23.08.2007 · An den globalen Finanzmärkten hat sich die Anspannung weiter gelöst. Der Hinweis der Europäischen Zentralbank, trotz der allgemeinen Unsicherheit an ihrem geldpolitischen Kurs festzuhalten, habe beruhigend gewirkt. Das berichten Händler.
An den globalen Finanzmärkten hat sich die Anspannung am Donnerstag weiter gelöst. Der Hinweis der Europäischen Zentralbank (EZB) von Mittwoch, trotz der allgemeinen Unsicherheit an ihrem geldpolitischen Kurs festzuhalten, habe beruhigend gewirkt, berichteten Händler. Offenbar gehe die EZB davon aus, dass die Krise keine nachhaltige Auswirkung auf die reale Wirtschaft haben werde. An den Aktienmärkten in Asien sind die Kurse am Donnerstag kräftig gestiegen, in Europa bis zum späten Nachmittag leicht. An der amerikanischen Wall Street entwickelten sich die Börsen zunächst uneinheitlich.
In Tokios hat die Zentralbank ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 0,5 Prozent zu belassen. Noch im Juli hatte Notenbankgouverneur Toshihiko Fukui vor dem Hintergrund der guten Konjunkturentwicklung eine Zinserhöhung signalisiert. Doch die jüngsten Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten ließen die Bank of Japan nun am Niedrigzins festhalten. Daraufhin legte der Nikkei-225-Aktienindex mehr als 400 Zähler zu. Das Börsenbarometer war in den vergangenen Tagen deutlich abgesackt.
Leitzinserhöhung Anfang September erwartet
In Europa richteten sich die Finanzmärkte darauf ein, dass die EZB ihren Leitzins am 6. September von 4 auf 4,25 Prozent erhöhen wird. Die EZB hatte diese Absicht, die sie schon vor Ausbruch der akuten Turbulenzen bekundet hatte, am Mittwoch noch einmal bekräftigt. Obwohl höhere Zinsen an den Finanzmärkten meistens eher unwillkommen sind, war die Reaktion überwiegend positiv. Die EZB-Mitteilung wurde als Anzeichen gewertet, dass die Notenbank die Krise als begrenzt und beherrschbar betrachte. Abgesehen davon halte sich der EZB-Rat stets offen, kurzfristig auf neue Entwicklungen zu reagieren, hieß es.
Um den Geldhandel auf dem Interbankenmarkt wieder in Gang zu bringen, hat die EZB am Donnerstag über ein Leihgeschäft mit dreimonatiger Laufzeit zusätzlich 40 Milliarden Euro zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 4,49 Prozent in das Bankensystem gebracht. Die Banken hatten Gebote über insgesamt 126 Milliarden Euro unterbreitet - ein vergleichsweise hoher Betrag, der für den großen Bedarf der Banken an Liquidität mit dreimonatiger Laufzeit spricht. Hintergrund ist, dass die Banken wegen der Vertrauens- und Absatzkrise bei kurzfristigen Wertpapieren (Commercial Paper) nun verstärkt Kredite gewähren müssen. Sie lösen damit früher gemachte Zusagen ein.
Zuversicht in Amerika
Auch in den Vereinigten Staaten haben sich die Märkte beruhigt. Dazu beigetragen hat, dass die Großbank Bank of America für 2 Milliarden Dollar Vorzugsaktien des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Countrywide gekauft habe. Das habe Countrywide stabilisiert und zudem Zuversicht aufkommen lassen, dass die Hypothekenkrise nicht aus dem Ruder laufen werde, kommentierten Aktienhändler. Positiv wurde zudem gewertet, dass die vier größten amerikanischen Banken vom Angebot der Notenbank Fed Gebrauch gemacht, sich zu einem ermäßigten Zins am sogenannten Diskont-Fenster Geld zu leihen. Citigroup, Bank of America, J.P Morgan Chase und Wachovia nahmen den zum Zins von 5,75 Prozent angebotenen Diskontkredit jeweils im Volumen von 500 Milliarden Dollar in Anspruch. Zuvor hatte schon die Deutsche Bank auf diesem Weg einen Kredit bei der Fed aufgenommen. Die Entscheidung der Großbanken hat vor allem symbolischen Charakter, denn sie sind durchaus in der Lage, sich auf dem Geldmarkt günstigere Darlehen zu beschaffen. Die Notenbank hofft, dass dadurch das Stigma beseitigt wird, mit dem der Diskontkredit vielfach behaftet ist: Die Inanspruchnahme des verhältnismäßig teuren Kredits gilt vielfach als Hinweis auf finanzielle Schwierigkeiten einer Bank.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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