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BMW-Chef kollabiert : Das gefährliche Leben der Manager

Wieder auf den Beinen: Der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger hat seinen Schwächeanfall verarbeitet. Bild: dpa

BMW-Chef Harald Krüger hat heute auf offener Bühne einen Schwächeanfall erlitten. Brauchen hochbelastete Manager wie Fußballstars ihren persönlichen Doktor Müller-Wohlfahrt?

          Auch wenn BMW versichert, der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger sei nicht schwer erkrankt, sein Zustand sei „stabil“ und nicht besorgniserregend: Der Schwächeanfall des 49 Jahre alten Managers auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) hat einmal mehr die Aufmerksamkeit auf die körperlichen und seelischen Belastungen gelenkt, denen Führungskräfte ausgesetzt sind. Schließlich hatte erst vor wenigen Wochen eine Befragung der Max Grundig Klinik unter 1000 Führungskräften für Schlagzeilen gesorgt: Dabei war herausgekommen, dass zwar 70 Prozent der Führungskräfte ihren eigenen Gesundheitszustand als „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten. Zugleich hatten aber 61 Prozent angegeben, stark unter Druck zu stehen und weder ausreichend noch gut schlafen zu können.

          Brauchen Manager jetzt also eigentlich einen Arzt im Team, der sie besonders betreut, wie es der Mannschaftsarzt von Fußballstars macht – ihren „persönlichen Dr. Müller-Wohlfahrt“ gleichsam? Raimund Wilhelmi, Leiter der Buchinger-Klinik in Überlingen, in der sogar der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mal war, findet: Das wäre gut. Die meisten Manager hätten jetzt einen Personal Trainer für die Fitness, auch einen Coach für die Seele hätten viele seit langem, auch wenn sie nicht gern darüber redeten. „Entsprechend wäre auch eine engere medizinische Betreuung sicherlich gut.“

          Manager seien schließlich auch nur Menschen, sagt Wilhelmi. Wenn sie eine gewisse Höhe erreicht hätten, Verantwortung für viele Menschen und viel Geld hätten und in der Öffentlichkeit stünden, laste oft ein unheimlicher Druck auf ihnen. Das sei bei Politikern, Journalisten oder Zahnärzten nicht anders. Es sei wichtig, dass sie Sport trieben, auch mal Pause machten und sich gesund ernährten. Wer immer nur arbeite, zeige bald körperliche Symptome. Wer zu viel esse, werde dick, das Herz-Kreislauf-System erschlaffe. Und wer nicht genug entspanne, könne mit Schlaflosigkeit und Depressionen zu kämpfen haben. Manager-Krankheit habe man früher dazu gesagt – heute rede man vom Stresssyndrom oder Burnout. Wilhelmi berichtet, gerade zu Weihnachten oder Neujahr kämen viele Manager zu ihnen in die Klinik – vorrangig zum Abnehmen. Aber auch einen regelmäßigen Gesundheits-Check für Führungskräfte bietet Buchinger an, wie immer mehr vorwiegend private Klinken von der Fleetinsel in Hamburg bis zur Klinik von Schönheits-Chirurg Werner Mang am Bodensee.

          Personalberater im Gesundheitswesen berichten allerdings, es gebe einige strukturelle Schwierigkeiten, warum Großunternehmen nicht so leicht eine Art „Mannschaftsarzt“ für ihre Führungskräfte nach dem Modell der Sportärzte etablieren könnten. Auf der einen Seite seien Manager nicht gern bereit, Angaben über ihren Gesundheitszustand im Unternehmen offenzulegen. „Hier gibt es neben rechtlichen Bedenken vor allem große Diskretionsbedürfnisse“, sagt Steffen Deutschenbauer, Partner bei der Personalberatung Health Care Leaders. Auf der anderen Seite sei nicht klar, ob die Unternehmen für den betriebsärztlichen Dienst die Spitzenärzte gewinnen könnten, denen Manager hinreichend vertrauten.

          „Einer Organisation wie der deutschen Nationalelf mag es wohl gelingen, einen Top-Mediziner wie Herrn Dr. Müller-Wohlfahrt zu gewinnen“, sagte Deutschenbauer. „Ein praktizierender Arzt würde aber seine Karriere wohl nur selten klinikfern in die Hände eines Unternehmens oder eines noch experimentellen Angebots für Manager legen.“

          Um so mehr Anfragen für Check-up-Programme bekommen im Augenblick Kliniken wie die Max Grundig Klinik auf der Bühlerhöhe bei Baden-Baden. Geschäftsführer Andreas Spaetgens sagt: „Es ist offenkundig ein Trend, wir bekommen immer mehr Schreiben von Unternehmen, die solche Check-up-Programme für Führungskräfte fest in ihre Abläufe integrieren wollen. Das Bewusstsein ist da.“ Immer häufiger gebe es auch Ausschreibungen für Programme, an denen verschiedene Kliniken sich beteiligten. „Ein so enges Verhältnis wie bei Müller-Wohlfahrt und den Fußballern ist das nach meiner Einschätzung nicht“, sagt Spaetgens. „Aber so alle ein bis zwei Jahre kommen die Manager – und halten sich dann relativ vorbildlich an die Verhaltensempfehlungen.“

          Quelle: F.A.Z.

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