01.08.2008 · Der Autokonzern BMW meldet einen scharfen Gewinneinbruch im zweiten Quartal. Eine Prognose wagen die Münchener nicht mehr, doch wird mit einem Jahresgewinn vor Steuern von 2,3 Milliarden Euro gerechnet. Bisher waren es 3,8 Milliarden Euro.
Der Autokonzern BMW hat wegen der Folgen der Finanzkrise, der Dollarschwäche und der höhen Ölpreise seine Jahresprognose gesenkt. Das bisherige Ziel eines Gewinns vor Steuern von mindestens 3,78 Milliarden Euro gelte nicht mehr, sagte ein BMW-Sprecher am Freitag. BMW gab keine neues Gewinnziel für 2008 mehr ab, sondern teilte lediglich mit, dass die Umsatzrendite vor Steuern bei mehr als 4 (Vorjahr: 6,7) Prozent liegen werde. Bei einem stabilen Jahresumsatz von 56 Milliarden Euro würde das einem Gewinn vor Steuern von 2,3 Milliarden Euro entsprechen.
BMW-Aktien stürzten bei hohem Umsatz um rund zehn Prozent auf 25,80 Euro ab und notierten damit so niedrig wie seit April 2003 nicht mehr.
Im zweiten Quartal ging der Gewinn bereits kräftig zurück. Dabei hatte der Münchner Autohersteller noch trotz sinkender Verkaufszahlen im Juni im ersten Halbjahr 2008 einen Absatzrekord eingefahren. Der Umsatz ging danach aufgrund von Währungseffekten um 0,9 Prozent auf 14,5 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern brach um 58,3 Prozent auf 425 Millionen Euro ein, der Überschuss um 32,7 Prozent auf 507 Millionen Euro.
Im abgelaufenen Quartal erhöhte BMW den Angaben zufolge die Risikovorsorge abermals: Insgesamt sind jetzt 695 Millionen Euro für das Gesamtjahr eingeplant. Möglicherweise werde die Risikovorsorge im zweiten Halbjahr erneut angepasst, hieß es. BMW leidet vor allem unter der lahmenden Autokonjunktur im weltgrößten Pkw-Markt Amerika.
Hoffen auf Russland statt Amerika
Die Münchner verkauften dort zuletzt knapp 336.000 Autos, das ist fast jeder fünfte Wagen. In den Vereinigten Staaten brach auch der Markt für Gebrauchtwagen ein, so dass BMW für Autos, deren Leasingverträge ablaufen, niedrigere Preise einplanen muss. Für seinen größten Einzelmarkt kassierte BMW jetzt seine Absatzprognose und plant 2008 niedrigere Verkaufszahlen ein. Weltweit strebe man aber weiterhin einen neuen Höchstwert bei den Auslieferungen von zuletzt 1,5 Millionen Autos an, bekräftigte der Konzern. Statt in den Vereinigten Staaten will BMW lieber mehr Fahrzeuge in Ländern mit höheren Margen verkaufen, etwa in Russland.
Wie es in der Mitteilung weiter hieß, werden sich die Belastungen in diesem Jahr „auf einen hohen dreistelligen Millionen Euro-Betrag“ belaufen. „Wir müssen und werden unsere Anstrengungen auf der Kosten- und Leistungsseite noch mal verstärken“, kündigte Konzernchef Norbert Reithofer an. Bisher sah das Sparprogra m bis 2012 rund sechs Milliarden Euro vor. Dazu gehört unter anderem der Abbau von 8100 Arbeitsplätzen weltweit, davon 7500 in Deutschland. Die Stellenstreichungen kosteten BMW zuletzt 107 Millionen Euro. Dies liege im Plan, sagte ein Sprecher. Mit den Arbeitnehmervertretern soll über übertarifliche Leistungen verhandelt werden. Zudem plant BMW Produktionskürzungen und flexiblere Arbeitszeiten.
„Wir gehen davon aus, dass auch 2009 ein sehr anspruchsvolles Jahr mit großen Herausforderungen sein wird“, erklärte Vorstandschef Norbert Reithofer. Erst 2010 sollten sich positive Effekte aus dem laufenden Umbauprogramm bemerkbar machen, so dass BMW dann eine Umsatzrendite von mindestens sechs Prozent erwarte. Bis 2012 strebe der Konzern eine Ebit-Marge von 8 bis 10 Prozent an.
Mehrheit an IT-Tochter Cirquent verkauft
Der BMW-Konzern trennt sich von der Mehrheit an seiner IT-Tochter. 72,9 Prozent der Anteile an der Cirquent GmbH seien an das japanische Unternehmen NTT Data verkauft worden, teilte das Unternehmen nach der Unterzeichnung des Vertrages mit. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. BMW behalte 25,1 Prozent, die Cirquent GmbH die restlichen zwei Prozent. BMW konzentriere sich damit auf sein Kerngeschäft, sagte der für Konzern- und Markenentwicklung zuständige Vorstand Friedrich Eichiner.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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