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Boeing 747 : Der Abschied vom Jumbo-Jet rückt näher

Eine 747 im Anflug auf London-Heathrow. Bild: AFP

Der Jumbo-Jet „Boeing 747“ hat es schwer. Lange wird über sein Ende spekuliert. Jetzt spricht Boeing erstmals offiziell darüber.

          Rückschläge bei diversen Flugzeugprogrammen machen Airbus und Boeing schwer zu schaffen. Während beim europäischen Hersteller Folgen von Missmanagement beim überteuerten Militärprojekt A400M zu Buche schlagen, musste der amerikanische Rivale nach Abschreibungen in Milliardenhöhe einen Quartalsverlust vermelden. Boeing teilte außerdem mit, sich womöglich von dem auch als Jumbo bekannten Modell 747 verabschieden zu wollen, seinem wohl berühmtesten Flugzeug, das sich aber immer schlechter verkauft. „Es ist möglich, dass wir uns entscheiden könnten, die Produktion der 747 zu beenden“, hieß es in einer Mitteilung.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Damit hat Boeing nun offen ausgesprochen, was sich schon seit einiger Zeit abzeichnete. Erst vor wenigen Tagen hat der Konzern zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten eine Abschreibung von mehr als 800 Millionen Dollar auf das 747-Programm angekündigt. Boeing hat sich außerdem von seinem Ziel verabschiedet, die Produktion des Modells von 2019 an wieder auf zwölf Maschinen im Jahr anzuheben. Das Unternehmen gibt zu, weniger Aufträge für die Maschine hereinzuholen als erhofft. Das Großraumsegment ist nicht nur für Boeing schwieriger geworden. Auch Airbus hat kürzlich angekündigt, die Produktion für den 747-Wettbewerber A380 zurückzufahren. Der Boeing-Jumbo wurde 1969 eingeführt und bis heute mehr als 1500 mal produziert und ausgeliefert.

          Die 747 war nur eines von drei Flugzeugprogrammen, bei denen Boeing im vergangenen Quartal Sonderabschreibungen vornehmen musste. So gab es auch Abschreibungen auf das noch junge Langstreckenflugzeug 787 („Dreamliner“), weil das Unternehmen zwei Testflugzeuge des Typs nicht los wird. Zu weiteren Belastungen führten die Pannen bei der Entwicklung eines neuen Tankflugzeugs für die US Air Force. Insgesamt addierten sich die Sonderabschreibungen auf 2,1 Milliarden Dollar, was dazu führte, dass Boeing einen Quartalsverlust von 234 Millionen Dollar ausweisen musste. Boeings Konzernchef Dennis Muilenburg will zudem seine Gewinnziele für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigieren.

          Auch Airbus schreibt ab

          Bei Airbus sorgten Fehler im Getriebe der neu entwickelten Propellertriebwerke beim ohnehin reichlich verspäteten Truppentransporter für Hiobsbotschaften. Nach eingehender Prüfung des Projekts musste Airbus zur Jahresmitte eine Sonderbelastung von rund einer Milliarde Euro verkünden. Der hohe Betrag setzt sich nach Angaben von Konzernchef Tom Enders aus mehreren Posten zusammen. So fordern Käuferstaaten wie Deutschland Schadensersatz für die Fülle an technischen Problemen und die unzureichende Einsatzfähigkeit des Transporters. Neben der Belastung in der Militärsparte wurden weitere 400 Millionen Euro fällig, weil sich durch Probleme mit mehreren Lieferanten die Produktion des neuen Passagierflugzeugs A350 verzögerte.

          Im Gegensatz zu Boeing hält Airbus aber an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest, auch wenn die Probleme des A400M das Tagesgeschäft weiterhin belasten werden. Für den nötigen Ausgleich sorgten im Berichtszeitraum sowohl Sondererlöse aus dem Verkauf von Beteiligungen wie auch die zivile Flugzeugsparte, die der wichtigste Umsatz- und Gewinnträger des Konzerns ist. Verzögerungen in der Flugzeugproduktion von Airbus führten indessen zu verspäteten Auslieferungen an die Fluggesellschaften.

          Der Umsatz verringerte sich in den vergangenen sechs Monaten daher um ein Prozent auf 16,6 Milliarden Euro. Der um Einmaleffekte bereinigte operative Gewinn (Ebit) schrumpfte um vier Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro. Hier machten sich die jüngsten Triebwerksprobleme des neu entwickelten Kurzstreckenflugzeugs A320 Neo bemerkbar, auf die der Erstkunde Qatar Airways vergrätzt reagierte und die Annahme verweigerte. Nach Angaben von Enders sind die verbesserten Triebwerke für die neue Modellreihe eingetroffen und sollen in die vorproduzierten Flugzeuge eingebaut werden. Schwieriger sind die Probleme beim A350 zu lösen. Airbus bangt um sein Ziel, bis Jahresende 50 Exemplare auszuliefern. Laut Enders sind für die jüngsten Pannen die Lieferanten für die Kabinenausstattung verantwortlich. Auf der Mängelliste stehen Sitze und Toiletten.

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