Home
http://www.faz.net/-gqi-71f0e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Brauereien Konzentration mit Wucht

 ·  Nach dem Erwerb von Corona in Mexiko durch den Braukonzern Anheuser-Busch Inbev dürfte die Welle der Übernahmen nicht vorbei sein. Das billige Geld verleitet zu sehr.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)
© dpa Wächst dem Bier entgegen: Hopfen in der Hallertau

Zu günstigsten Konditionen hat sich der mit Abstand größte Brauereikonzern der Welt 7,5 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt geliehen. Anheuser-Busch Inbev (AB Inbev) zahlt für die vier Tranchen mit Laufzeiten von 2015 bis 2042 Nominalzinsen zwischen 0,8 und 3,75 Prozent. Die Belgier nutzten den besten Zeitpunkt - tags zuvor hatte der Barclays Rendite-Index für Unternehmen mit guter Bonität einen Tiefpunkt erreicht.

Damit hat sich die am Kapitalmarkt hoch angesehene Nummer eins der Bierbrauer so billig Geld beschafft, dass sie die angekündigte Übernahme der mexikanischen Brauerei Grupo Modelo locker finanzieren kann; aus deren Hause kommt das Bier Corona. Für 20,1 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro) haben die Belgier, die 2008 mit dem Erwerb der amerikanischen Anheuser-Busch (Budweiser) zum Marktführer aufgestiegen waren, nun die Restanteile von knapp 50 Prozent an Modelo gekauft. Schon im Herbst 2011 gab es eine andere große Übernahme in der Bierbranche, als die britische SAB Miller 7,2 Milliarden Euro für den Kauf der australischen Foster’s gezahlt hatte.

„Hierzulande wird zu wenig verdient“

Ein Ende der Konzentration ist für Stephan Barth nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Die Auswirkungen der niedrigen Zinsen sind in der Braubranche deutlich sichtbar“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der Joh. Barth & Sohn GmbH & Co. KG. „Die Akquisitionsmaschinerie für die Wagemutigen läuft an.“ Es gebe keinen idealeren Zeitpunkt für Kaufinteressenten: „Das Geld ist unfassbar billig.“ Wenn diese dann noch schnell das übernommene Unternehmen integrierten und die Kostenvorteile (Synergien) nutzten, könne eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

Stephan Barth muss es wissen. Er führt das nach eigen Angaben größte Hopfenhandelsunternehmen der Welt, das eine der wichtigsten Ingredienzien für Bier liefert. Barth & Sohn ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit „nur“ 200 Millionen Euro Umsatz. Es verfügt aber über Kenntnisse und Daten des Welt-Biermarktes wie kein anderes Unternehmen. Und Stephan Barth ist berufen, sich über die weitere Entwicklung in der Brauereiszene zu äußern.

„Die Konsolidierung wird an Wucht zunehmen“, sagt er denn auch. So würde es ihn nicht überraschen, wenn in spätestens zehn Jahren drei große Braukonzerne mit rund 60 Prozent Marktanteil das Sagen auf dem Bier-Globus haben; heute halten fünf Konzerne zusammen Marktanteile von rund 48 Prozent. Die deutschen Brauereien, geht es nach Barth, müssen in diesem Szenario nichts befürchten. „Ich sehe nicht, dass sich hierzulande etwas tut“, sagt er. Deutsche Bierbrauer seien nicht attraktiv genug. „Hier wird zu wenig verdient, in anderen Teilen der Welt lassen sich deutlich höhere Renditen erzielen.“

Und so bleibt Deutschland mit seinen fast 1300, meist kleinen und in Familienbesitz befindlichen Bierbrauern gewissermaßen auf einer Scholle.

Deutschland ist fünftgrößter Biermarkt der Welt

Das sind gute Nachrichten für diejenigen, die ihre Bier-Braukunst aus Leidenschaft ungestört weiter betreiben können; und wenn sie in der Lage sind, können sie diese auch im Ausland zeigen. Denn Deutschland ist eines von nur drei Ländern, das hinter den Niederlanden und Belgien mehr Bier exportiert als importiert. Der Exportmarkt ist wichtig, weil seit 2006 hierzulande kein Wachstum im Bierabsatz mehr zu verzeichnen ist. Auch 2011 ging der Ausstoß, wenn auch nur minimal, um 0,1 Prozent zurück, während der Weltmarkt um 3,3 Prozent zulegte. In diesem Jahr dürfte es nicht anders aussehen. Barth erwartet einen weiteren leichten Rückgang, wobei das gegenwärtig schlechte Wetter seinen Beitrag dazu leisten könnte. Für die Hauptsaison von Mai bis einschließlich August zeichnet sich wenig Gutes ab. Im bisherigen Jahresverlauf hat es bereits Rückgänge gegeben.

Auch wenn Deutschland eine Scholle zu sein scheint: Der Markt ist mit seinen 95 Millionen Hektolitern Bierausstoß immerhin der fünftgrößte in der Welt. Dass China (plus 9 Prozent auf 490 Millionen Hektoliter) klar die Nummer eins ist, muss nicht verwundern. Die Vereinigten Staaten (minus 1,5 Prozent auf 225 Millionen Hektoliter) folgen auf Rang zwei; Brasilien (133) ist um 3 Prozent gewachsen, der einstige Wachstumsmarkt Russland (98) ist mit minus 5 Prozent geradezu eingebrochen.

Die drei deutschen Unternehmen spielen im internationalen Konzert der 40 größten Brauereien (92 Prozent des Weltmarktes) keine Rolle. Die zur Oetker-Gruppe gehörende Radeberger - in Deutschland Nummer eins -, Oettinger sowie die Bitburger Braugruppe vereinen gerade einmal einen Weltmarktanteil von 1,6 Prozent auf sich.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

Jüngste Beiträge

Doppelspitze für den Umbruch

Von Markus Frühauf

Die neue Führung der Deutschen Bank um Anshu Jain und Jürgen Fitschen musste in ihrem ersten Jahr mit der schwersten Vertrauenskrise der Bank kämpfen. Der geplante Kulturwandel lässt noch auf sich warten. Heute treten Jain und Fitschen vor die Aktionäre. Mehr

Wichtigste Werte
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --