http://www.faz.net/-gqe-7711h

Bodenschätze : Milliardär Forrest hat auf Sand gebaut

Andrew Forrest will nicht, dass unter seiner Farm gegraben wird Bild: REUTERS

Sein Geld verdient er mit Bergbau und dem Umgraben von Land. Doch nun will Andrew Forrest, einer der größten Minenbesitzer in Australien, den Abbau von Sand unter seinem Anwesen per Rechtsstreit verbieten lassen.

          Er wird mit den eigenen Mitteln geschlagen: Auf der Suche nach Erz lässt der Bergbaubaron Andrew Forrest halb Australien untergraben. Der reichste Mann des Landes ist einer der größten Minenbesitzer, verschifft Millionen Tonnen Erz nach China. Wenn aber unter seinem eigenen Land gebuddelt wird, reagiert er allergisch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der 51-jährige Gründer der Fortescue Metals Group sitzt auf einer riesigen Farm - sie misst fast dreimal die Fläche Berlins. Dort züchtet er Rinder. Gebaut aber hat Forrest auf Sand. Und dessen Wert steigt mit der Zahl neuer Raffinerien in Westaustralien. Deshalb untergraben immer mehr Konkurrenten Forrests Stellung. Und das systematisch. Jetzt begehrt den Sand das Unternehmen Yarri Mining. Denn es braucht ihn, um ausgerechnet für Forrests großen Konkurrenten, den weltgrößten Bergwerkskonzern BHP Billiton und dessen Projektpartner Chevron Corp. eine Gasförderanlage zu bauen.

          Yarri erhofft sich, unter Forrests Füßen nach Sand schürfen zu dürfen, weil in Australien andere Gesetze herrschen. Die Oberfläche seines Grundes und Bodens gehört einem Landbesitzer nur bis zur Tiefe von einem Meter. Das, was darunter liegt, gehört dem australischen Volk. Deshalb kann derjenige, der einen Schürftitel erwirbt, unten graben, während oben jemand anderes residiert. Ein Richterspruch entscheidet über den Zugriff eines Interessenten. Letztlich spricht der Staat damit das Recht an den Rohstoffvorkommen Australiens den Australiern insgesamt zu - und nicht etwa dem Erben unermesslicher Landflächen, wie Forrest einer ist.

          Rechtsstreit um Sand

          Der Milliardär residiert auf der Minderoo Station, einer Ranch in Nordwest-australien. Es ist ein Bauernhof mit Tradition: Denn gegründet wurde er 1878 von seinem Großgroßonkel Sir John Forrest, der wiederum der erste Ministerpräsident des Bundeslandes Western Australia war. Die Farm liegt in der Pilbara, der wilden Steinwüste im Norden des Fünften Kontinents. Auf einer Fläche von 225.000 Hektar haben Forrests Rinder viel Auslauf - genau 140 Hektar davon will nun Yarri umgraben. Dabei hat das Unternehmen, dessen beide einzige Aktien im vergangenen Jahr für genau einen Dollar an die Singapurer Euro Resources verkauft wurden, Erfahrung in Landstreitigkeiten.

          Der Oberbergmann Forrest allerdings bezweifelt Yarris Kompetenz: Das Unternehmen habe „keine stichhaltige Strategie und nicht die Finanzkraft, ordentlichen Bergbau zu betreiben“, sagen seine Rechtsanwälte. Seine private Firma Forrest & Forrest führt seit zwei Jahren einen erbitterten Rechtsstreit um den Sand. Unter anderem argumentiert sie auch damit, die Rinder könnten sich von den Arbeiten gestört fühlen. Zuletzt forderte sie eine jährliche garantierte Zahlung von 200.000 australischen Dollar (154.200 Euro) für das Schürfen. Der Richter aber sieht das anders: „Die vorgeschlagenen Bedingungen scheinen der Versuch zu sein, eine Art von Diktatur ausüben zu wollen, die (Forrest) ermöglichen, mit Blick auf das Minengesetz als Detektiv, Strafverfolger, Richter und Polizist aufzutreten, obwohl er dazu kein Recht hat“, erklärte er.

          Alle wollen graben

          Dabei hat Forrest, der auf fast 6 Milliarden Dollar Vermögen taxiert wird, Macht und vertritt sie auch gerne ganz lautstark: Fortescue ist inzwischen der drittgrößte Erzexporteur „down under“ und hat sich seinerseits eine Fläche von 8,5 Millionen Hektar in der Region für den Bergbau gesichert. Im Gleichschritt mit den Rohstoffpreisen ist der Wert der Fortescue-Aktie im vergangenen halben Jahr um 25 Prozent gestiegen. Mit Blick auf Yarri bleibt Forrest allerdings nur noch, entweder vor dem Höchsten Gerichtshof Verfahrensfehler einzuklagen, oder wegen der Sandhaufen eine Eingabe beim westaustralischen Bergbauminister Norman Moore zu wagen.

          Doch selbst wenn er den Streit um den Sand noch gewinnen würde, hätte der Erbe und Gründer keine Ruhe. Denn sein Land wird auch noch von anderer Seite untergraben: Cauldron Energy, geführt von Tony Sage, einem Entrepreneur wie Forrest selber, will im Sand unter Minderoo nach Uran schürfen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Eine Frage der Ehe

          Abstimmung in Australien : Eine Frage der Ehe

          Australien hat seine Bürger per Brief befragt, ob gleichgeschlechtliche Paare künftig heiraten dürfen. Das wird von fast allen Seiten kritisiert. Ein echter Volksentscheid wird aber von der Opposition blockiert.

          „Ehe für Alle“ in Australien Video-Seite öffnen

          Abstimmung : „Ehe für Alle“ in Australien

          Australien ist das 26. Land, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wird. Über 60 Prozent der Befragten hatten für eine Liberalisierung der Ehe gestimmt. Ein entsprechendes Gesetz könnte noch bis Ende des Jahres in Kraft treten.

          Topmeldungen

          Neue Verbindung: Russland baut eine Brücke über die Straße von Kertsch.

          Krim-Annexion : Abgerissene Verbindungen

          Die Krim-Bewohner und wie sie die Welt sehen – drei Jahre nach der russischen Annexion. Würden die Bewohner wieder für einen Anschluss an Russland stimmen?
          Der amerikanische Präsident Donald Trump und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Bethlehem

          Naher Osten : Palästinenser drohen Amerikanern mit Gesprächsabbruch

          Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Palästinensern eskaliert. In Washington muss die Mission der Palästinenserorganisation PLO schließen. Palästinenserpräsident Abbas warnt vor „gefährlichen Konsequenzen für den Friedensprozess“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.