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BMW : Arbeiter bestimmen jetzt die Manager-Löhne

In der Fabrik werden 40.000 Euro bezahlt, der einfache Vorstand erhält eine Million Euro. Die Relation zwischen oben und unten soll stabil bleiben Bild: AP

Spitzengehälter werden künftig an den Lohn am Band gekoppelt. Das empfiehlt ein neues Gesetz. BMW macht den Anfang. Fair soll es zugehen, sagt der Vorstand. Nur: Was ist der gerechte Lohn für einen Spitzenmanager?

          Noch nie hatte BMW den Ruf, ein Hort der Absahner zu sein. Da stand schon die Familie Quandt als knausriger Großaktionär vor. Wer als Automanager sein Gehalt maximieren wollte, der heuerte besser in Stuttgart an, egal ob in Untertürkheim oder in Zuffenhausen. Ein Wiedeking-Gehalt hätte den gesamten BMW-Vorstand auf Jahre genährt. Schon Jürgen Schrempp verdiente seinerzeit mehr als die BMW-Führung zusammen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sollte je ein Herr von BMW gehofft haben aufzuholen, sieht der sich nun getäuscht. Als erster Dax-30-Konzern koppelt BMW das Gehalt des Spitzenpersonals an die Löhne am Band. „Wir stellen sicher, dass sich die Schere nicht weiter öffnet“, sagt Personalvorstand Harald Krüger (BMW-Personalvorstand: „Unsere Leute brauchen keine Karotte“).

          In der Fabrik werden grob gerechnet 40.000 Euro im Jahr bezahlt, der einfache Vorstand erhält rund eine Million Euro. Die Relation zwischen oben und unten soll stabil bleiben. Fair soll es zugehen, sagt der BMW-Vorstand. Nur: Was ist der gerechte Lohn für einen Spitzenmanager? Leistet BMW-Chef Norbert Reithofer 38-mal so viel der gewöhnliche BMW-Angestellte? Und ist die Arbeit von VW-Chef Martin Winterkorn 162-mal so viel Wert wie die des durchschnittlichen VW-Werkers?

          Nichts taugt besser dazu, die Vergütung von Managern zu skandalisieren, als die „CEO-to-worker-pay-ratio“. Das ist das Verhältnis zwischen Top-Gehalt und dem Lohn des einfachen Arbeiters. Von links außen bis tief ins konservative Lager wogt die Empörung über die zunehmende Spreizung der Einkommen. „Da ist etwas aus der Balance geraten.“

          Bankchefs kassierten das 1000fache ihrer Angestellten

          In Amerika haben Bank-Chefs das 1000fache ihres durchschnittlichen Angestellten kassiert und mussten hinterher mit Steuergeld rausgehauen werden. Vor einer Generation hat ein Vorstandschef in Amerika das 30- bis 40fache des Arbeiters verdient. Im New-Economy-Boom stieg der Wert auf über 500, jetzt liegt er bei 319, im Finanzsektor deutlich darüber. Das amerikanische Volk zürnt. Präsident Barack Obama greift zur Brechstange: Die Grundgehälter von Managern, deren Unternehmen dank Staatshilfe überleben, werden um 90 Prozent gekürzt. Die amerikanische Notenbank beansprucht für sich die umfassende Kontrolle über die Spitzengehälter in den größten Banken des Landes. Verglichen mit den amerikanischen Verhältnissen, nimmt sich die Spreizung der Löhne hierzulande bescheiden aus. Im Durchschnitt verdient der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns 80-mal so viel wie sein Angestellter; Wolfgang Reitzle von Linde liegt mit dem Faktor von 219 an der Spitze, ganz hinten krebst Martin Blessing, Commerzbank-Chef von Staates Gnaden.

          Wahr ist, dass die Vorstandsgehälter in Deutschland in den neunziger Jahren massiv zugelegt haben. Richtig ist aber auch, dass die Gehaltsunterschiede verglichen mit anderen Industriestaaten immer noch gering sind. Das sagt Stefan Liebig, ein an der Universität Bielefeld lehrender Ungleichheitsforscher.

          Ungerechtigkeitsempfinden nimmt ab

          Trotzdem finden viele das Gehaltsgefüge unfair, gerade Angehörige der Mittelschicht. „Mit höherer Bildung steigt die Wahrscheinlichkeit, sich selbst als ungerecht entlohnt zu bezeichnen“, sagt Professor Liebig. Nachdem sich dieses Gefühl in den vergangenen Jahren verstärkt hat, berichtet der Forscher von erstaunlichen Ergebnissen der jüngsten Umfrage: Das subjektive Ungerechtigkeitsempfinden hat 2009 abgenommen. „Floriert die Wirtschaft, fordern die Menschen einen höheren Anteil am Zugewinn. Geht es schlecht, sind sie zufrieden, den Arbeitsplatz zu behalten.“ Etwa jeder Dritte fühlt sich demnach heute ungerecht bezahlt (im Osten 50 Prozent, im Westen 31 Prozent).

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