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Branchen (20): Druckmaschinen Der mühsame Weg aus dem tiefen Tal

21.11.2005 ·  Drei deutsche Konzerne dominieren den Weltmarkt. Trotz starker Konkurrenz aus Asien sagen Experten Marktwachstum von 2 bis 5 Prozent im Jahr vorher. Das knüpft aber noch nicht an die Raten früherer Jahre an.

Von Michael Roth
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Was waren das für Zeiten, als die Druckmaschinenbranche ein Wirtschaftszweig war, dessen Wachstum noch keine Grenzen gesetzt zu sein schienen. Das ist fast fünf Jahre her. Seitdem mühen sich die deutschen Hersteller, die rund vier Fünftel des Weltmarktes unter sich aufteilen, an die guten alten Zeiten anzuschließen.

Wie tief die Druckmaschinenhersteller in der Krise steckten, zeigt ein Zitat von Bernhard Schreier, Vorstandschef des Weltmarktführers Heidelberger Druckmaschinen, im Juli 2003: „Ich kann wählen zwischen Rabatt für die Kunden oder Sozialplan für die Belegschaft.“ Das war der Tiefpunkt. „Seither hat die Branche einen ersten Schritt heraus aus der Talsohle getan“, machte Schreier den Aktionären von Heideldruck Ende Juli dieses Jahres Mut.

Zuwachsraten bis 5 Prozent

Erstmals sei in den Industrieländern wieder mehr gedruckt worden als im Jahr zuvor. Ähnliches ist von Koenig & Bauer (KBA) aus Würzburg zu hören. Die Investitionsbelebung hat sich fortgesetzt. Auch im deutschen Markt wird nach Jahren der Stagnation wieder investiert. Die MAN Roland AG, die sich mit KBA je nach Auftragslage am Jahresende auf dem zweiten Weltranglistenplatz abwechselt, sieht sich mit steigenden Auftragseingängen ebenfalls wieder auf Wachstumskurs.

Branchenauguren sagen voraus, daß es weiter aufwärtsgeht. Insgesamt wird damit gerechnet, daß die globalen Druckmärkte Zuwachsraten von 2 bis 5 Prozent pro Jahr aufweisen werden. Das kann allerdings noch nicht an alte Zeiten anknüpfen, als es hieß, der Druckmarkt wachse doppelt so schnell wie das Sozialprodukt.

Weiteres Marktwachstum vorausgesagt

Eine Gefahr jedenfalls scheint vorerst gebannt. Elektronische Medien ergänzen die gedruckten Medien und schaffen sogar eine zusätzliche Nachfrage nach Druckprodukten. Ein Indikator ist der weltweite Papierverbrauch. Der sei trotz Internet gestiegen, heißt es in einer Marktanalyse von KBA. Das größte Marktwachstum wird in Zukunft Verpackungen, Zeitschriften, Katalogen und Zeitungen vorausgesagt.

Der Zuwachs im Druckmaschinen-Geschäft der nächsten Jahre komme vor allem aus Ersatzinvestitionen in den Industrieländern und durch zusätzliche Volumina in den bevölkerungsreichen Schwellenländern wie Osteuropa, Südamerika, China und Indien, sagt Heideldruck-Chef Schreier voraus. Trotz der sich erholenden Werbe- und Druckkonjunktur ist der Preiswettbewerb intensiv. Die Preise liegen vor allem im Rollengeschäft um bis zu 20 Prozent unter dem Niveau von 1997. Im Bogengeschäft gibt es derzeit eine leichte Erholung.

Starker Euro im Wettbewerb von Nachteil

Vor allem gegenüber den japanischen Konkurrenten Komori und Mitsubishi haben alle drei deutschen Anbieter einen Wettbewerbsnachteil: den starken Euro. Vor allem im Dollarraum, in Amerika und Asien, schlug der Währungseffekt mit einem Kostennachteil von um die 30 Prozent zu Buche. Erst in letzter Zeit hilft der wieder etwas schwächere Euro bei der Auftragsakquisition.

Weltmarktführer Heideldruck, früher häufiger der „Mercedes der Branche“ genannt, hatte nicht nur mit dem Abwärtstrend des Marktes zu kämpfen. Der Konzern hat sich nach sehr teuren und auch gescheiterten Ausflügen in den Rollen- und den Digitaldruck wieder auf das besonnen, was man seit mehr als hundert Jahren kann: Bogenoffsetmaschinen. Hier geht es operativ voran, auch wenn es zu alten Spitzenrenditen noch ein weiter Weg sein dürfte. Immerhin ist die Auslastung nach Angaben von Schreier derzeit „nicht sehr gut, aber akzeptabel“.

Fertigung direkt in China

In Asien prescht Heideldruck vor. Der Konzern baut eine Fabrik in der Nähe von Schanghai. Hier sollen künftig einfache Druckmaschinen für kleinere Formate für den chinesischen Markt hergestellt werden, später auch für den Export. Eine Konkurrenz für die Produktion an deutschen Standorten sieht Schreier nicht. „Das werden wir aus Deutschland heraus nicht schaffen, das ist viel zu teuer“, erklärt Vorstandschef Schreier. Heideldruck ist der erste Hersteller weltweit, der komplette Druckmaschinen direkt in China fertigt. Es gehe vor allem darum, gegenüber den Wettbewerbern vor Ort wettbewerbsfähig zu sein, macht Schreier klar.

Konkurrent KBA hat seine China-Pläne wieder in die Schublade gesteckt und ist in Tschechien aktiv geworden. Dort wurde die Firma Grafitec aus Hradec Králové (Königgrätz) übernommen. Grafitec stellt Bogendruckmaschinen der kleineren Formatklassen her. Die Maschinen sollen das KBA-Sortiment in den unteren Preisklassen ergänzen und sind auch für den Export nach Asien gedacht. Im Gegensatz zu Heideldruck kann KBA bereits liefern. Als Konkurrenten in dem Einstiegssegment gelten die japanischen Hersteller Ryobi und Komori.

Restrukturierung in der Bogensparte dringend nötig

Nachdem sich Heideldruck in Sachen Strategie wieder auf Bewährtes besonnen hat, geht Vorstandschef Bernhard Schreier vorsichtig in die Offensive. Mit Bogenoffsetmaschinen im Großformat greift er KBA - den Weltmarktführer in dieser Sparte - direkt an. Der Markt ist zwar übersichtlich, aber die Nachfrage wächst kräftig. Der Angriff wird vor allem die noch mitten im Sanierungsprozeß steckende MAN Roland treffen. Im Gegensatz zum gut laufenden Rollengeschäft von Roland ist die Restrukturierung in der Bogensparte dringend nötig, zumal der Bereich quasi auf Bewährung im MAN-Konzern ist.

Bis zum Geschäftsjahresende will Konzernchef Håkan Samuelsson in dieser Sparte im operativen Geschäft keine Verluste mehr akzeptieren. Die Drohkulisse ist aufgebaut, auch wenn konkret von einem Verkauf nicht die Rede ist. Gerüchte, denen zufolge Heideldruck oder KBA nach Teilen der Roland-Bogensparte greifen, haben derzeit keine Grundlage. Und es scheint auch aufwärtszugehen. „Die eingeleiteten Kapazitätsanpassungen, Umstrukturierungen und Kostensenkungsmaßnahmen fruchten sichtlich“, teilte MAN Roland zuletzt mit. Gleichwohl ist in der Branche von Überkapazitäten im Roland-Bogengeschäft die Rede.

Weltmarktführer aus Deutschland

Vor möglichen Veränderungen im Eigentümerkreis steht Weltmarktführer Heideldruck nicht direkt, doch seit sich der Energiekonzern RWE und die Commerzbank aus dem Aktionärskreis verabschiedet haben, weht auch hier ein anderer Wind. Ein Teil der Aktien, welche die Commerzbank Anfang September verkaufte, ist in den Händen von Hedgefonds gelandet. Großaktionäre sind mit 12 Prozent die Allianz und mit 6 Prozent die Münchener Rück. Daß diese noch lange Heideldruck-Eigentümer bleiben, ist eher unwahrscheinlich.

So gesehen ist KBA in Sachen Eigentümerstruktur noch die auf absehbare Zeit stabilste der drei deutschen Branchengrößen. Die Familie des Vorstandsvorsitzenden Albrecht Bolza-Schünemann und andere Familienstämme halten rund 42 der Aktien. KBA ist auch der Konzern mit der längsten Historie. 1817 gründeten Friedrich Koenig und sein Kompagnon Andreas Bauer die Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer im Kloster Oberzell bei Würzburg. Diese Firma ist sozusagen die Mutter aller deutschen Druckmaschinenhersteller. Denn aus ihren Nachfolgern und Abspaltungen entstanden die drei deutschen Weltmarktführer Heideldruck, MAN Roland und KBA.

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