15.01.2010 · Der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs wehrt sich gegen direkte politische Einflussnahme auf das Bankengeschäft. Vergütung sei keine Aufgabe für Regulierer. Doch Präsident Obama spricht von „obszönen Boni“. Und auch EZB-Präsident Trichet schaltet sich ein.
Der Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs wehrt sich gegen direkte politische Einflussnahme auf das Bankengeschäft. „Banken, besonders private und börsennotierte Institute, haben keine Verpflichtung, das Gemeinwohl zu fördern“, sagte Alexander Dibelius am Donnerstagabend auf einer Veranstaltung der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz. „Es ist unrealistisch und unberechtigt zu erwarten, dass Banken eine selbstlose Beziehung zu ihren Kunden haben, besonders auch bezogen auf die Kreditvergabe“, betonte der Banker. Die Geldinstitute dienten der Gesellschaft am besten, wenn sie unüberlegte Transaktionen und überzogene Risiken vermieden und Geld verdienten.
Doch nach Auffassung von Experten sind sie an der weltweiten Finanzkrise mit schuldig, weil hohe Boni die Risikobereitschaft von Bankern anheizen. Das Bonussystem vieler Finanzhäuser sei nicht mit einem eigenen Risikomanagement gekoppelt, sagte die Chefin des staatlichen Einlagenfonds der amerikanischen Banken (FDIC), Sheila Bair, vor einer Sonderkommission des Kongresses zur Untersuchung der Ursachen der Finanzkrise. Eine Risikobewertung werde kurzfristigen Profiterwartungen geopfert. Während Derivat-Geschäfte langfristig angelegt seien, sei die Vergütung mittels Bonuszahlungen auf kurzfristigen Ertrag ausgerichtet. „Diese kurzfristigen Leistungsanreize erhöhen die Risikobereitschaft“, sagte Bair.
„Direkte Verbindung“ zwischen Bonus und Risikobereitschaft
Ähnlich äußerte sich die Chefin der Börsenaufsicht (SEC), Mary Schapiro. Eine aus der Finanzkrise zu ziehende grundsätzliche Lektion sei, dass es eine „direkte Verbindung“ zwischen Bonusvereinbarung und unternehmerischer Risikobereitschaft gebe, sagte Schapiro. Nicht nur in Amerika stoßen die hohen Gewinne und Boni für Banker auf scharfe Kritik.
Die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase hat am Freitag einen überraschend hohen Nettogewinn bekannt gegeben (siehe J.P. Morgan Chase vervierfacht den Nettogewinn ). In der kommenden Woche werden die Quartalszahlen der Konkurrenten Citigroup und Bank of America erwartet. Beobachter rechnen damit, dass viele Finanzinstitute dann auch hohe Bonuszahlungen für ihre Manager verkünden werden, während die restliche Wirtschaft noch stark von der Krise geprägt und die Arbeitslosigkeit so hoch wie lange nicht mehr ist.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat die Banken zu einer Abkehr von ihrem bislang üblichen Vergütungssystem mit hohen Bonuszahlungen gemahnt. Es gebe einen breiten Konsens darüber, dass die vor der Finanzkrise übliche Lohnstruktur geändert werden müsse, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag. Trichet vermied es allerdings, die Bonus-Zahlungen als „obszön“ zu bezeichnen, wie es Amerikas Präsident Barack Obama getan hat.
Der bittet die Banken nun zur Kasse. Nach seinem Vorschlag sollen die größten Geldinstitute an der Wall Street rund 117 Milliarden Dollar an Rettungsgeldern zurückzahlen, mit denen die Regierung sie während der Finanzkrise vor dem Ruin bewahrt hatte: „Wir wollen unser Geld zurück, und wir werden es zurückkriegen“, sagte Obama (Obama will jeden Cent zurückholen).
Zugleich ließ Obama durchblicken, dass sein Vorschlag auch eine Antwort auf die Entscheidung der Banken ist, erneut schwindelerregende Bonuszahlungen zu verteilen. Seine Entschlossenheit, das Geld wiederzukriegen, werde nur noch größer, wenn er die Berichte über riesige Boni lese, die ausgerechnet solche Banken zahlen, die nur durch Milliarden-Rettungsgelder aus der Steuerkasse überleben konnten.
Weltweit haben die Regierungen in der Finanzkrise Milliardensummen in die Bankenbranche gepumpt, um den Kollaps vieler Häuser zu vermeiden. Goldman Sachs wurde wie alle anderen amerikanischen Geldhäuser zeitweise gestützt, hat die Staatshilfe von zehn Milliarden Dollar inzwischen aber zurückgezahlt. Angesichts dieser Hilfen üben Politiker Druck auf die Banken aus, die Unternehmen in der Rezession mit ausreichend Krediten zu versorgen. Besonders in Deutschland geht die Angst vor einer Kreditklemme um.
„Die schlimmsten Turbulenzen der Krise bereits hinter uns“
Trotz der Zurückhaltung einiger Banken bei der Darlehensvergabe sieht Dibelius dank eines boomenden Anleihemarkts keine Finanzierungsengpässe. Der positive Trend auf diesen Märkten werde sich 2010 fortsetzen, betonte der Top-Investmentbanker. Es gebe Grund für vorsichtigen Optimismus: „Ich glaube, dass die schlimmsten Turbulenzen der jüngsten Krise bereits hinter uns liegen“, sagte er.
Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hatte im November für Entrüstung gesorgt, als er die Arbeit von Banken als „Gottes Werk“ bezeichnete Goldman-Sachs-Chef Blankfein: „Ich bin nur ein Banker, der Gottes Werk verrichtet“). Die größte amerikanische Investmentbank erzielte im vergangenen Jahr wieder Milliardengewinne und will insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar an Boni ausschütten. Dibelius räumte ein, dass es in der Branche Bonus-Exzesse gegeben habe. Bei Verlusten gebe es keine Rechtfertigung für Prämien, sagte er. Die Bezahlung von Bankern sei aber grundsätzlich keine Aufgabe für Regulierer: Wer Löhne staatlich festsetze, gehe tendenziell in Richtung Planwirtschaft, betonte er.
Wie viele seiner Kollegen warnt auch der Goldman-Deutschland-Chef vor einer Überregulierung der Branche. Regeln seien immer nur Mittel zum Zweck und könnten niemals menschliches Versagen ganz verhindern. „Ein System mit absoluter Sicherheit wird es niemals geben.“ Es müsse künftig vielmehr darum gehen, bessere Spielregeln für alle Marktteilnehmer aufzustellen. So müsse sichergestellt sein, dass alle Risiken in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchten. „Viele Finanzinstitute waren zu kurzsichtig und sind zu hohe Risiken eingegangen“, räumte er ein. „Banken waren und sind aber nicht skrupellos beim Eingehen von Risiken. Sie versuchen, sich verantwortungsvoll und im Interesse ihrer Kunden und der Gesellschaft insgesamt zu verhalten.“
Goldman Sachs verfassungskonform?
Oliver Klein (kleinol)
- 15.01.2010, 10:35 Uhr
Banken sind nicht Skrupellos, aber Menschen schon.
Daniel J Hahn (137)
- 15.01.2010, 10:40 Uhr
Assymetrie
thomas vogel (t.u.vogel)
- 15.01.2010, 10:42 Uhr
Systemrelevanz
Ogdan Ücgür (Ogdan)
- 15.01.2010, 10:51 Uhr
Bingo
Terrence Troesch (twt89)
- 15.01.2010, 11:01 Uhr
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