29.07.2007 · Finanzinvestoren greifen nach berühmten Designern. Dabei prallen zwei Kulturen aufeinander: Die Luxusunternehmen achten auf Anspruch, die Investoren auf Renditen. Gefährdet das die Kreativität? Oder garantieren die neuen Aktionäre Stabilität?
Von Christian Schubert, ParisMeist sind es Männer in grauen Anzügen. Seit einiger Zeit stehen ihnen auch Frauen in dunklen Kostümen zur Seite. Sie vertreten die Finanzindustrie, vor allem private Beteiligungsgesellschaften. Graue Anzüge und dunkle Kostüme sind jetzt immer häufiger in den exklusiven Modehäusern zu sehen; nicht weil sie sich neu einkleiden, sondern weil sie in edle Marken investieren. Jüngstes Beispiel: Der Finanzinvestor Permira hat die Kontrolle des italienischen Modehauses Valentino erobert und den verbleibenden Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet.
Wenn Permira Valentino unter seine Fittiche gebracht haben sollte, hat sich das Finanzhaus nicht nur elegante italienische Bekleidung, sondern vor allem die Kontrolle über Hugo Boss einverleibt: 51 Prozent des deutschen Modehauses aus Metzingen und 80 Prozent der Stimmrechte gehören Valentino.
Aufwendiger Service und anspruchsvolle Geschäfte
Die Finanzinvestoren sind in Teilen der Modebranche mehr gefürchtet als geschätzt, denn manche bringen kaltschnäuzig zum Ausdruck, dass sie nicht an schönen Dingen, sondern am Geldverdienen interessiert sind. Auch wird ihnen kein langer Atem zugetraut, der im zyklischen Modegeschäft oft aber gebraucht wird. „Das Geschäft ist kapitalintensiv“, warnt Alessandra Coppola, Analystin bei S & P Equity Research in London. „Gerade bei den hochwertigen Marken befindet sich die ganze Kette von der Produktion bis zum Vertrieb im eigenen Haus“, sagt sie. „Das kann teuer kommen.“
Auslagern kommt für die Edelmarken kaum in Frage, weil sie dann die Kontrolle über die Qualität verlieren könnten. Sie versuchen sich außerdem durch einen aufwendigen Kundenservice und durch ein Netz von anspruchsvoll gestalteten, eigenen Geschäften zu differenzieren. Zunehmend muss das auch auf den Wachstumsmärkten wie Russland, China und Indien geschehen, was Geld kostet. Ein schneller Profit ist da selten drin.
Es fehlen Nachfolger und Kapital
Dennoch lassen sich Private-Equity-Investoren nicht aufhalten. Warum solle man ihnen auch Steine in den Weg legen, denn sie würden viel Geld mitbringen, sagt Jean-Pierre Mocho, Präsident der Pariser Modemesse „Prêt-à-Porter“. Im Zuge der Permira-Übernahme wird Valentino mit 2,6 Milliarden Euro bewertet. Durch die schwergewichtigen Investoren werde die Modebranche, die in Frankreich viele kleine Anbieter bestimmen, ernster genommen, sagt Mocho. Er erinnert daran, dass die französische Mode- und Textilbranche auf einen Jahresumsatz von nur 21 Milliarden Euro komme, während Italien 47 Milliarden Euro schaffe. Auch von einem Zusammenprall zwischen den nüchternen Finanzleuten und bisweilen exzentrischen Modeschöpfern will er nichts wissen.
„Dieses Zusammentreffen ist gut, weil es die Modeschöpfer professioneller macht“, sagt er. Nicht erst mit Permira sind die Private-Equity-Investoren in die Modebranche eingedrungen. Tommy Hilfiger in den Vereinigten Staaten ist eines der ältesten Beispiele. Der Schweizer Schuhhersteller Bally gehört dem texanischen Investor TPG schon seit 1999. Jil Sander befindet sich unter dem Dach des britischen Finanzhauses Change Capital Partners, das vom Einzelhandels-Veteranen Luc Vandevelde gegründet wurde. Die vielfach noch von Familienunternehmen geprägte Modebranche - gerade in Italien - hat oft keine Alternative zum Verkauf, denn es fehlen die Nachfolger und das Kapital.
Börsengang bevorzugt
Das 1968 von dem Italiener in Paris gegründete Modehaus Azzaro ist für seine glanzvollen Abendkleider bekannt geworden. Azzaro starb 2003 im Alter von 70 Jahren, woraufhin das Geschäft in die Hände der Familienholding Compagnie Financière Frey überging, die mit Azzaro aber nicht glücklich wurde. Seit vergangenem Jahr gehört das Unternehmen dem spanischen Finanzinvestor Reig Capital, der unter anderem auch die spanische Schmuckmarke Vasari und Luxushotels zu seinem Portfolio zählt. Inzwischen gehe es wieder bergauf, heißt es in Paris. Die Finanzinvestoren brächten mehr Risikobereitschaft, Finanzkompetenz für die globale Expansion und den Willen zu größeren Akquisitionen mit, sagt der Deutschland-Chef eines großen Private-Equity-Hauses, der aufgrund einer aktuellen Transaktion derzeit ungenannt bleiben will.
„Wenn man die Kreativität gewähren lässt, sie aber mit der Logik und der Realität der Finanzwelt zusammenbringt, dann kann etwas sehr Fruchtvolles entstehen“, sagt er. Etliche Häuser ziehen einen Börsengang dem Kauf durch einen Finanzinvestor vor. Der italienische Lederwarenhersteller Ferragamo will im kommenden Jahr für die Börse bereit sein. „Ich sehe nicht, wie Private Equity die Luxusindustrie bereichern könnte“, sagt der Unternehmenschef Michele Norsa. Als weitere Börsenkandidaten gelten die Marken Prada und Versace, der Juwelier Damiani sowie der ebenso zum Luxusmarkt gehörende Yachthersteller Ferretti.
Edle Aura auf andere Bereiche ausdehnen
Wer auch immer als Investor in die Branche einsteigt, muss wissen, dass die Bekleidungsmode zwar häufig den Kern von Luxusmarken darstellt, doch in der Wertschöpfung nur eine Nebenrolle spielt. „Bekleidung hat schwache Margen, weil das Geschäft sehr saisonal ist“, sagt Peter Farren, Luxuswarenexperte beim französischen Broker Bryan Garnier. „Bei Accessoires wie Handtaschen ist das anders, sie können länger in den Regalen bleiben, auch wenn die Frau von heute ihre Handtasche immer häufiger wechselt.“ Accessoires müssen auch nicht in mehreren Größen angefertigt werden, von denen dann nicht alle verkauft werden.
Für die Luxuswarenhersteller besteht die Kunst darin, eine Aura um eine edle Bekleidungsmarke zu schaffen und diese auf andere Bereiche auszudehnen. Ein Haus wie Versace entwirft Produkte für die heimische Inneneinrichtung bis hin zu einem aerodynamisch geformten Lederstuhl. Christian Lacroix hat den französischen Hochgeschwindigkeitszug TGV innen ausgestattet.
Konzerne bringen Verhandlungsmacht mit
Auch ein Luxuswarenkonzern wie LVMH lebt nur zu einem geringen Teil von seinen Modemarken wie Fendi, Donna Karan, Marc Jacobs oder Kenzo, sondern zum großen Teil von seinen Handtaschen - einem immer heftiger umkämpften Markt, der aber noch gute Margen bietet. Ohne Aura geht es dabei nicht. Daher werden auf den Haute-Couture-Schauen Modehäuser gefeiert, die über das Jahr nur wenige, extrem aufwendig gemachte Kleider verkaufen. Wichtiger als der Profit ist die Strahlkraft des Exklusiven auf andere Produkte. Der LVMH-Konzern, der mit Givenchy auf den Haute-Couture-Schauen vertreten ist, nutzt diese für Champagner- und Cognacmarken. Was aus diesem Konzern kommt, muss edel und einen guten Preis wert sein, lautet die Botschaft an die Konsumenten, die es in beachtlicher Zahl tatsächlich glauben.
Multimarkenkonzerne wie LVMH oder PPR, der gerade erst die Mehrheit am deutschen Sportartikelhersteller Puma erworben hat, mit seinem Gucci-Imperium können ihren verschiedenen Marken auch unterschiedliche Rollen zuweisen und dadurch flexibel bleiben. Der Gucci-Chef Robert Polet etwa sehe Yves Saint Laurent, Bottega Veneta und die Kernmarke Gucci als Wachstumstreiber auf den angestammten Märkten, berichten Claudia D' Arpizio und Darrell Rigby von der Unternehmensberatung Bain & Co. Die Uhren von Boucheron und Gucci sowie die Kosmetik und die Parfums von YSL Beauté dagegen sollen neue Marktsegmente erobern. Und die Marken Sergio Rossi und Balenciaga seien erst für Wachstumserfolge auf lange Sicht vorgesehen.
Eines der schlagkräftigsten Argumente für die Konglomerate ist indes ihre Finanzkraft für die Eroberung des Einzelhandels. Das gilt umso mehr, als die Häuser in neue, schwierige Märkte expandieren müssen. „In Ländern wie Indien etwa gibt es kaum Einzelhandelsflächen“, sagt Analystin Coppola. „Vieles spielt sich dort in Fünf-Sterne-Hotels ab; nur ein Konzern wie LVMH hat da häufig genügend Verhandlungsmacht, um hineinzukommen.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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