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Pharmakonzern : Boehringer leidet unter der Klagewelle in Amerika

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Etwa 4000 Kläger waren wegen Pradaxa gegen Boehringer vorgegangen. Bild: Picture-Alliance

Die Klagewelle in Amerika wegen des Schlaganfallmittels Pradaxa hat Patienten und Ärzte verunsichert. Die Verkaufszahlen bleiben hinter den Erwartungen zurück – und Boehringer wappnet sich schon gegen neue Klagen.

          Trotz eines 650 Millionen Dollar teuren Vergleichs in Amerika: Boehringer Ingelheim wird die Sorgen um sein Schlaganfallmittel Pradaxa nicht los: Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung liegen die Verkaufszahlen mit dem wichtigsten Wachstumstreiber hinter den Erwartungen, weil die Klagewelle in Amerika Patienten und Ärzte verunsichert hat. Und: Der Konzern wappnet sich sicherheitshalber gegen mögliche neue Klagen. Das sagten Manager des zweitgrößten deutschen Arzneikonzerns bei einer Mitarbeiterversammlung, auf der sie die Dimensionen solcher Rechtsstreits erläuterten; die Aussagen sind in einer Mitteilung an Beschäftigte dokumentiert. Das Unternehmen kann aber auch einen Erfolg verbuchen: Ausreichend viele Kläger haben das Vergleichsangebot angenommen, damit die Einigung in Kraft treten kann – das ist aus einem Protokoll des zuständigen Gerichts im Bundesstaat Illinois zu entnehmen.

          Etwa 4000 Kläger waren wegen Pradaxa gegen Boehringer vorgegangen. Im Kern machten sie das Mittel für gefährliche Blutungen verantwortlich und warfen dem Konzern vor, nicht ausreichend über Nebenwirkungen informiert zu haben. Pradaxa war voriges Jahr mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz – währungsbereinigt ein Sechstel über Vorjahr - das kommerziell drittwichtigste Medikament des Unternehmens. Im Mai kündigte Boehringer einen Vergleich an, der das Unternehmen umgerechnet 500 Millionen Euro kostet.

          Doch der Schaden geht über diese Vergleichssumme hinaus, wie auf der Mitarbeiterveranstaltung deutlich wurde: Die negative Publicity als Folge der Klagewelle habe die Verkaufszahlen beeinträchtigt, sagte der für die Arznei zuständige Leiter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Georg van Husen. Sie spiele sicherlich eine Rolle dabei, dass das Pradaxa-Geschäft hinter den Erwartungen liege.

          Die Klagen können Boehringer teuer zu stehen kommen

          Weitere Klagen wegen des Schlaganfallmittels seien nicht auszuschließen, sagte Chefjustiziar Andreas Neumann auf der Veranstaltung. Das Unternehmen sei aber zuversichtlich, dass „die Zahl neuer Klagen gering bleiben wird“, sagte Boehringer-Jurist Tim Sperling.

          Die Veranstaltung fand im Juli statt; die Aussagen sind aber unverändert gültig, wie eine Unternehmenssprecherin zum Wochenende sagte. Vor allem in den Vereinigten Staaten habe sich die negative Publicity, auch die Werbung der Klageanwälte bemerkbar gemacht: „Da gab es Billboards [Werbeplakate], Fernsehspots – auf dem amerikanischen Markt bekommen wir das sehr deutlich zu spüren.“ Konkrete Zahlen nannte sie nicht.

          Boehringer illustrierte auf der Veranstaltung die Risiken bei Klagewellen in den Vereinigten Staaten. „Jeder der rund 4000 Fälle hätte uns theoretisch etwa 7 bis 8 Millionen US-Dollar gekostet“, rechnete Neumann vor – im theoretischen Extremfall also rund 30 Milliarden Dollar.

          Damit Boehringers Vergleich in Amerika gültig wird, muss sich ein Großteil der Kläger ihm anschließen – mindestens 90 bis 95 Prozent, wie zu hören ist. Das Unternehmen lehnt dazu einen Kommentar ab. Nach Aussage eines Klägeranwalts, Seth Katz, ist das Quorum aber inzwischen erfüllt. „Seth Katz erklärt, dass die Schwelle für den Vergleich erreicht worden ist“, heißt es im jüngsten Sitzungsprotokoll des maßgeblichen Bezirksgerichts in Illinois. Den Boehringer-Anwalt Robert Limbacher zitiert es, 130 Parteien hätten sich dem Vergleich nicht angeschlossen – das wären etwa drei Prozent. 19 Fälle stünden noch aus.

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