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Braukonzern Anheuser-Busch Eine Biererbin wirft Fragen auf

01.07.2008 ·  Der belgische Braukonzern Inbev will den amerikanischen Wettbewerber Anheuser-Busch übernehmen. Das sorgt für steigende Aktienkurse. Davon profitiert auch Cindy McCain, die Frau des Republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Ihre Finanzen könnten zu einem unangenehmen Wahlkampfthema werden.

Von Roland Lindner
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Es sind aufregende Zeiten für die Aktionäre des amerikanischen Brauereikonzerns Anheuser-Busch: Jahrelang hat sich der Aktienkurs des Unternehmens kaum bewegt, nun sorgt auf einmal das feindliche Übernahmeangebot des belgischen Wettbewerbers Inbev für die Aussicht auf einen großen Zahltag. Inbev hat einen üppigen Aufschlag geboten, entsprechend hat der Aktienkurs von Anheuser-Busch seit dem Vorstoß der Belgier einen großen Sprung gemacht.

Auch Cindy McCain, die Frau des designierten Republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain, profitiert: Sie gehört zu den prominentesten Namen im Aktionärskreis von Anheuser-Busch, der Wert ihres Aktienpakets wird auf mehr als eine Million Dollar geschätzt. Es ist aber eher zu bezweifeln, dass sie sich uneingeschränkt über die Übernahmeschlacht und die damit verbundenen Kursgewinne freut: Denn damit richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit so stark wie noch nie auf ihren persönlichen Wohlstand und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten. Ihre Finanzen könnten zu einem unangenehmen Wahlkampfthema werden, und ihr Mann wird sich wohl einige Fragen nach möglichen Interessenkonflikten stellen müssen.

Steuererklärung publik gemacht

Der Wohlstand von Cindy McCain ist eng mit Anheuser-Busch verbunden, und dabei spielt das Aktienpaket nur eine kleinere Rolle. McCain ist die Erbin eines riesigen Bierdistributeurs mit dem Namen Hensley & Co. in ihrer Heimatstadt Phoenix im Bundesstaat Arizona. Ihr Vater James Hensley hat das Unternehmen vor mehr als fünfzig Jahren gegründet. Es vertreibt heute exklusiv die Biermarken von Anheuser-Busch wie "Budweiser" und "Bud Light". Hensley ist der drittgrößte Großhändler von Anheuser-Busch in ganz Amerika und beliefert 5000 Verkaufsstellen.

Cindy McCain ist aktiv in das Geschehen bei Hensley involviert: Als Einzelkind war sie seit jeher die designierte Erbin, und nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2000 rückte sie zur Vorsitzenden des Verwaltungsrats (Chairwoman) auf. Die Führung des Tagesgeschäfts überlässt sie zwar dem Vorstandsvorsitzenden Robert Delgado, allerdings ist sie bei strategischen Entscheidungen eng eingebunden. Hensley veröffentlicht keine Geschäftszahlen, aber in der Branche wird der Wert des Unternehmens auf rund 100 Millionen Dollar geschätzt. Cindy McCain hält amerikanischen Medienberichten zufolge zusammen mit ihrer Familie 68 Prozent der Anteile an Hensley. Vor einigen Wochen hat Cindy McCain auf öffentlichen Druck hin ihre Steuererklärung publik gemacht: Danach kam sie im Jahr 2006 auf ein Einkommen von mehr als 6 Millionen Dollar.

Gütertrennung bei den McCains

John McCain hat vom Reichtum seiner Frau profitiert: Sie half ihm Anfang der achtziger Jahre beim Start seiner politischen Karriere und lieh ihm Geld für seine erste Kampagne für einen Sitz im amerikanischen Kongress. Seither legt McCain aber Wert darauf, das Vermögen seiner Frau für seine Wahlkämpfe nicht mehr anzutasten. Die McCains haben ihre Vermögenswerte außerdem in einem Ehevertrag voneinander getrennt. Trotzdem tauchen immer wieder Fragen nach Subventionen aus dem Brauereivermögen auf. So berichtete die "New York Times" kürzlich, dass McCain das Geschäftsflugzeug von Hensley für seine Kampagne benutzt und dafür womöglich nicht volle Marktpreise bezahlt hat.

John McCain wird sich womöglich auch der Frage nach Interessenskonflikten stellen müssen, wenn es in der politischen Diskussion um Themen geht, die die Bierbranche betreffen. Im Senat hält er sich bislang bei allen Abstimmungen heraus, die Hersteller von alkoholhaltigen Getränken betreffen. Als amerikanischer Präsident wird es ihm schwerer fallen, sich aus Themen kategorisch herauszuhalten. Hensley jedenfalls hat in der Vergangenheit aktiv Lobby-Arbeit betrieben, um stärkere Regulierungen oder Kennzeichnungspflichten für die Branche zu vermeiden.

Auch aus unternehmerischer Sicht ist der Übernahmekampf um Anheuser-Busch für die 54 Jahre alte Cindy McCain ein zweischneidiges Schwert. Ihr Aktienpaket mag an Wert gewonnen haben, aber es ist unklar, was eine Übernahme von Anheuser-Busch durch Inbev für Hensley bedeuten würde. Hensley und Anheuser-Busch haben eine seit Jahrzehnten etablierte und loyale Geschäftsbeziehung. Inwiefern das unter Inbev so bleiben würde, ist eine offene Frage.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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