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Börsengang geplant Joop steigt bei Schiesser ein

29.06.2010 ·  Der Modemacher Wolfgang Joop soll den insolventen Wäschehersteller Schiesser beim Gang an die Börse unterstützen. Dafür hat sich der Gläubigerausschuss nun entschieden.

Von Susanne Preuß
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Die Zukunft des insolventen Unterwäscheherstellers Schiesser scheint gesichert. Wie Insolvenzverwalter Volker Grub am Dienstag mitteilte, hat sich der Gläubigerausschuss für eine Zusammenarbeit mit Wolfgang Joop entschieden. Der Modeschöpfer aus Potsdam werde eine Minderheit an dem Radolfzeller Unternehmen kaufen und es selbst als Berater unterstützen Die restlichen Firmenanteile sollen an die Börse gehen.

„Wolfgang Joop wird wesentlich dazu beitragen, die Marke Schiesser in ihrer Attraktivität zu stärken und zu profilieren“, sagte Grub. Joop selbst zeigte sich erfreut über die Entscheidung: Schiesser verfüge über „eine großartige Belegschaft und eine starke Marke“. Das seien zwei entscheidende Faktoren, um weiter profitabel zu wachsen, erklärte der Designer. Das Traditionsunternehmen hatte Anfang Februar vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet.

Mit Börsengang Gläubiger bedienen

Die Forderungen der Gläubiger über 86 Millionen Euro könnten nach Einschätzung von Grub mit einem Börsengang beinahe voll befriedigt werden. „Ich bin vom Unternehmen Schiesser, insbesondere von der Leistungsfähigkeit, den Mitarbeitern, der Kultur und der Marke begeistert. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Schiesser“, erklärte der Modemacher Anfang Juni und hatte damit den falschen Eindruck erweckt, als sei schon alles geregelt. Joop hatte schon kurz nach dem Insolvenzantrag sein Interesse kundgetan. Insolvenzverwalter Volker Grub, 72, ließ sich daraufhin öffentlichkeitswirksam mit Joop, 65, fotografieren - und schaffte es so, den Namen Schiesser in den Medien zu halten. Sogar die „Bunte“ berichtete.

Spekuliert wird in der Branche, ob Joop sich für einen Einstieg bei Schiesser die Unterstützung des in der nahen Schweiz sitzenden Modelabels Strellson gesichert haben könnte, das nicht nur mit Geld, sondern auch bei der strategischen Weichenstellung helfen könnte. In Medienberichten war auch schon von einer Kooperation mit Wella-Erben die Rede. Tatsächlich dürfte sich das finanzielle Engagement von Joop, der Anfang Juni die Führung seines Labels „Wunderkind“ aufgegeben hat, in Grenzen halten.

Gewinnwende schon geschafft

Geplant ist dem Vernehmen nach, dass die Sachwerte von Schiesser in eine neue Aktiengesellschaft eingebracht werden, ohne dass Geld fließt. Durch einen Börsengang könnten mindestens 80 Millionen Euro erlöst werden, erwartet Grub - sei es noch in diesem Jahr oder spätestens nächstes Frühjahr. Verhandlungen mit Banken habe es schon gegeben. Zum Vergleich: Der Hamburger Modekonzern Tom Tailor hat mit seinem Börsengang im März zwar 143 Millionen Euro erlöst, die Aktie dümpelt aber seither um den Ausgabekurs. Ob das angestaubte Image des Feinripp-Spezialisten Schiesser mehr Begeisterung auslöst, wird von manchen in Frage gestellt.

Die Gewinnwende hat Schiesser inzwischen schon geschafft. Unrentable Lizenzgeschäfte, etwa mit Puma oder Tommy Hilfiger, hat Schiesser gleich nach dem Insolvenzantrag aufgegeben, die Belegschaft ist von 2300 auf 1900 Mitarbeiter verkleinert worden. Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Mai sei Schiesser wieder in der Gewinnzone, berichtete das Unternehmen Anfang dieses Jahres. Für dieses Jahr seien ein Umsatz von 128 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 9,5 Millionen Euro geplant. Geholfen hat Schiesser die Nachfrage nach warmer Winter- und Sportwäsche während des langen Winters. Zugleich habe das Designteam die Damenkollektion und die junge Undercover-Kollektion neu positioniert.

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