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Neue Gründerplattform : Wirtschaftsminister Altmaier umwirbt Gründer

Hinter der neuen Plattform stecken das Wirtschaftsministerium und die KfW. Bild: dpa

Mit einer Internetplattform will der CDU-Politiker den Start ins Unternehmertum erleichtern. Schließlich sinkt die Zahl der Gründer. Lässt sich so das Wachstum der Zukunft sichern?

          Das Bundeswirtschaftsministerium will die Zahl der Gründer in Deutschland erhöhen. Gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe gab es am Montag den Startschuss für das Internetportal Gründerplattform. Dieses soll Interessierten dabei helfen, einen Businessplan aufzustellen und Förderkredite zu beantragen. „Existenzgründer sorgen für einen lebendigen Mittelstand“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Daher setze ich mich für eine neue Gründungsoffensive ein.“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Rund um die Jahrtausendwende, in der Boomzeit des Neuen Marktes, gründeten noch weit mehr als eine Million Menschen im Jahr ein Unternehmen. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist diese Zahl drastisch gesunken. Im vergangenen Jahr wagten nach dem Gründungsmonitor der KfW gerade mal 557.000 Menschen den Schritt in die Selbständigkeit, 17 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die meisten betreiben ihr Unternehmen zudem nur im Nebenerwerb. Vollzeitgründer gab es nur 234.000.

          Volkswirte führen die Zurückhaltung vor allem auf die gute Lage am Arbeitsmarkt zurück. Allerorten gibt es gut dotierte Stellenangebote für Fachkräfte. Außerdem lassen die Unternehmen ihren Mitarbeitern immer mehr Freiheiten, Arbeitszeit und Ort selbst zu bestimmen – einst ein Privileg der Selbstständigen. In dieser Gemengelage verspüren nur wenige Arbeitnehmer den Drang, ihre Festanstellung aufzugeben. Hinzu kommt, dass der jüngeren Generation Umfragen zufolge ein sicherer Arbeitsplatz besonders wichtig ist. Sicherheit aber gibt es für Gründer zumindest anfangs wenig.

          440.000 Fachkräfte fehlen

          Die neue Gründerplattform des Wirtschaftsministeriums soll nicht nur den Kontakt zu Banken erleichtern, sondern auch Gründungswillige miteinander vernetzen. Vorbild sind die Arbeitsprozesse im Silicon Valley. Als einer der Erfolgsfaktoren der Start-ups von dort gilt, dass die Gründer nicht viele Jahre im stillen Kämmerlein vor sich hin werkelten, sondern ihre Geschäftsideen frühzeitig mit anderen diskutierten und daraufhin verbesserten.

          Zum neuen Fokus der Regierung auf Gründer passt, dass Altmaier am Montag in der „Bild“-Zeitung die etablierten Autokonzerne öffentlich rüffelte. Diese sollten ihre Geschäftsmodelle endlich an „die ökologische und digitale Zukunft“ anpassen. Außerdem forderte er, dass in Deutschland im Jahr mindestens eine halbe Million neuer Stellen entstehen müssten – und zwar nicht nur für Akademiker, sondern auch für Postfahrer oder Kassierer, deren Arbeitsplätze wegfallen, weil autonom arbeitende Autos oder Kassen ihre Tätigkeiten übernehmen. Altmaier bekräftigte das Ziel aus dem Koalitionsvertrag, Vollbeschäftigung zu erreichen, also eine Arbeitslosenquote von weniger als 3 Prozent. Auch Ökonomen sprechen ab dieser Zahl von Vollbeschäftigung. Aktuell beträgt die Arbeitslosenquote in Deutschland 5,5 Prozent.

          Glaubt man den Unternehmen, mangelt es derzeit jedoch weniger an Stellen, sondern vor allem an qualifizierten Menschen, die diese besetzen könnten. 440.000 Fachkräfte fehlten den Betrieben allein im vergangenen Jahr, haben die Forscher des IW Köln ausgerechnet. Ihr Fazit: Ohne diesen Mangel könnte das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 0,9 Prozent oder 30 Milliarden Euro höher sein. Altmaier zeigte sich optimistisch, dass Flüchtlinge einen Teil dieses Bedarfs decken können. Mehr als 250.000 hätten schon Arbeit gefunden. „Am Ende wird die große Mehrheit der Flüchtlinge zwischen 20 und 60 Jahren einen festen Job haben.“

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