselmärkten läuft nicht rund. Als einen der Hauptgründe nannte Expressvorstand Ken Allen die überdimensionierte Verwaltung. "Aufgrund dieser hohen Kosten sind wir auf vielen Gebieten nicht konkurrenzfähig, und sie beeinträchtigen zudem unsere Ertragslage", schrieb er der Belegschaft. Ganze Managementebenen sollen bis Anfang Oktober gestrichen und Verwaltungseinrichtungen zusammengelegt werden. Die bisher fünf geographischen Regionen werden zu drei Gebieten zusammengefasst, zwei komplette regionale Hauptquartiere fallen weg. Um die Sanierung zu beschleunigen, wird eine neue Führungsstruktur mit einem sechsköpfigen Managementteam geschaffen, das den Geschäftsverlauf in den einzelnen Ländern und Regionen intensiv kontrolliert.

Schwachstellen im Konzern offengelegt

Die Wirtschaftskrise habe Schwachstellen im Konzern offengelegt, die nun angegangen werden müssten, sagte Appel. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Sanierungsanstrengungen wirken werden und die Post in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben wird. Dabei rechnet Appel vor allem mit Gewinnen aus den Verkaufsoptionen für die verbleibenden Postbankaktien. Deren höhere Bewertung bescherte der Post bereits im ersten Quartal einen Nettogewinn von 944 Millionen Euro, nachdem sie das Vorjahr mit einem Verlust von rund 1,7 Milliarden Euro abgeschlossen hatte. Im operativen Geschäft hingegen schlug die Wirtschaftskrise voll durch. Der Umsatz schrumpfte um fast 13 Prozent, der Betriebgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank ohne Einmaleffekte um 42 Prozent auf 312 Millionen Euro. Einschließlich der Einmalbelastungen aus der Schließung des Amerika-Geschäftes bleiben lediglich 27 Millionen Euro Ebit übrig.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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