05.02.2007 · Neben der höheren Mehrwertsteuer machen den Hoteliers vor allem steigende Energiekosten, ja sogar die ungezügelte Gebührenpolitik der GEZ das Leben schwer.
Von Hans-Christoph Noack, FrankfurtDas Sommermärchen durch die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist in einem „Happy End“ für die deutsche Hotelbranche gemündet. Nach vier mageren Jahren haben die deutschen Hotels 2006 erstmals wieder höhere Preise durchgesetzt und die Auslastung verbessert. Doch für 2007 sind die Hoteliers skeptisch: „Die Erhöhung der Mehrwertsteuer gefährdet das zarte Pflänzchen des Aufschwungs“, sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer vom Hotelverband Deutschland.
Das Geschäft mit Privatgästen, die etwa die Hälfte aller Übernachtungen buchen, könnte einen Dämpfer erleiden, meint er. Denn die Hotelwirtschaft und die Gastronomie konnten sich mit ihrem Begehren nach niedrigeren Mehrwertsteuersätzen, wie es in Europa üblich ist, nicht durchsetzen. Für den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) und den Hotelverband Deutschland (IHA) forderte Luthe schon vor kurzem die Bundesregierung auf, auch deutsche Restaurants und Hotels von reduzierten Mehrwertsteuersätzen profitieren zu lassen.
70.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Gastgewerbe
Gemäß einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (IFM) könnten auf diese Weise 70.000 zusätzliche Arbeitsplätze im Gastgewerbe in Deutschland geschaffen werden. Es könne nicht angehen, dass in einem gemeinsamen Binnenmarkt und in einem einheitlichen Währungsraum nur wegen unterschiedlicher Steuersätze Geschäft verloren gehe, moniert Luthe die Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der deutschen Hotellerie. Das betrifft insbesondere das Kongress- und Messegeschäft.
In dem Vorstoß des Verbandes bei der Bundesregierung spiegelt sich auch die Sorge, dass 2007 ein durchaus schwieriges Jahr für die Beherbungsbranche werden könnte. Schließlich gilt es, das im abgelaufenen Jahr erreichte hohe Niveau bei Auslastung und Preisen zu verteidigen. Burkhard von Freyberg, Leiter des Treugast Institut of Applied Hospitality Sciences, ist ähnlich skeptisch für 2007. Neben der Mehrwertsteuerbelastung, die die Hoteliers am liebsten auf ihre Gäste überwälzen möchten, treiben höhere Energiekosten und die in der Branche als unsinnig empfundene Gebührenpolitik der GEZ um, die im Gegensatz zu einer früheren pauschalen Belastung seit einem Jahr jedes Fernsehgerät in einem Hotelzimmer mit einer Einzelgebühr belegt.
„Verramschen“ von freien Kapazitäten im Internet
Doch gibt es auch hausgemachte Faktoren. Erschwerend wirkt nämlich, dass die Überkapazitäten an manchen Standorten und die Rabattschlachten der Hotels in diesem Jahr weitergehen werden. Zwar haben einige Hotelketten vom „Verramschen“ von freien Kapazitäten im Internet Abstand genommen und versuchen die Preishoheit über die eigenen Zimmer zurückzuerlangen. Aber in diesem Jahr werden 65 neue Häuser mit 8.500 Hotelzimmern neu auf dem Markt drängen. Die Beratungsgesellschaft Treugast rechnet daher im Durchschnitt mit leicht steigenden Preisen bei einer bestenfalls konstanten Belegung. Im deutschen Durchschnitt waren die Betten nur zu 34 Prozent ausgelastet.
Allerdings schaut die Branche mehr auf die Zimmer- als auf die Betten-Auslastung. Da gilt als Faustregel, dass bei mehr als 60 Prozent die Hotels wirtschaftlich arbeiten. Deshalb ist die Hotellerie mit 2006 zufrieden. Nach Angaben des Hotelverbandes ist die Auslastung bis November um 1,6 Prozentpunkte auf 63,5 Prozent gestiegen. Einen ähnlichen Wert erwartet Luthe für das Gesamtjahr. Dies basiert auf den Angaben von 700 Hotels mit drei bis fünf Sternen, die überwiegend in Städten liegen.
Seit Jahren weit geöffnete Preisschere
Neben vollen Betten in den WM-Städten hat der warme Sommer auch den Ferienhotels - wenn man vom verregneten August absieht - eine gute Auslastung gebracht. Die starke Nachfrage hierzulande ermöglichte es der Branche auch endlich, die Preise zu erhöhen. Rund 88 Euro je Zimmer bedeuten eine Preiserhöhung von 8,2 Prozent, die damit höher als in Nachbarländern ausgefallen ist. Ein Grund zum Frohlocken ist dies nicht, wenn man das Preisniveau in Westeuropa betrachtet. Die seit Jahren weit geöffnete Preisschere ist bestenfalls ein wenig zugegangen, was aber die Investitionen auch ausländischer Hotelbetreiber und Investorengruppen nicht zu mindern scheint.
Sie setzen zum einen auf langfristig steigende Zimmerpreise in den Ballungsräumen und an Messe- und Kongressstandorten; oder sie wollen einfach nur weiße Flecken auf ihrer Landkarte ausfüllen. Sir Rocco Forte hat sich mit zwei Neueröffnungen im vergangenen Jahr - in Frankfurt und Berlin - auf den preislich schwierigen Markt gewagt, auf dem er bisher nicht die gewohnten Raten für seine Luxushotels hat erzielen können. In Frankfurt sieht die Konkurrenz die Preisführerschaft von Sir Rocco mit Wohlgefallen, da damit die eigenen Zimmerraten weniger unter Druck geraten.
Investitionen, die nicht gestemmt werden können
Doch nicht nur im Luxussegment gibt es Bewegung. Vor allem in der unteren Mittelklasse verdrängen Ketten-Konzepte die früheren Hotels Garni, die meist eigentümergeführt sind. Diese kapitulieren entweder vor der Stärke der Kettenhotellerie oder suchen sich eine Nische, die etwa Design-Hotels umfasst. Allerdings sind hierfür Investitionen notwendig, die vielfach nicht gestemmt werden können. Denn Banken stehen Einzelkämpfern eher skeptisch gegenüber.
Vielfach hilft der Anschluss an eine Marke oder an ein Franchisesystem - in der Hoffnung, dass die damit verbundenen Reservierungssysteme zur höheren Auslastung führen. Gab es vor 20 Jahren 51 Hotelgesellschaften und -gruppen mit 1.040 Häusern, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2005 auf 118 Hotelmarken mit 3.447 Häusern. Insgesamt ist die Zahl der Hotels um 258 Häuser zurückgegangen, wobei darin schon ein Zugang von 141 Hotels der Markenhotellerie berücksichtigt ist. Das legt den Schluss nahe, dass der Marktaustritt zu Lasten der markenungebundenen Hotels ging.
Zusammenarbeit von Marketing und Verkauf
Dass die Marke eine immer wichtigere Bedeutung erlangt, zeigt ein prominentes Beispiel: Durch eine langfristige Kooperation mit der Starwood-Hotel-Gruppe will Arabella Sheraton die Marktpräsenz stärken und profitabel wachsen. Deswegen haben die Arabella Hotel Holding International GmbH & Co. KG, eine Tochtergesellschaft der Schörghuber Unternehmensgruppe, und die in New York börsennotierte Starwood Hotels & Resorts Worldwide Inc. ihr seit 1998 bestehendes Gemeinschaftsunternehmen Mitte Dezember bis 2037 verlängert.
Die Gesellschaft verstärke die Zusammenarbeit auf allen Gebieten, insbesondere im Bereich Marketing und im Verkauf, sagte Stefan Schörghuber. Der neue Vertrag ermögliche dem Gemeinschaftsunternehmen den Zugang zu weiteren Starwood-Marken und so eine bessere Positionierung seiner Hotels. Als äußeres Zeichen firmiert das Unternehmen seit dem 1. Januar unter Arabella Starwood Hotels & Resorts, teilte Carsten K. Rath, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arabella Hotel Holding, mit.
Übernahmen und Unternehmensgruppen
Und vor wenigen Tagen beendete Europas führende Hotel-Gruppe Accor ihre Zusammenarbeit mit der deutschen Dorint-Kette und übernahm 52 Häuser des Verlust schreibenden Partnerunternehmens. Accor festigt damit nach eigenen Angaben seine Stellung als führender Hotelanbieter in Deutschland und verfügt nunmehr über 331 Hotels unter den Markennamen Sofitel, Novotel und Mercure.
Der französische Konzern investiert in die 52 Hotels insgesamt knapp 130 Millionen Euro. Die Dorint-Gruppe wird aufgeteilt. Unter dem Namen firmieren künftig noch 41 Hotels, die von der Kölner Unternehmensgruppe Ebertz & Partner geführt werden. Das Immobilienunternehmen war bereits vor dem Einstieg von Accor vor knapp fünf Jahren langjähriger Partner und Miteigner von Dorint.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,43 | −1,34% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,52% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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