26.06.2006 · Die Autovermieter entdecken die ertragreiche Langzeitvermietung und das Leasing zunehmend für sich. Mit dieser neuen Strategie weichen sie dem enormen Preisdruck im Tagesgeschäft aus.
Von Henning PeitsmeierEs kann das Geschäft des Jahres werden: Die Autovermieter setzen in die Fußball-Weltmeisterschaft mit der Fülle von Touristen aus aller Welt große Erwartungen. „Nicht nur Deutschland freut sich über die WM, auch die Autovermieter“, sagt Klaus Langmann-Keller, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Autovermieter (BAV). Impulse aus dem Spektakel kann die Branche nach Jahren des Preiskampfes und der Neuordnung im Markt gebrauchen.
Kunden, die zu den WM-Stadien mit dem Mietwagen fahren möchten, haben vielfach höhere Mietpreise zu zahlen. Angesichts der zigtausend WM-Touristen übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Wer in diesen Tagen versucht, an einem Flughafen einen Mietwagen zu ergattern, muß mit einer Absage rechnen.
Langmann-Keller hat für die Preispolitik der Autovermieter Verständnis: „Die Preiserhöhungen waren überfällig“, sagt er. „Der VW Golf ist heute teurer als vor zehn Jahren, das Mieten des Autos ist es aber nicht.“
Rabattschlacht mit markigen Werbesprüchen
In der Tat tobte jahrelang ein Preiskampf. Erschwert wurde das Geschäft noch durch die Terroranschläge des 11. September 2001, als die Nachfrage drastisch einbrach. Jeder Autovermieter senkte in der Folge die Preise. Allen voran hat der börsennotierte Autovermieter Sixt, Marktführer in Deutschland, die Rabattschlachten mit markigen Werbesprüchen begleitet. Inzwischen läuft sowohl das Tourismusgeschäft als auch das Segment der Geschäftsreisenden wieder gut. Doch ein Ende des Verdrängungswettbewerbs und des Preiskampfes ist nicht zu erwarten.
Der Markt bleibt in Bewegung. Im Herbst 2005 hat der amerikanische Autokonzern Ford seine Tochtergesellschaft Hertz an ein Konsortium von Finanzinvestoren verkauft. 5,6 Milliarden Dollar wurden für den größten Autovermieter der Welt gezahlt und außerdem Schulden von 9,4 Milliarden Dollar übernommen. Das machte den Hertz-Verkauf zu einer der größten Transaktionen mit Beteiligungsgesellschaften. Das Beispiel machte Schule: VW trennte sich diesen März von Europcar und verkaufte Europas größten Autovermieter einschließlich Schulden für mehr als 3 Milliarden Euro an den französischen Finanzinvestor Eurazeo.
Discountanbieter im Vermietungsgeschäft
Die Autoverleiher führen einen aggressiven Konkurrenzkampf. In Europa sind Frankreich, Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Märkte. Keiner ist so hart umkämpft wie der deutsche. Hierzulande beherrschen die großen Vermietketten bereits zwei Drittel des Marktes; Marktführer Sixt folgen Europcar sowie Avis und Hertz und mit deutlichem Abstand Budget. Verlierer sind die zahlreichen regionalen Anbieter. Die vielen freien Vermieter haben es schwer. Jedes Jahr verschwinden einige hundert Firmen vom Markt, seit das Geschäft mit den Unfallersatzwagen deutlich zurückgegangen ist. Das war früher eine Domäne der Kleinen.
Doch das Vermietungsgeschäft ist selbst für die Großen schwieriger geworden. Nach dem Vorbild der Billig-Fluggesellschaften haben die großen Autoverleiher eigene Billigmarken gegründet. Immer mehr Discountanbieter drängen in den Markt. Den Zusatzgewinn beim Gebrauchtwagenverkauf, den Sixt & Co. bis Ende der neunziger Jahre hatten, gibt es heute nicht mehr. Zudem haben die Autohersteller begriffen, daß Verkäufe an die Verleiher das Problem schleppender Absatzzahlen bestenfalls für sechs Monate lösen und danach die Mietautos als junge, extrem günstige Gebrauchte den Neuwagenverkauf erschweren. Die Marge aus dem Vermietgeschäft wird in der Branche aber noch auf 5 bis 8 Prozent geschätzt.
Langzeitvermietung als ertragreiches Geschäft
Die Großen der Branche entdecken zunehmend die Langzeitvermietung als ertragreiches Geschäft. Statt die Autos an Geschäftskunden nur für wenige Tage zu verleihen, bieten sie ihnen das Management des gesamten Firmen-Fuhrparks über einen mehrjährigen Zeitraum an. „Die Autovermieter müssen zu Mobilitätsanbietern werden; das ist das Erfolgsrezept, dahin wollen alle“, sagt ein Manager eines Autovermieters. Für ihn gehört die Internationalität zwingend dazu. „Internationale Firmenkunden wollen überall auf der Welt ein verläßliches Angebot“, sagt er.
Deutschland-Marktführer Sixt sieht sich im Leasing bereits auf gutem Weg. Denn in dem ebenfalls hart umkämpften Flottenleasing bietet Sixt mit seiner Tochtergesellschaft Sixt Leasing wie die großen Leasinggesellschaften für Firmenkunden Pakete an. „Full-Service-Leasing“ umschreibt die zur Finanzierung offerierten zusätzlichen Dienstleistungen: Versicherung, Wartung und Verschleißreparaturen, Reifenwechsel bis hin zur Bereitstellung eines Mietwagens im Schadenfall. „Wir tun alles, was der Kunde wünscht“, sagt Hans-Norbert Topp, Vertriebsvorstand der Sixt AG. Gerade das Wissen, über das Sixt aus dem Vermietgeschäft verfügt, ist seiner Meinung nach auch im Full-Service-Leasing von Vorteil: „Wir wissen, was eine Reparatur kosten darf.“
18 Prozent der Gewinne durch Finanzdienstleistungen
Mit solchen Angeboten treten die Autovermieter in Konkurrenz zu den Leasinggesellschaften. Wichtige Financiers deutscher Unternehmensflotten sind die GE Commercial Fleet Services, die zur französischen Bank BNP Paribas gehörende Arval-Gruppe, die ALD Lease-Finanz als Tochtergesellschaft der französischen Société Générale oder die VR-Leasing der Volks- und Raiffeisenbanken. Sie alle betreuen deutsche Unternehmen mit Flotten von bis zu 5.000 Fahrzeugen.
Die Banken und Leasinggesellschaften der Automobilwirtschaft, die Autobanken, sind als Tochtergesellschaften ihrer Herstellerkonzerne dabei die Marktführer, besonders im privaten Finanzierungs- und Leasinggeschäft. Ob Volkswagen Leasing, Daimler-Chrysler Services oder BMW Leasing, die jeweiligen Hersteller haben das Leasing- und Finanzierungsgeschäft längst als eine über den Verkauf hinausgehende Wertschöpfungsquelle erkannt. Auch der Autohandel kann partizipieren. Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hat festgestellt, daß knapp 18 Prozent der Gewinne über den Lebenszyklus eines Fahrzeugs durch Finanzdienstleistungen entstehen.
Das private Leasing wächst stetig
Zahlreiche Markterhebungen sehen im gewerblichen Leasing noch Potential. Viele Unternehmen wollen ihre Fahrzeugflotten vergrößern, sei es für Mitarbeiter im Außendienst oder als Anreiz in Form von Dienstwagen statt Gehaltserhöhung. Die Autovermieter wollen von diesem Trend profitieren. Aber auch das private Leasing wächst stetig. Heute ist fast jeder dritte Neuwagen geleast. Zwar ist das in der Regel teurer als der Barkauf, dafür bleibt der Kunde während der Vertragslaufzeit von unerwarteten Kosten verschont. Und nicht zuletzt ist angesichts steigender Listenpreise der Autos das „Langzeitmieten“ für Kunden mit knapper Kasse eine Möglichkeit, das Wunschauto zu fahren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.375,43 | −1,34% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2424 | −0,52% |
| Rohöl Brent Crude | 104,62 $ | −2,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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