31.10.2008 · Die Vorstände der Deutschen Bahn bekommen laut einem Medienbericht im nächsten Jahr nicht nur Sonderzahlungen bei einem Börsengang, sondern auch generell höhere Grundgehälter. Die Steigerungen betrügen teilweise 20 Prozent und mehr.
Die Vorstände der Deutschen Bahn sollen einem Zeitungsbericht zufolge im nächsten Jahr deutlich mehr Geld bekommen. Bei den Grundgehältern sei eine starke Aufstockung vorgesehen, auch die Leistungszulagen könnten, sofern das Staatsunternehmen Umsatz und Gewinn steigert, wesentlich höher ausfallen. Das schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ (“SZ“; Freitagausgabe) und beruft sich dabei auf den bislang unter Verschluss gehaltenen Prospekt für den geplanten Börsengang des Verkehrskonzerns, der dem Blatt in Auszügen vorläge. Die Steigerungen betrügen teilweise 20 Prozent und mehr.
Das Gehalt von Bahnchef Hartmut Mehdorn steige demnach von 750.000 auf 900.000 Euro. Mehdorns Leistungszulage könnte im für ihn günstigen Fall in diesem Jahr 2,99 Millionen Euro, im nächsten Jahr 3,51 Millionen Euro betragen.
Hohe Zuwächse für Personalchefin Margret Suckale
Besonders hoch fielen die Zuwächse bei Personalchefin Margret Suckale aus, die zusätzliche Aufgaben im Konzern übernehme. Ihr Grundgehalt steigt von 400.000 auf 550.000 Euro, bei den Leistungszulagen solle ihr Plus 20 Prozent betragen. Im günstigsten Fall könnte Suckale 2009 fast zwei Millionen Euro Sonderhonorar bekommen. Suckale habe als einziger weiblicher Vorstand der Bahn allerdings auch den größten Nachholbedarf. Ihre Kollegen in der Konzernspitze verdienen deutlich mehr. Auch deren Gehälter und Leistungszulagen sollen steigen, allerdings weniger stark als bei Suckale.
Die Bahn habe auf Anfrage erklärt, 2007 seien die Vorstandsbezüge im Vergleich zum Vorjahr gesunken. „Die Vergütung liegt nach wie vor im unteren marktüblichen Bereich.“ So werde das laut „SZ“ auch in Aufsichtsratskreisen gesehen. Im Vergleich zu anderen Großunternehmen bezahle die Bahn ihre Manager eher moderat. „Bei einem Chemie-, Energie- oder Autokonzern bekommt man für dieses Geld keinen Vorstand.“ Im übrigen habe die Bahn ihre Betriebsergebnisse über die Jahre hinweg deutlich gesteigert.
Nach Angaben der Zeitung sind im Börsenprospekt auch die Tantiemen für die geplante Teil-Privatisierung des Staatsunternehmens aufgelistet. Falls es zum Börsengang komme, seien folgende Mindestzahlung vorgesehen: 140.000 Euro bei Konzernchef Mehdorn, 120.000 Euro bei Finanz-Vorstand Diethelm Sack und jeweils 100.000 Euro bei den übrigen Vorständen. Mehdorn könne im für ihn besten Fall 1,2 Millionen Euro Sonderhonorar kassieren, die anderen Vorstände kämen auf 1 oder 1,2 Millionen Euro. Dazu müssten beim Verkauf der Aktien nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen aber weit mehr als die zuletzt kalkulierten gut fünf Milliarden Euro in die Kassen von Bund und Bahn fließen. Das gelte im Aufsichtsrat allerdings als unrealistisch. Dort hoffe man auf wenigstens 4,5 bis 5 Milliarden Euro. Das sei das Ziel. Laut Börsenprospekt werde die „Zielerreichung“ bei Mehdorn mit 560.000 Euro honoriert, bei Sack mit 480.000 Euro und bei den anderen Vorständen mit 400.000 Euro.
FDP-Verkehrsexperte fordert Rücktritt Tiefensees
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat nach einem anderen Zeitungsbericht schon erheblich früher als behauptet von den - von ihm heftig kritisierten - Bonuszusagen an den Vorstand der Deutsche Bahn gewusst. Die „Financial Times Deutschland“ berief sich am Freitag mit dieser Darstellung auf Informationen aus dem Umfeld von Tiefensees Ministerium und des Bahn-Aufsichtsrates. Diese Vereinbarungen seien zudem im Börsenprospekt der Bahn enthalten, der dem Minister seit 2. Oktober zugänglich sei. Ein Ministeriumssprecher habe hingegen erklärt, Tiefensee habe erst vor ein bis zwei Wochen von den Bonus-Vereinbarungen erfahren. Den Börsenprospekt habe Tiefensee noch nicht gelesen.
Vom Ministerium waren zunächst keine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht zu erhalten. Der Bahn-Konzern wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Tiefensee hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aufgefordert, auf die vereinbarte Bonuszahlung bei einem Börsengang zu verzichten.
Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich forderte den Rücktritt Tiefensees. Der SPD-Politiker sei mitverantwortlich für die unzureichenden Rahmenbedingungen beim ausgesetzten Börsengang, sagte Friedrich der „Berliner Zeitung“. Zudem müsse er von den Plänen für die umstrittenen Bonuszahlungen gewusst haben.
Höhere Gehälter
Gerd Lehmann (Gerd_L)
- 31.10.2008, 11:01 Uhr
Ein weiterer Tiefpunkt
Peter Sommer (psommer)
- 31.10.2008, 11:25 Uhr
Frau Merkel übernehmen Sie ...
Rudolf Wallenburger (UIS0547)
- 31.10.2008, 13:12 Uhr
Mehdorn macht doch alles richtig!!!
Benjamin Blümchen (BenjaminBe)
- 31.10.2008, 14:24 Uhr
Nachvollziehbare Gehaltserhöhung?
Jens Harke (jha2000)
- 31.10.2008, 14:38 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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