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Böse Post vor dem Urlaub Siemens-Vorstand macht Ernst mit dem Stellenabbau

14.06.2008 ·  Siemens schickt seine Mitarbeiter mit schlechten Nachrichten in die Sommerferien: Der Konzern setzt die Axt an die Bürokratie. 10.000 Stellen könnten gestrichen werden. Die gute Nachricht: Ingenieure bleiben gesucht.

Von Georg Meck
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Siemens schickt seine Mitarbeiter mit schlechten Nachrichten in die Sommerferien. Der angekündigte Stellenabbau in der Verwaltung wird nun konkret. „In den nächsten Wochen erhalten die Mitarbeiter Klarheit über die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze“, sagt Personalvorstand Siegfried Russwurm.

Um mindestens 1,2 Milliarden Euro will Siemens die Verwaltungskosten drücken. Wie viele Jobs deswegen wegfallen, ist laut Vorstand noch nicht entschieden. Die IG Metall fürchtet den Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen weltweit.

Schneller und flinker werden

Der Stellenabbau sei unvermeidlich, argumentiert der Siemens-Vorstand. Die Ausgaben für Verwaltung und Vertrieb seien doppelt so hoch wie bei den schlagkräftigsten Konkurrenten: „Da sind wir nicht Weltklasse. Dass wir bei den Kosten so effizient sind wie der Wettbewerb, fordern natürlich auch unsere Eigentümer von uns.“

Im Herbst hatte der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher angekündigt, Siemens müsse schneller und flinker werden. Den Vorstand hat er sogleich verkleinert. Eine Hierarchieebene darunter, die Bereichsvorstände, hat er abgeschafft, die Existenz etlicher Stäbe in Zweifel gezogen. Zu vieles haben zu viele Menschen doppelt und dreifach gedacht und gemacht. So hatte es sich eingebürgert in 160 Jahren Siemens. Gegen dieses bürokratische Erbe kämpft Löscher an und weckt damit Ängste von Angestellten und mittlerem Management – besonders in München und Erlangen, wo sich die Siemens-Verwaltung ballt.

„Die Phase der Unsicherheit kurz halten“

„Die Unruhe in der Belegschaft ist im Umbruch normal. Deswegen ist es die Aufgabe des Managements, die Phase der Unsicherheit kurz zu halten“, sagt nun der neue Personalvorstand Russwurm. Seit April rede er mit dem Betriebsrat über die Eckpunkte des Sparpakets. Demnächst erhalten die Betroffenen Klarheit, ob sie noch gebraucht werden. So „sozialverträglich wie möglich“ werde der Stellenabbau abgefedert, gelobt Russwurm. Betriebsbedingte Kündigungen, so ist aus der Zentrale zu hören, wird es wahrscheinlich nicht geben, dafür das aus etlichen Sparrunden bekannte Instrumentarium: Qualifizierung, interne Versetzungen, Beschäftigungsgesellschaften.

„Die konkrete Ausgestaltung wird Gegenstand der Verhandlung mit den Betriebsräten“, sagt Vorstand Russwurm und weist darauf hin, dass Kosten nicht zwangsläufig an Köpfe gekoppelt sind: Wenn die Verwaltungsausgaben um zehn Prozent gekürzt werden, müssen nicht zehn Prozent der Angestellten gehen.

Von Beraterdiensten hält Löscher nur bedingt etwas

So zahlt Siemens jedes Jahr 600 Millionen Euro für Berater. Von deren Diensten halte er „nur bedingt etwas“, lässt Vorstandschef Löscher wissen - die Hälfte der Ausgaben wird gestrichen. Auch in der hauseigenen IT hat er 300 Millionen Euro Sparpotential ausgemacht. Zudem will er die Zahl rechtlich eigenständiger Konzerngesellschaften halbieren (auf dann 1000) - auch das spart Geld.

Ziemlich genau vor einem Jahr, im Juli 2007, hat Löscher - der erste Siemens-Chef, der von außen kam - sein Büro am Wittelsbacherplatz bezogen. Seither ist nichts mehr, wie es war, und das liegt beileibe nicht an der Renovierung der Fassade der Konzernzentrale. Im Zuge der Korruptionsaffäre hat der neue Chef das Portfolio neu geordnet, alte Netzwerke im Management gekappt und die Führung mit Leuten seines Vertrauens besetzt.

„Definitiv mehr als die Hälfte ausgetauscht“

Von den Top-100-Managern habe er „definitiv mehr als die Hälfte ausgetauscht“, sagt der Vorstandschef. Und der neue Personalvorstand, ein Siemens-Eigengewächs, sieht sich mit seinen 44 Jahren als lebendes Beispiel dafür, dass im Konzern nicht mehr nach dem Senioritätsprinzip befördert wird.

Natürlich hat das Image des Konzerns unter dem Skandal um schwarze Kassen gelitten. In den Umfragen zu den beliebtesten Arbeitgebern Deutschlands ist Siemens zurückgefallen. In der Zahl der Bewerbungen spiegele sich das jedoch nicht, sagt Personalvorstand Russwurm: „Wir hatten jüngst 15.000 Online-Bewerbungen in einem Monat, nur in Deutschland. Der Durchschnitt lag immer um die 13.000 Bewerbungen.“

„Wir waren noch nie ein statischer Konzern“

Denn Sparpaket hin, Sparpaket her: Siemens sucht ständig Personal. „Wir waren noch nie ein statischer Konzern. Allein im ersten Halbjahr 2008 haben wir in Deutschland netto 3000 Stellen aufgebaut.“ Im Moment hat das Unternehmen 3200 offene Stellen in Deutschland. „Wir suchen fast 2000 Ingenieure.“ Deutschland erzeuge zu wenig Ingenieure, klagt Manager Russwurm. „Das Potential junger Frauen wird viel zu wenig genutzt.“ Findet sich eine, dann ist die im Durchschnitt besser als der männliche Kollege: „Es gibt keine junge Frau, die sich für ein Ingenieursstudium aus Verlegenheit entscheidet.“

Um an seinen Hightech-Nachwuchs zu kommen, zieht Siemens alle Register, sogar Geldscheine, wie der Personalvorstand berichtet: „Wer uns einen seiner Bekannten vermittelt, erhält eine Prämie - zwischen 2000 und 3000 Euro, je nach Unternehmensbereich, wo ein solches Programm gerade läuft.“

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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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